Wochenbericht 47/2023

Publikationen

Der Zinsgipfel ist erreicht

Der Schweizer Aktienmarkt (SMI) beendete vergangene Woche deutlich höher bei 10’737 Punkten (+1.7%). Die Rallye im Schlussquartal nahm Fahrt auf. Alle übrigen europäischen Märkte haben erneut deutlich mehr als der SMI zugelegt. So kommt es, dass der Euro Stoxx 50 seit Monatsbeginn (+6.9%) mehr als doppelt so viel zunahm wie der SMI (+3.3%). Die SMI-Schwergewichte wie Nestlé, Roche und Novartis stehen derzeit überhaupt nicht in der Anlegergunst. Ganz anders verhält es sich mit Aktien wie Microsoft und Apple, deren Aktienkurse seit Monatsbeginn noch stärker als der amerikanische Technologieindex Nasdaq (+9.8%) zulegten.

Dies hat mit dem Erreichen des Zinsgipfels in den USA sowie der weichen Landung der US-Volkswirtschaft zu tun. Immer mehr Analysten glauben, dass es nicht zu einer Rezession kommen wird. Die Finanzmärkte gingen in den vergangenen Tagen zunehmend von diesem Hauptszenario aus. Dagegen haben hierzulande einige Anleger scheinbar Zweifel an diesem Szenario, weshalb sie weiterhin Vorsicht walten lassen.

Nach einem sehr starken realen Wachstum im dritten Quartal (+4.9%) gibt es Zeichen der erhofften Abkühlung in den USA. Bereits ist mehr als die Hälfte des vierten Quartals vorüber, doch die Wachstumsrate dürfte sich bereits halbiert haben. Konjunktur- und Unternehmensdaten deuten jedenfalls darauf hin. So stieg etwa die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe stärker an als erwartet, was geldpolitisch als positives Signal zu werten ist. Zudem ging die Industrieproduktion in den USA im Oktober stärker zurück als gedacht – auch das entwickelte sich, wie letztlich insgeheim erhofft. So paradox es tönt: Bad News aus der US-Wirtschaft sind aktuell Good News.

Erfreulich war auch die Preisstabilität im Monat Oktober in den USA. Das ist als Indiz für den Erfolg der beherzten und frühzeitigen Zinserhöhungen durch die US-Zentralbank Federal Reserve zu werten. In den letzten 12 Monaten stiegen die Konsumentenpreise insgesamt lediglich noch um +3.2%, in der Eurozone um +2.9%. Weil die geldpolitischen Leitzinsen viel höher sind, kann allmählich über Zinssenkungen nachgedacht werden. Denn die Zentralbanken haben stets auch das Ziel, eine Deflation zu verhindern. Die jüngsten Preistrends ab Fabrik sind beidseits des Atlantiks bereits deflationär, und die Rohölnotierungen bewegen sich in einer Baisse, d. h. alles deutet darauf hin, dass sich die disinflationären und deflationären Trends fortsetzen und möglicherweise sogar verstärken.

Erfreulich hat sich übrigens der Kurs des Thalwiler Tech-Unternehmens u-Blox (+14% seit Monatsbeginn) entwickelt. Hier ist der grösste Holcim-Aktionär Thomas Schmidheiny mit seinem Family Office als langfristiger Investor eingestiegen. Erwähnenswert ist auch die Performance von Siemens (+19%). Der technologiestarke Industriekonzern verzeichnet zahlreiche boomende Geschäftsaktivitäten, startet ein umfangreiches Aktienrückkaufsprogramm und kann seine Dividende um mehr als zehn Prozent erhöhen.

Thema der Woche: Wertpapieranlagen als richtiges Rezept

«Cash is King» war nicht das richtige Rezept für das Jahr 2023. Und wer sich ob Sparzinsen erfreut hatte, musste jüngst feststellen, dass diese bereits wieder sinken und sowieso deutlich unter der Inflationsrate liegen. Im traditionell guten Jahresschluss zeichnen sich dagegen Wertpapieranlagen als besonders rentabel aus. Die allermeisten unserer diszipliniert selektierten Aktien weisen bislang eine positive Rendite auf.

Besonders eindrücklich steigerten sich jüngst die Aktienkurse von KKR (+21% seit Monatsbeginn), Partners Group (+18%) sowie Mutares (+14%). Diese verfügen in ihren Privatmarktportfolios über viele Perlen, die von den Aussichten auf tiefere Zinsen erheblich profitieren werden. Zudem beachten beide in der Auswahl der Unternehmen seit längerem den Megatrend Digitalisierung, der sich inzwischen – angereichert mit generativer Künstlicher Intelligenz – besonders wertvoll erweisen dürfte. Jedenfalls ist im kommenden Jahr mit einer deutlichen Belebung von Firmenübernahmen und Börsengängen zu rechnen, was den Privatmarkt-Assetmanagern in die Hände spielen wird.

