Wochenbericht 23/2023

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Finstere Wolken verziehen sich

In der vergangenen Woche verzogen sich die dunkelsten Wolken. Nach der zäh und wochenlang verhandelten Aufhebung der US-amerikanischen Schuldenobergrenze von 31.4 Billionen Dollar durch das Repräsentantenhaus und anschliessend durch den Senat machte sich Erleichterung breit. Die Anleger honorierten, dass die USA eine drohende Zahlungsunfähigkeit gewissermassen in letzter Minute abgewendet haben. Die Märkte gewannen zum Wochenschluss, was in der ersten Wochenhälfte verloren ging. Der Swiss Market Index (SMI) beendete die Woche bei 11’443 Punkten (+6.7% seit Jahresbeginn).

Am auffälligsten blieb unter dem Strich der Wochenverlust von Nestlé (-2.2%), der auf einen Personalwechsel in der Führungsetage des weltweit grössten Nahrungsmittelkonzerns mit über 275’000 Mitarbeitenden zurückzuführen ist. Der 61-jährige Finanzchef François-Xavier Roger kündigte seinen Rücktritt an, wohl um das Verwaltungsratspräsidium von Sandoz zu übernehmen und den entsprechenden Börsengang vorzubereiten. An der reibungslosen Übergabe an die fähige und erfahrene Nachfolgerin Anna Manz zweifeln wir nicht. Wir betrachten die Einbusse der Marktbewertung von Nestlé im Umfang von 6 Milliarden Franken als Folge dieses Personalwechsels nicht als gerechtfertigt.

An der Wall Street legten sich die Sorgen um steigende Zinsen. Am 14. Juni dürfte die Zentralbank Federal Reserve (Fed) erstmals eine Pause einlegen. Für Erleichterung sorgten auch der Fed-Konjunkturbericht Beige Book und der robuste Arbeitsmarkt. Im Mai wurden 339’000 neue Jobs ausserhalb der boomenden Landwirtschaft geschaffen. Die befragten Ökonomen gingen von lediglich 190’000 neuen Stellen aus. Das zeugt von der wirtschaftlichen Stärke, mit den erhöhten Leitzinsen umzugehen. Gleichzeitig überzeugte insbesondere die mässige Lohnentwicklung (erneut nur +0.3% im Mai), d. h. in den USA zeichnet sich keine Lohn-Preis-Spirale ab.

Das Lohnwachstum im Jahresvergleich ist keine aussagekräftige Grösse. Aber einige der aktuellsten Messgrössen für das Lohnwachstum wie z. B. der «Atlanta Fed Wage Tracker» in den USA und die sogenannten «Negotiated Wages» im Euroraum werden nur als Jahresraten veröffentlicht, so dass die Datenbeschränkungen eine genaue Beurteilung des zugrunde liegenden Trends des sequenziellen Lohnwachstums erschweren.

Sofern man allerdings die jüngsten sequenziellen monatlichen Lohndaten verwendet, deutet alles darauf hin, dass sich das Lohnwachstum in den USA seit Anfang 2022 deutlich abgekühlt hat. In der Eurozone war der Inflationsdruck später und höher als in den USA, deshalb dürfte sich das Lohnwachstum erst in der zweiten Jahreshälfte verlangsamen. Positiv verzeichnet wird allerdings bereits gegenwärtig der starke Inflationsrückgang in der Eurozone. Der Konsumentenpreisindex fiel im Mai auf Jahresbasis auf 6.1%. Gegenüber April sanken die Preise sogar: Auf Monatssicht lag die Inflation bei -0.1%, d. h. die Preise sind in eine Phase der Deflation getreten.

Thema der Woche: Inflation sinkt weiter

Der Inflationstrend ist in den Industrieländern weiterhin südwärts gerichtet. Eine Trendwende zeichnet sich nicht ab.  Das deutliche Ausmass der Geschwindigkeit überrascht. Im Februar wurde in der Eurozone vom Statistikamt Eurostat ein Zuwachs von +8.7% gegenüber dem Vorjahresmonat gemessen. Inzwischen ist die Inflationsrate auf +6.1% im Mai gefallen. Die Produzentenpreise sind noch viel stärker gefallen. Die extremen Energie- und Transportkosten wie auch die Lieferkettenprobleme gehören der Vergangenheit an. Der Ökonom Robin Brooks vom berühmten Institute of International Finance (IIF) schliesst für die etwas fernere Zukunft einen «globalen Deflationsschock» nicht aus.

Die Energie- und Strompreise im europäischen Grosshandel sind inzwischen völlig eingebrochen. Musste man im letzten August noch bis über 300 Euro pro Megawattstunde bezahlen, sind es gegenwärtig gerade noch 22 Euro. Im Strombereich verhält es sich ähnlich. Das bedeutet, dass die Nebenkosten in einem Haushalt letztlich zurückgehen werden und damit die leicht steigenden Mietpreissteigerungspotenziale (nach der Erhöhung des Referenzzinssatzes) zumindest teilweise kompensieren.

