Wir haben uns für diese Einschätzung Zeit gelassen. Mehr Zeit, als Sie es sonst von uns gewohnt sind. Aber die Situation hat sich in den vergangenen Tagen und Wochen teilweise fast stündlich verändert, von Panik über Hoffnung zu Euphorie und wieder zurück. Wenn die Sachlage derart undurchsichtig ist, macht es manchmal mehr Sinn, nichts zu sagen, als etwas zu kommunizieren, was kurz darauf schon wieder keine Gültigkeit mehr hat.
Auch heute ist es nicht einfach, eine Einschätzung abzugeben. Das Coronavirus ist das dominante Thema, mittlerweile fast rund um den Globus. Die Lage verändert sich dynamisch, innert kürzester Frist. Wir sind keine Ärzte und keine Mediziner. Und selbst diese wissen vermutlich noch zu wenig über das Virus, um fundierte Aussagen machen zu können, wie es sich weiter entwickeln wird.
Wir beschränken uns daher darauf, aufzuzeigen, was uns die Geschichte in solchen Situationen gelehrt hat. Krisen und Panik an den Märkten hat es immer und immer wieder gegeben. Diese Situationen durchzustehen, eben nicht in Panik zu verfallen, sondern damit umgehen zu können, das ist der Preis dafür, dass man langfristig massiv besser entschädigt wird als mit einem risikolosen Sparkonto. So einfach ist es im Prinzip. Und trotzdem fällt es in solchen Momenten manchmal schwer. Selbst uns, obwohl wir mit Maurice Pedergnana, Danilo Zanetti, Roger Rissi, Barend Fruithof (VR), einem sehr erfahrenen Wirtschafts- und Finanzbeirat und vielen mehr über ein Team von Experten verfügen, welches überaus krisenerprobt ist. Dabei ist es für den langfristigen Anlageerfolg unabdingbar, dass man mit diesen hektischen, anspruchsvollen und nervösen Zeiten umzugehen weiss.
Das Coronavirus hat China als weltweit wichtigster Produktions-Standort getroffen. Die harten Eingriffe der Regierung, um die Verbreitung zu verhindern, haben innert Kürze die globalen Lieferketten und die Just-in-Time Herstellung von Konsumgütern gefährdet. Lager wurden massiv abgebaut. Bei einzelnen Teilen ist es auch zu vorübergehenden Lieferengpässen gekommen.
Seither hat sich die Lage in China, und auch in Südkorea, dem am zweit meisten betroffenen Land in Asien, stark beruhigt. Aus China werden kaum mehr Neuansteckungen gemeldet. Im März wird die Produktion gemäss Aussagen der chinesischen Führung wieder in Vollbetrieb genommen. Derzeit liegt die Kapazitätsauslastung bereits wieder bei mehr als 50%. Sie dürfte sich nach Einschätzung vieler China-Beobachter gegen Ende des Monats auf rund 80% Auslastung entwickeln. Der Angebotsschock ist somit rasch überwunden worden.
Weitaus mehr beschäftigt uns aktuell ein möglicher handfester, selbstverursachter realwirtschaftlicher Nachfrageschock. Das Virus wird gesundheitspolitisch auf der nördlichen Halbkugel mit Massnahmen bekämpft, die das wirtschaftliche Leben erlahmen lassen.
Der schockartige Rückgang der Nachfrage betrifft grenzüberschreitendes Reisen, Tourismus, Freizeitaktivitäten (z.B. Messe-, Sport- und Kulturveranstaltungen). Auch Bildungsstätten wurden geschlossen. Das hat unmittelbare Folgen für die betroffenen Branchen, mittelbar aber auch für Zulieferer, vielfach aus dem nichtkotierten KMU-Bereich.
Die Aktienmärkte widerspiegeln nicht die Wirtschaft. Sie haben innert Kürze 20% verloren, in gewissen Branchen noch deutlich mehr. Diese Entwicklung resultiert letztlich aus den weltweiten Einschätzungen, ob es gerade ein guter Moment ist, investiert zu sein, oder nicht. Das Coronavirus hat diese Einschätzungen sehr rasch und sehr stark geändert – offensichtlich kollektiv und global. Die Korrelation zwischen den einzelnen Länderindizes war extrem hoch, d.h. es wurde wenig differenziert, was verkauft wurde: Wichtiger war der massive Kapitalabfluss aus Aktienmärkten und Unternehmensanleihen in Staatsanleihen und Geldmärkte.
