Wochenbericht 18/2021

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Eine Verschnaufpause in Gipfelnähe

Der Swiss Market Index (SMI) hat sich in der vergangenen Woche auf 11’022 Punkte leicht zurückgebildet (-1.6%). Die Aktienmärkte haben in vielen Ländern in Gipfelnähe eine Verschnaufpause in den letzten Tagen eingelegt. Schliesslich waren sie im April insgesamt erneut gestiegen. Dies verleitete trotz aussergewöhnlich guten Quartalsergebnissen zu Gewinnmitnahmen am Gesamtmarkt.

Dabei liegen die schönsten Zeiten vor uns. Die amerikanische Volkswirtschaft dürfte in diesem Jahr rund 7% bis 8% zulegen. Der positive Vermögenseffekt im Umfang von ca. zehn Billionen Dollar seit Januar 2020 sowie die überschüssigen Ersparnisse in der Höhe von rund 1.9 Billionen Dollar aus der Lockdown-Periode entfachen gerade einen regelrechten Konsumboom in den USA. Hinzu kommen die vielfältigen fiskalischen und geldpolitischen Unterstützungen, welche allesamt parallel dazu Ersatz- und Neuinvestitionen fördern und stark konjunkturbelebend wirken.

Die europäischen Einkaufsmanagerindizes steigen weiterhin an. Hier zeichnen sich Werte über der hohen 60er Marke ab, d.h. die Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivitäten dürfte weit über den Herbst 2021 hinausgehen. Das sind ausgezeichnete Vorboten, dass in den kommenden Quartalen «topline» die Umsatzzahlen deutlich zunehmen werden und «bottomline», d.h. unter dem Strich, höhere Gewinne resultieren werden.

Angesichts dieser Aussichten bleiben viele europäische Substanzwerte bescheiden bewertet. Deren Kurs/Gewinn-Verhältnisse bleiben angesichts der Wachstumschancen attraktiv.

Aus Schweizer Investorensicht gilt es, den April unter Berücksichtigung von Währungsveränderungen zu betrachten. Beispielsweise hat der amerikanische Dow Jones mit seinen 33’875 Punkten per Ende April zwar innert Monatsfrist um 2.7% in Dollar zugelegt. Weil sich der Dollar von seiner schwächeren Seite zeigte, resultierte für den Schweizer Investor eine negative Monatsperformance in der Höhe von -1.0%. Mehr dazu wird im Monatsbericht Mai stehen, der im Laufe der Woche erscheinen wird.

Auch der britische Leitindex FTSE 100 hat in Lokalwährung zwar 3.8% zugelegt, aus Frankensicht blieb der Zuwachs auf 1.0% beschränkt. Im Gegensatz zum britischen Pfund und zum Dollar zeigte sich der Euro von seiner starken Seite. Das war eine der Überraschungen im Kapitalmarktmonat April. Eine weitere lag darin, dass sich die Zinskurve in der Eurozone versteilte. Die zehnjährigen Staatsanleihen in Frankreich, Italien und Portugal legten um mindestens 0.2% Rendite innert Monatsfrist zu. So kommt es, dass die Rendite der langen Staatsanleihen von Griechenland gleich hoch ist wie jene von Italien (0.9%). Beide Staaten müssen für ihre langfristige Verschuldung inzwischen deutlich weniger bezahlen als die USA (1.6%).

Thema der Woche: Die Quartalsberichte überzeugen

Bereits ist knapp die Hälfte aller Quartalsergebnisse veröffentlicht worden. Dabei sind in einem schwierigen Umfeld ausserordentlich positive Resultate erzielt worden. Die Gewinnerwartungen sind deutlich übertroffen worden. Das muss bei manchen Aktien allerdings auch sein. Als Microsoft ihre Quartalsergebnisse präsentierte, lagen diese rund 10% über den Erwartungen. Dennoch fiel der Kurs leicht, denn der Aktienkurs hat im Vorfeld der Berichterstattung bereits deutlich zugelegt und liegt 13% über dem Jahresanfangswert.

Zu überzeugen vermochten die Ergebnisse von Facebook und von Alphabet, dem Mutterkonzern von Google, die sich beide in einem erbitterten Kampf mit Apple befinden. Im Kern geht es um neue Datenregeln, die Apple mit dem neuen iPhone-Betriebssystem eingeführt hat. Neu wird eine ausdrückliche Zustimmung zum «Tracking» der Online-Aktivitäten gefordert; bislang musste man das Tracking manuell deaktivieren. Da Facebooks und Googles Werbegeschäft auf der Auswertung von Nutzerdaten basiert, wäre es ein Rückschlag, wenn viele Nutzer das Tracking ablehnen.

Dabei wird die moderne Werbetechnologie von vielen geschätzt. Man wird nicht mit irrelevanten Informationen zugepflastert, sondern gezielt und personalisiert. Insbesondere im asiatischen Mittelstand hat sich Facebook eine herausragende Stellung erarbeitet und wird inskünftig von der dort stark wachsenden Konsumfreude profitieren. Für das erste Quartal meldete Facebook einen Umsatzsprung auf 26.2 Milliarden Dollar (+48%). Der Nettogewinn hat sich auf 9.5 Milliarden Dollar fast verdoppelt – und es werden noch bessere Quartale folgen.

