Wochenbericht 52/2020

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Kurz vor Weihnachten

Wenige Tage verbleiben noch im Jahr 2020. Der Fokus der Anleger kurz vor Weihnachten 2020 liegt wohl auf der Planung der coronabedingt erschwerten sozialen Kontakte der kommenden Tage. Wirtschaftlich gilt das Jahr als abgeschlossen und auf den Kapitalmärkten ist in den kommenden Tagen nicht mehr mit grossen Volumina zu rechnen.

Die Schweizer Anleihen steuern auf ein Jahr mit einer Nullrunde hin. Der Swiss Bond Index (AAA – BBB Total Return) liegt wieder auf dem Niveau wie zu Jahresbeginn. Das gilt praktisch auch für den aktienbezogenen Swiss Market Index (SMI). Der SMI startete bei 10’617 Punkten und liegt derzeit 93 Punkte (-0.9%) tiefer bei 10’523 Punkten. Die geringe Differenz täuscht. Zwischenzeitlich waren die Schwankungen besonders gross. Insbesondere die Hochs und Tiefs lagen in diesem Jahr besonders nah beieinander: Am 19. Februar erreichte der SMI sein Höchst bei 11’263 Punkten. Nur wenig später, am 23. März, kam dann das Tief bei 8’160 Punkten – also rund 28% tiefer.

Weltweit sieht das Bild ähnlich aus. Auf die Höchstkurse Mitte Februar 2020 erfolgte ein beispielloser Absturz. Darauf sorgte die schnellste Aufholjagd in der Kapitalmarktgeschichte für eine rasante Aktienmarkterholung. Nicht die Länder sorgten für eine Diversifikation, sondern die Branchen. Indizes, die mit einem starken Fokus auf Tech und Digitalisierung versehen sind, haben sich am stärksten erholt. Da ist der amerikanische Technologieindex Nasdaq (+42%) zu erwähnen, aber auch der südkoreanische Kospi (+26% mit dem Aushängeschild Samsung) und der indische Sensex (+14% mit den weltweit grössten IT-Outsourcingfirmen).

Indizes, die dagegen stark mit fossilen Energieträgern, Ölgewinnung und Rohstoffen verbunden sind, blieben zurück. Der britische Leitindex FTSE 100 liegt immer noch 13% unter dem Jahresbeginn, beim spanischen Ibex sind es 16%. Indizes mit einer starken Branchendurchmischung liegen performancemässig um die Null herum, doch diese Indizes werden von Innen aus «gesäubert». So verlor der Ölkonzern Exxon Mobil (vor 20 Jahren noch zu den globalen Top 5 zugehörig) nach 92 Jahren seinen Platz im Dow Jones Index, dem berühmtesten Aktienindex der Welt, an den Softwareanbieter Salesforce.

Gewiss hat der amerikanische Dow Jones gegenüber dem Jahresbeginn bereits knapp 6% zugelegt. Das bezieht sich allerdings auf die Performance in Dollar. In Schweizer Franken liegt die Performance im Minus, denn der Dollar hat sich seit dem 1. Januar 2020 um knapp 9% abgeschwächt.

 

Thema der Woche: Starke Wirtschaftserholung erwartet

Die Volkswirtschaften in Europa und in den USA sind stark von der Pandemie gebeutelt. Doch in den USA hat man sich in der Nacht auf heute auf ein 900 Milliarden Dollar schweres Hilfspaket geeinigt. In Europa dürfte das kürzlich verabschiedete Budget im kommenden Jahr den konjunkturellen Aufschwung prozyklisch massiv unterstützen.

Deshalb stehen die Aussichten für Aktienanleger gut, denn in einem Aufschwung mit massiven Gewinnsteigerungen greifen die Investoren zu. Dagegen dürfte sich die Kauflaune bei den Anleihen in Grenzen halten. Die durchschnittliche Verfallsrendite beim Swiss Bond Index ist auf -0.2% bei einer erhöhten Restlaufzeit von rund 8 Jahren gefallen. Gerade die Aussicht auf dauerhaft niedrige Zinsen, eine immer noch mögliche Einigung zum Brexit und kraftvolle Konjunkturprogramme in Kombination mit den Impfungen gegen das Coronavirus entzücken.

Aus den unternehmensbezogenen Nachrichten ergibt sich ein optimistisches Lagebild. Manche Wirtschaftszweige blicken schon definitiv ins neue Jahr. Im Dezember werden die Prämienrechnungen verschickt, und die Versicherungsbranche erfreut sich über üppige Prämienerhöhungen insbesondere im Sach- wie auch im Rückversicherungsgeschäft. Davon profitieren Konzerne mit einem starken US-Geschäft wie Zurich Insurance, AXA und Swiss Re überproportional. Doch auch die Industrie blickt zuversichtlicher ins kommende Jahr.