Ein Vergleich mit 2008 ist unserer Meinung nach unangemessen. Damals hat eine Krise am Finanzmarkt, die durch das Verhalten der mit ungewöhnlichen Wertpapierpaketen spekulierenden Banken ausgelöst wurde, in die Realwirtschaft übergegriffen. Heute ist es vielmehr so, dass sich eine realwirtschaftliche, gesundheitsbezogene Krise durch tiefe Zinsen in der Finanzbranche ausbreitet. Durch die Globalisierung und Medialisierung geschieht dies heute gleich in Echtzeit.
Hinzu kommt der Disput um das Rohöl. Obschon die globale Nachfrage sinkt, will keines der drei grössten Ölförderländer (USA, Russland, Saudi-Arabien) die eigene Produktion reduzieren. Als Folge der Überproduktion ist der Rohölpreis seit Jahresbeginn um 40% und mehr eingebrochen. Er liegt auf einem Niveau, das weit entfernt ist, um die ölabhängigen Staatshaushalte in Russland und Saudi-Arabien ausgeglichen zu gestalten. In den USA sind zudem Hunderttausende von Stellen unsicher, sollten sich die Preise nicht bald erholen. Die Eskalation zwischen Russland und Saudi-Arabien kommt zu einem denkbar ungünstigen Moment.
Wir rechnen aktuell nicht mit einer kurzfristigen, V-förmigen Erholung der wirtschaftlichen Aktivitäten. Vielmehr schätzt die nüchterne OECD in ihrem virusbezogenen Wirtschaftsbericht von März 2020, dass es zu einem U-förmigen Verlauf kommt. Das heisst, die Einbussen in der Wirtschaft sind in den laufenden Wochen und Monaten noch spürbar, dürften aber im Laufe der zweiten Jahreshälfte und insbesondere im Jahr 2021 nach Aussagen der OECD durch ein erhöhtes Wachstum überkompensiert werden.
Dies erscheint uns im gegenwärtigen Moment das plausibelste Szenario. Damit dieses eintrifft, wird es allerdings auch gezielte fiskalpolitische Impulse brauchen, um die notleidenden Branchen zu stützen. Die US-Regierung hat diesbezüglich klare Schritte angekündigt. Weil der Aktienmarkt der Konjunktur typischerweise jeweils rund sechs bis neun Monate vorausläuft, könnten die entsprechenden Schritte bereits in den kommenden Tagen und Wochen zur Stabilisierung auf den Kapitalmärkten führen.
Wenn die Aktienmärkte wie am 9. März 2020, dem «Schwarzen Montag», gleich um 5% bis 10% fallen, verunsichert dies. Daran ändert auch nichts, wenn sich die Märkte am Folgetag wieder etwas erholen. Noch immer erleben wir Tagesschwankungen von bis zu 5%, hinauf, und wieder hinunter. Die Volatilität – ein Mass der Unsicherheit – dürfte noch einige Wochen hoch bleiben.
Deshalb ist wichtig, dass man diszipliniert festlegt, welchen Anteil am persönlichen Gesamtvermögen maximal in Aktien angelegt werden soll. Wer dies mit dem entsprechend langfristigen Anlagehorizont gemacht hat, lässt sich nicht so rasch aus der Ruhe bringen, sofern man sich in den zugrundeliegenden Unternehmen auf solide Geschäftsmodelle fokussiert hat, die auch in schwierigen Zeiten in der Lage sind, positive Cash Flows zu erzeugen.