Dagegen leidet Samsung Electronics unter dem aktuellen Chipmangel, weil wichtige Hersteller von Smartphones aufgrund der Knappheit an Microchips weniger Displays bei Samsung bestellten. Die Delle dürfte nicht lange anhalten. Die Nachfrage in der Pandemie nach Fernsehern und Haushaltsgeräten nahm stark zu, wobei im laufenden Quartal die bevorstehende Fussball-EM und die Olympischen Spiele noch für eine Sonderkonjunktur sorgen dürften.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

3. Mai 2021 Deutschland / Frankreich / Eurozone: Markit PMI verarbeitendes Gewerbe April
5. Mai 2021 Deutschland / Frankreich / Eurozone: Markit PMI Dienstleistungen April
6. Mai 2021 USA: Produktivitätsentwicklung 1. Quartal / Arbeitslosenanträge Mai
7. Mai 2021 Japan / China / Eurozone: PMI Dienstleistungen April / Industrielle Produktion März

Kommentar

Dem traditionsreichen saisonalen Gedanken «Sell in May and go away» würden wir auch dieses Jahr nicht folgen. Schon vor einem Jahr rieten wir dazu, das Kapital voll und ganz in den Mandaten arbeiten zu lassen. Das hat sich ausbezahlt.

Auch in diesem Jahr sind wir davon überzeugt, dass das bessere Motto umgekehrt lautet: «Buy in May and go away». Noch immer schlummert viel zu viel Kapital auf Bankkonti. Dabei gibt es ausgezeichnete Wege, um in diesem starken konjunkturellen Aufschwung das Kapital für sich arbeiten zu lassen.

Das Schweizer Bruttoinlandprodukt hat im April bereits wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Andere Staaten haben das noch vor sich. Das Staatssekretariat für Wirtschaft in Bern publiziert wöchentlich den Index der wirtschaftlichen Aktivitäten. Demnach ist der Einbruch der ersten Pandemiewelle wie auch die Delle der zweiten Welle bereits wieder wettgemacht worden. Das soll aber keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass einzelne Bereiche nach wie vor erheblich leiden und dass möglicherweise der Wohlstandsverlust im einen oder anderen Fall nicht nur vorübergehend ist.

Anleger mit überschüssiger Liquidität profitieren derzeit davon, dass die wachsende Wirtschaft Kapital benötigt. Die von uns verfolgte, aktive Bewirtschaftung der jeweiligen Anlageklassen und ihrer optimalen Kombination verspricht im derzeitigen Aufschwung weiterhin vielfältige gute Wachstumsaussichten.

Herzlich, Maurice Pedergnana

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.20
SMI 11'022.3 +3.0%
SPI 14'179.1 +6.4%
DAX € 15'135.9 +10.3%
Euro Stoxx 50 € 3'974.7 +11.9%
S&P 500 $ 4'181.2 +11.3%
Dow Jones $ 33'874.9 +10.7%
Nasdaq $ 13'962.7 +8.3%
MSCI EM $ 1'347.6 +4.4%
MSCI World $ 2'938.8 +9.2%
Obligationenmärkte Seit 31.12.20
SBI Dom Gov TR 230.2 –4.3%
SBI Dom Non-Gov TR 119.8 –0.1%
Immobilienmärkte Seit 31.12.20
SXI RE Funds 490.1 +1.4%
SXI RE Shares 3'105.2 +1.6%
Rohstoffe Seit 31.12.20
Öl (WTI; $/Bbl.) 63.6 +31.0%
Gold (CHF/kg) 51'934.9 –3.9%
Wechselkurse Seit 31.12.20
EUR/CHF 1.0978 +1.5%
USD/CHF 0.9131 +3.2%
EUR/USD 1.2020 –1.6%
Kurzfristige Zinsen
3M Progn. 3M Progn. 12M
CHF –0.75 −0.8 - −0.6 −0.8 - −0.6
EUR –0.54 −0.6 - −0.5 −0.6 - −0.4
USD +0.18 0.0 - +0.3 0.0 - +0.3
Langfristige Zinsen
10 Jahre Progn. 3M Progn. 12M
CHF –0.20 −0.6 - −0.4 −0.3 - −0.1
EUR –0.21 −0.6 - −0.3 −0.2 - +0.2
USD +1.63 +1.2 - +1.4 +1.4 - +1.6
Teuerung
2021P 2022P 2023P
Schweiz 50.0% 120.0% 120.0%
Euroland 100.0% 150.0% 200.0%
USA 160.0% 240.0% 250.0%
Wirtschaft (BIP real)
2021P 2022P 2023P
Schweiz 500.0% 200.0% 180.0%
Euroland 600.0% 260.0% 180.0%
USA 300.0% 200.0% 220.0%
Global 540.0% 350.0% 350.0%
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