Der Augenheilkonzern Alcon verpasste trotz Gewinnzuwachs von +13% gewisse Analystenschätzungen, doch erfreute uns die Margenexpansion sowie die Zuversicht hinsichtlich des Potenzials in China, Indien und südostasiatischen Märkten. Bei Zurich Insurance kommt es zu risikoreduzierenden Massnahmen auf dem wichtigen US-Markt. Dadurch dürfte die Verstetigung des jährlichen Gewinnwachstums pro Aktie von 8% eher erreicht werden. Wir halten nebst dem Management, dem Geschäftsmodell und der Strategie auch die Dividendenrendite von 6% für attraktiv, um weiterhin investiert zu bleiben.

Nach einem durchwachsenen Herbst nehmen die Gewinnschätzungen für die kommenden Quartale wieder zu. Sofern keine unvorhersehbaren geopolitischen Ereignisse eintreten, dürfte sich der Trend zu Aktien fortsetzen, weil der reduzierte Diskontierungsfaktor die zukünftigen Gewinne heller wirken lässt. Denn die meisten institutionellen und privaten Investoren sind in Aktien nach wie vor untergewichtet, weil sie mit einer Rezession und fallenden Kursen gerechnet haben. Ihre Erholung eingeleitet hat auch unsere Selektion der Anleihen, die nun in einem spürbaren Umfang zur positiven Rendite in unseren Portfoliolösungen beitragen.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

21. November 2023 Kanada: CPI Kerninflation und Inflation Oktober
22. November 2023 Südafrika: CPI Kerninflation und Inflation Oktober
23. November 2023 Eurozone, GB: IHCOB Einkaufsmanagerindizes November
24. November 2023 Deutschland: ifo Geschäftsklima und Erwartungen November

Veranstaltungen

Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Januar 2024

Am Dienstag, 16. Januar 2024 und Donnerstag, 18. Januar 2024 findet im Theater Casino in Zug sowie im KKL in Luzern die 32. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt.

Das Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung werden zu einem späteren Zeitpunkt über unsere Webseite abrufbar sein.


Informationsveranstaltung für Privatpersonen – Vortragssprache Schweizerdeutsch – Geld anlegen ist auch Vertrauenssache

Am Donnerstag, 1. Februar 2024 finden bei uns im Lüssihof zwei Informationsveranstaltungen für Privatpersonen statt. Diese Anlässe richteten sich primär an Interessierte, die uns näher kennenlernen möchten.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung folgen zu einem späteren Zeitpunkt.


Zugerberg Finanz Wirtschaftsworkshops für Jugendliche – März 2024

Jugendliche begeistern und motivieren! Am Samstag, 9. März 2024 sowie Samstag, 16. März 2024 veranstalten wir unter den Titeln «Faszination Wirtschaft» und «Faszination Börse & Kapitalmärkte» zwei Tagesworkshops für Jugendliche. Die Tagesworkshops, die einzeln besucht werden können, richten sich an Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren.

Zur Anmeldung

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.22
SMI 10'737.4 +0.1%
SPI 14'124.4 +2.8%
DAX € 15'919.2 +14.3%
Euro Stoxx 50 € 4'340.8 +14.4%
S&P 500 $ 4'514.0 +17.6%
Dow Jones $ 34'947.3 +5.4%
Nasdaq $ 14'125.5 +35.0%
MSCI EM $ 976.5 +2.1%
MSCI World $ 2'985.2 +14.7%
Obligationenmärkte Seit 31.12.22
SBI Dom Gov TR 206.5 +8.1%
SBI Dom Non-Gov TR 113.2 +4.0%
Immobilienmärkte Seit 31.12.22
SXI RE Funds 427.6 –2.8%
SXI RE Shares 3'071.5 +5.9%
Rohstoffe Seit 31.12.22
Öl (WTI; $/Bbl.) 75.9 –5.4%
Gold (CHF/kg) 56'404.4 +4.0%
Wechselkurse Seit 31.12.22
EUR/CHF 0.9663 –2.3%
USD/CHF 0.8857 –4.2%
EUR/USD 1.0915 +2.0%
Kurzfristige Zinsen
3M Prog. 3M Prog. 12M
CHF 1.70% 1.7%–1.9% 1.7%–1.9%
EUR 3.98% 3.7%–4.0% 3.6%–3.9%
USD 5.37% 5.3%–5.5% 4.0%–4.3%
Langfristige Zinsen
10-Jahre Prog. 3M Prog. 12M
CHF 1.00% 0.8%–1.1% 0.8%–1.1%
EUR 2.58% 2.4%–2.7% 2.4%–2.7%
USD 4.44% 3.6%–3.8% 3.0%–3.3%
Teuerung
2022 2023P 2024P
Schweiz 2.8% 1.9% 1.6%
Euroland 8.5% 5.3% 3.0%
USA 8.0% 3.4% 2.2%
Wirtschaft (BIP real)
2022 2023P 2024P
Schweiz 2.2% 1.0% 1.5%
Euroland 3.3% 1.1% 1.5%
USA 1.9% 1.6% 2.0%
Global 3.0% 2.7% 3.0%
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