Wir erachten es als äusserst zentral, in diesen Zeiten nicht in Aktionismus zu verfallen. Wir nehmen daher im Moment keine grösseren Veränderungen an den Portfolios vor. Wir kaufen nicht, und wir verkaufen nicht; allenfalls nehmen wir gezielt Rebalancings vor. Die Historie zeigt eindeutig auf, dass man an den besten Tagen des Jahres investiert sein muss, andernfalls verpasst man ¾ der Rendite. Die Herausforderung dabei ist, dass die besten Tage oftmals direkt neben den schlechtesten Tagen liegen. So wie wir dies im Moment erleben. Es ist daher u.E. zwingend notwendig, die aktuellen Turbulenzen durchzustehen, um auch an den guten Tagen investiert zu sein, die so wichtig sind für die Gesamtrendite. Das beste Rezept für Zeiten wie diese ist, den Online-Zugang zum Depot und die Finanzmarktberichte beiseite zu legen. Die Märkte werden sich erholen, das war nach jeder Krise so. Jede Krise hat sich in der dunkelsten Stunde so angefühlt, wie die aktuelle. Die führenden Firmen werden aus dieser Krise gestärkt hervorkommen. Die Frage ist nicht ob, sondern nur wann.
Man kann sich viele Szenarien ausdenken, mit einem unterschiedlichen Einfluss von Technologien und Produktivität. Zentral bleibt jedoch, dass sich der asiatische Raum zu einem global relevanten Technologiestandort entwickeln wird und sich der weltwirtschaftliche Mittelpunkt immer weiter Richtung Asien verlagert. Wir zählen da nicht nur Japan und China dazu, sondern auch Indien, Taiwan, Südkorea und Indochina. Es werden sich eigentliche «Technologie-Cluster» herausschälen.
Langfristig haben wir es weiterhin mit dem grössten Zuwachs der Mittelklasse in der Menschheitsgeschichte zu tun. Über die letzten 20 Jahre war dies zu beobachten, und über die kommenden 20 Jahre wird sich dies mit etwas veränderten geografischen Schwerpunkten wie China, Indien, Indonesien usw. fortsetzen. Dieser Megatrend ist nicht aufzuhalten. Damit einher gehen höherer Konsum, höhere globale Umsätze und Gewinne bei den führenden Unternehmen.
In den hochindustrialisierten Ländern findet ein demografischer Wandel statt, der zur Herausforderung wird. Auch dies lässt sich kaum mehr abwenden. Generell dürften daraus makroökonomische Wachstumsraten resultieren, die in den Schwellenländern typischerweise 2% bis 3% höher als in unseren westlichen Industrieländern liegen dürften.
Aktien: Eine dauerhafte Eintrübung des weltwirtschaftlichen Geschehens erscheint uns nicht als Hauptszenario. Deshalb glauben wir, dass langfristig denkende Investoren für ihre Realwertanlagen weiterhin belohnt werden. An der Börse ergeben 2 und 2 nicht 4, sondern 5 minus 1, und man muss die Nerven haben, dieses «minus 1» auszuhalten. Das Abwarten auf einen «besten» Einstiegszeitpunkt spielt für langfristig denkende Anleger beinahe keine Rolle. Wer diszipliniert vorgeht, findet derzeit in manch defensiven Aktien eine interessante Langfristanlage. Dabei umfasst ein möglichst konjunkturresilientes, dividendenträchtiges Portfolio derzeit eher wenige zyklische Titel.
Anleihen: Bei uns stehen nach wie vor Unternehmensanleihen im Vordergrund. Diese werfen über mehrere Jahre trotz allen Schwankungen deutlich mehr Rendite ab als Staatsanleihen. Letztere bewegen sich dermassen tief im negativen Bereich, dass sich in einem wirtschaftlichen Stabilisierungsszenario mittelfristig weiterhin keine positive Gesamtrendite erzielen lässt.
Alternative Anlagen: Der Anteil nimmt nicht nur bei den institutionellen, sondern auch bei den privaten Anlegern zu. Die Vielfalt ist gross und reicht von Gold bis hin zu versicherungsrisikobezogenen Lösungen. Bei uns liegt der Schwerpunkt bei den Privatmarktanlagen (Private Equity, Private Debt usw.), mit denen wir einen zusätzlichen Diversifikationsnutzen erzielen.
Wie bereits oben beschrieben, ist es für den langfristigen Anlageerfolg unabdingbar, dass man mit diesen von Unsicherheit und hohen Schwankungen geprägten Zeiten umgehen kann. Es gibt u.E. keine Gründe, sich zu viele Sorgen wegen der Marktentwicklung zu machen. Wir sind defensiv in soliden Werten investiert, sowohl aktien- wie auch anleihenseitig. Viel wichtiger als die aktuellen Buchwerte sind die Erträge, die laufend eingehen.