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig und überraschend unbeeindruckt vom erneuten Lockdown. Die Stimmung hat sich im Dezember weiter verbessert, meldet das Münchner Ifo-Institut am vergangenen Dienstag. Grundlage für diese Einschätzung ist eine monatliche Befragung von rund 9’000 Unternehmen. Vermutlich gehe der gegenwärtige Lockdown mit einer Wachstumsdelle einher, aber mit einer Rezession von mehr als zwei negativen Quartalen in Folge rechne man nicht. Die Eingriffsintensität liege immer noch weit unter den Einschränkungen im Frühjahr 2020.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

21. Dezember 2020 Eurozone: Verbrauchervertrauen Dezember
22. Dezember 2020 Deutschland: GfK Konsumentenvertrauen Dezember/Januar
23. Dezember 2020 USA: (Kern-) Inflation und Konsumausgaben November
24. Dezember 2020 USA: Auftragseingänge für langlebige Güter November

Kommentar

Viel an Performance-Veränderung ist in den kommenden Tagen nicht mehr zu erwarten. Vielmehr geht es bei uns darum, nochmals diverse Szenarien für die kommenden Jahre und deren Auswirkungen auf die jeweiligen Portfolios zu beleuchten.

Dabei verlassen wir uns gewiss nicht blindlings auf das Prinzip Hoffnung. Aber auch die düstere Gegenwart darf nicht unendlich lang in die Zukunft projiziert werden. Was uns beeindruckt, ist die starke Erholung in Asien – von China über Japan bis Indien. Die halbe Weltbevölkerung befindet sich in einem klaren Aufschwung. Davon profitieren europäische Unternehmen stärker als amerikanische, weil erstere globaler ausgerichtet sind.

Chinesen kaufen soviel deutsche Ware wie noch nie. Daimler, eine Ikone deutscher Ingenieurskunst, erfreut sich über die höchsten Absatzzahlen von Mercedes in China. Dabei stehen vor allem die etwas grösseren, schöneren und luxuriöseren Modelle wie die S-Klasse und der Maybach im Vordergrund bei den kauffreudigen Chinesen. Das spüren auch die Schweizer Zulieferer der deutschen Automobilindustrie.

Vom Aufschwung überproportional profitieren werden generell europäische Luxusgüterhersteller. Und irgendwann werden die Asiaten auch wieder hierherkommen, an die Zürcher Bahnhofstrasse und den Luzerner Schwanenplatz sowie auf das Jungfraujoch – schneller denn je mit dem neuen «Eiger Express».

Herzlich, Maurice Pedergnana

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.19
SMI 10'523.9 –0.9%
SPI 13'104.4 +2.1%
DAX € 13'630.5 +2.9%
Euro Stoxx 50 € 3'545.7 –5.3%
S&P 500 $ 3'709.4 +14.8%
Dow Jones $ 30'179.1 +5.7%
Nasdaq $ 12'755.6 +42.2%
MSCI EM $ 1'268.4 +13.8%
MSCI World $ 2'666.3 +13.1%
Obligationenmärkte Seit 31.12.19
SBI Dom Gov TR 241.0 +2.4%
SBI Dom Non-Gov TR 120.0 +0.4%
Immobilienmärkte Seit 31.12.19
SXI RE Funds 479.5 +9.9%
SXI RE Shares 3'030.4 –7.4%
Rohstoffe Seit 31.12.19
Öl (WTI; $/Bbl.) 49.1 –19.6%
Gold (CHF/kg) 53'450.9 +13.0%
Wechselkurse Seit 31.12.19
EUR/CHF 1.0822 –0.3%
USD/CHF 0.8837 –8.6%
EUR/USD 1.2257 +9.2%
Kurzfristige Zinsen
3M Prog. 3M Prog. 12M
CHF –0.79 −0.8 - −0.6 −0.8 - −0.6
EUR –0.57 −0.5 - −0.2 −0.2 - ±0.0
USD +0.24 +0.0 - +0.3 +0.0 - +0.3
Langfristige Zinsen
10-Jahre Prog. 3M Prog. 12M
CHF –0.56 −0.6 - −0.4 −0.5 - ±0.0
EUR –0.58 −0.5 - −0.1 −0.5 - ±0.0
USD +0.95 +0.6 - +0.9 +0.6 - +0.9
Teuerung
2020P 2021P 2022P
Schweiz –0.5% +0.5% +1.2%
Euroland +0.5% +1.0% +1.5%
USA +1.0% +1.6% +2.4%
Wirtschaft (BIP real)
2020P 2021P 2022P
Schweiz –5.0% +5.0% +2.0%
Euroland –6.6% +6.0% 160.0%
USA –7.4% +3.0% +2.0%
Global –6.0% +5.4% +3.5%
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