Der aktienbezogene Swiss Market Index (SMI) hat die dritte aufeinanderfolgenden Woche mit einem Plus abgeschlossen. Der SMI beendete vergangene Woche bei 9242 Punkten (+2.7%). Das verdankt er im Wesentlichen seinen Schwergewichten Nestlé, Novartis und Roche.
Dank seiner defensiven Ausrichtung mit seinen Schwergewichten aus der weniger konjunktursensitiven Nahrungsmittel- und der Pharmaindustrie ist der SMI weltweit der beste Aktienmarkt. Er hat sich relativ gut gehalten, und das untermauert, dass man nicht immer jedem Anlagetrend von 3D-Druckern über Robotik bis zu Fintech hinterher rennen muss.
Mitten in der Corona-Krise dürfen sich auch jene Langfrist-Investoren bestätigt sehen, welche die Grundlage des Aktiensparens mit einem Heimatfokus versehen haben. Der Schweizer Aktienmarkt bietet einige Perlen, auch Dividendenperlen. Der Glanz liegt manchmal in der absoluten Performance und manchmal in der relativen. Der SMI befindet sich derzeit gegenüber dem Jahresanfang rund 13% im Minus. Das ist alleweil besser als andernorts. Der europäische Euro Stoxx 50 liegt 29% im Minus, der amerikanische Dow Jones 26% und der japanische Nikkei 25%.
Fairerweise bleibt anzufügen, dass in der Schweiz unter Fachleuten auch weitere Indizes verfolgt werden. Da ist zum einen der «SPI Extra», der kleine und mittelgrosse Unternehmen umfasst. Dieser hat seit Jahresbeginn 22% eingebüsst. Und beim «SMIM», der mittelgrosse Firmen abbildet, sind es sogar 25%. Das verwundert nicht, sind doch da wesentliche exportorientierte Unternehmen abgebildet, welche durch die Pandemie vorübergehend einen grossen Einschnitt in ihrer Geschäftstätigkeit erfahren haben.
Wiederholt verweisen wir auf die Worte «vorübergehend», «kurzfristig» und «temporär». Es gilt jedoch das Langfristige im Auge zu behalten. Die beiden häufigsten Verhaltensfehler an den Kapitalmärkten sind die Überreaktion bei kurzfristig hohen Schwankungen und die Unterreaktion auf einen strukturellen Trend. Das erste ist nachvollziehbar. Emotional sind Phasen von erhöhter Volatilität nichts für schwache Nerven. Man verkauft schliesslich, völlig entnervt vielleicht sogar am tiefsten Punkt, ohne über ein Konzept des Wiedereinstiegs zu verfügen. Die Gefahr besteht dann darin, dass man mit Aktienanlagen erst wieder beginnt, wenn die Kurse bereits wieder viel höher liegen.
Die Unterreaktion auf den Strukturwandel ist vielleicht jedoch der grössere Fehler. Man glaubt, nichts prognostizieren zu können und hält sich an die Vergangenheit. Doch die Wirtschaft verändert sich. Darauf gehen wir beim «Thema der Woche» ein.
Manche halten sich strikt an die Vergangenheit, weil sich vermeintlich nichts prognostizieren lasse und auf lange Sicht doch wieder alles zur Mitte tendiere. Dies ist eine Sichtweise, die wir in einem wesentlichen Teil nicht teilen. Die Vergangenheit wird nie wieder zurückkehren. Volkswirtschaften sind dynamische Gebilde, die sich strukturell wandeln, genauso wie die zugrunde liegenden privaten Haushalte, der Staat und die Unternehmen sich wandeln.
Die Unterreaktion auf derartige Strukturwandel gilt als grosser Verhaltensfehler. Denn die Wirtschaft verändert sich. Jede Epoche ist von einem bestimmten Denken geprägt, fasziniert von den jeweiligen «Aushängeschildern» des Unternehmertums. Sehr viel früher galten Eisenbahnunternehmen als «sichere» Werte. Sie standen für Dynamik und Modernität. In der Nachkriegszeit waren Stahlunternehmen Kern in einem Portfolio.
Seit dem ersten Ölpreisschock von 1973 galten Ölkonzerne als «stabil und sicher». Obschon die erste kommerzielle Raffinerie mehr als hundert Jahre früher (1860 in Baku) eröffnet wurde, dauerte es sehr lange, bis sich Ölfirmen etabliert hatten. Es war zunächst eine randständige Energiequelle. Kohle spielte eine wesentlich grössere Rolle. Im Laufe der Zeit verdrängte Öl vieles und im globalen Energiemix kam es schliesslich zum Höhepunkt.
Doch der strukturelle Wandel sorgt allmählich für einen trendmässig veränderten Energiemix. Davon ist auch die Nachfrage nach Rohöl betroffen. Die Preise sind auf das tiefste Niveau seit 18 Jahren gefallen. Konsternation macht sich in der Branche breit. An der nächsten OPEC+ Sitzung müssen massive Förderkürzungen beschlossen werden, sollte der Preis nicht ins Bodenlose stürzen.
Als Portfoliomanager gilt es zu beachten, dass die Weltwirtschaft dynamisch und anpassungsfähig ist. Sie ist erst gerade daran, sich zu dekarbonisieren. Wind- und Solarenergie sowie Wasserkraft gewinnen Energieanteile. Ein Portfolio darf sich nicht an der Vergangenheit orientieren, sondern muss strukturelle Veränderungen einbeziehen und entsprechend zukunftsfähig gestaltet werden.
Die erzwungene Reprivatisierung durch Kontaktverbote und Ausgangsbeschränken zerrt an den Nerven. Der sichtbare kollektive Erfolg rechtfertigt jedoch die Massnahmen, und wir hoffen natürlich, dass die Disziplin auch über die Osterfeiertage anhalten wird. Das frühlingshafte Wetter mag etwas darüber hinwegtrösten, dass zusätzlich zum Wohnzimmer der Balkon, der Garten oder der Garagenvorplatz zum Spielplatz mutiert sind.
So nebenbei erfährt die Digitalisierung in ungeahntem Tempo eine Beschleunigung. Anwendungen wie Teams, Skype und Zoom sorgen dafür, dass Begegnungen weiterhin stattfinden – wenn auch virtuell. Wir haben in der vergangenen Woche u.a. unsere ordentliche Verwaltungsratssitzung auf diese Weise durchgeführt. Schritt für Schritt handelten wir die Traktanden anhand der jeweiligen Unterlagen ab, die wir auf den virtuellen «Sitzungs-Bildschirm» projiziert haben. Mehr zu den Entschlüssen, die wir an der Verwaltungsratssitzung gefällt haben, erfahren Sie an dieser Stelle in den nächsten Wochen.
Auf den geschichtsträchtigen März 2020 und was er für die Portfolios bedeutet hat, werden wir im Monatsbericht April eingehen, der morgen erscheinen wird.
Wir hoffen, dass es Ihnen und Ihren Liebsten gut geht und Sie die herausfordernde Zeit gut meistern. Wir wünschen Ihnen einen guten Start in die 4. Woche das Lockdowns. Aus Europa gab es jüngst ermutigende Zeichen, was die Eindämmung der Ausbreitung von Covid-19 betrifft.
Herzlich, Timo Dainese