Vorbei sind auch die Zeiten, in denen das Reisen einfach verteuert werden kann. Das Beispiel der Singapore Airlines, in denen der WLAN-Zugang ab sofort kostenlos für alle ist, zeigt, wie schwierig Vorjahresvergleiche sind. Vielleicht ist ein Leistungspaket teurer geworden, umfasst aber auch mehr Dienstleistungen. Erste eher teurere Airlines lassen Reisende ohne Aufpreis ins Internet und sind bemüht, verlorenen Boden gerade bei Kunden der preiswerteren Klassen gut zu machen.

Viele Konsumgüterhersteller wissen, dass der Höhepunkt der Inflation längst hinter uns liegt. Sie glauben, noch etwas an der Preisgestaltung schrauben zu können, doch die Händler geben mit ihrem Fokus auf günstigere Eigenmarken Gegendruck. Auch bei langlebigen Konsumgütern wie Automobilen und Möbeln stieg der Druck auf die Preise. Im Winterhalbjahr sanken der private Konsum und die Kaufkraft durch hohe Inflationsraten. Nun dreht sich dies ins Gegenteil um.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

5. Juni 2023: Eurozone: HCOB Einkaufsmanagerindizes Mai
7. Juni 2023: China: Handelsbilanz Mai
8. Juni 2023: Japan: BIP, Handels- und Leistungsbilanz April
9. Juni 2023: China: Inflationsrate Konsumenten und Produzenten Mai

Veranstaltung

Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Juni 2023

Am Donnerstag, 15. Juni 2023 und Dienstag, 20. Juni 2023 findet im Theater Casino in Zug sowie im KKL in Luzern die 31. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt.

Durch das Programm führen Timo Dainese, Gründer und geschäftsführender Partner sowie Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom und geschäftsführender Partner der Zugerberg Finanz.

Als diesmaliger Gastreferent nimmt uns Prof. em. Dr. rer. nat. Lutz Jäncke vom Institut für Neurowissenschaften der Universität Zürich auf eine faszinierende Reise mit und zeigt uns auf verständliche und unterhaltsame Weise, wie das Hirn unser Denken, Handeln und Fühlen beeinflusst – und dass dies manchmal nur am Rande mit Vernunft zu tun hat.

Die Informationsveranstaltung wird an zwei Terminen im Theater Casino (Zug) sowie an einem Termin im KKL (Luzern) durchgeführt.

Theater Casino Zug

  • Donnerstag, 15. Juni 2023
    10.00 bis ca. 12.15 Uhr
  • Donnerstag, 15. Juni 2023
    18.00 bis ca. 20.15 Uhr

KKL Luzern

  • Dienstag, 20. Juni 2023
    18.00 bis ca. 20.15 Uhr

Zur Anmeldung

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.22
SMI 11'443.4 +6.7%
SPI 15'075.4 +9.8%
DAX € 16'051.2 +15.3%
Euro Stoxx 50 € 4'323.5 +14.0%
S&P 500 $ 4'282.4 +11.5%
Dow Jones $ 33'762.8 +1.9%
Nasdaq $ 13'240.8 +26.5%
MSCI EM $ 984.4 +2.9%
MSCI World $ 2'873.4 +10.4%
Obligationenmärkte Seit 31.12.22
SBI Dom Gov TR 206.4 +8.0%
SBI Dom Non-Gov TR 111.2 +2.2%
Immobilienmärkte Seit 31.12.22
SXI RE Funds 448.8 +2.0%
SXI RE Shares 2'926.8 +0.9%
Rohstoffe Seit 31.12.22
Öl (WTI; $/Bbl.) 71.7 –10.6%
Gold (CHF/kg) 56'934.5 +5.0%
Wechselkurse Seit 31.12.22
EUR/CHF 0.9732 –1.7%
USD/CHF 0.9091 –1.7%
EUR/USD 1.0708 +0.0%
Kurzfristige Zinsen
3M Prog. 3M Prog. 12M
CHF 1.44% 1.6%–1.8% 1.6%–1.8%
EUR 3.49% 3.5%–3.7% 3.5%–3.7%
USD 5.23% 4.9%–5.1% 3.9%–4.1%
Langfristige Zinsen
10-Jahre Prog. 3M Prog. 12M
CHF 0.86% 0.8%–1.1% 0.8%–1.1%
EUR 2.30% 2.1%–2.4% 2.0%–2.3%
USD 3.69% 3.2%–3.5% 3.0%–3.3%
Teuerung
2022P 2023P 2024P
Schweiz 2.8% 2.1% 1.6%
Euroland 8.5% 5.5% 3.0%
USA 8.0% 3.6% 2.2%
Wirtschaft (BIP real)
2022P 2023P 2024P
Schweiz 2.2% 1.0% 1.5%
Euroland 3.3% 1.1% 1.5%
USA 1.9% 1.5% 2.0%
Global 3.0% 2.8% 3.0%
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