Nach den schärfsten Leitzinserhöhungen in der Geschichte der US-Geldpolitik wächst die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Übersteuerung. Bereits für die nächste Fed-Sitzung am 1. Februar wurde eine weitere Zinserhöhung angekündigt. Die «energischen Massnahmen zur Straffung des geldpolitischen Kurses» (Jerome Powell) seien noch nicht am Ende. Es liege «trotzdem noch mehr Arbeit vor uns» und (in Mehrzahl angekündigt) «weitere Erhöhungen erscheinen uns angemessen». Das Zielband für die Federal Funds dürfte somit nicht nur erhöht werden, sondern auch länger als erwartet erhöht bleiben.
Als Folge der Ungeduld, die Auswirkungen der bisherigen Massnahmen abzuwarten, droht der US-Wirtschaft eine Fed-induzierte Rezession. Das hat die Märkte aufgeschreckt. Im Dezember büsste der breite US-Aktienindex S&P500 bis heute 5.6% ein, der Technologieindex Nasdaq gar 6.7%. Was wir befürchtet hatten, trat ein: Die US-Zentralbank Federal Reserve gab sich äusserst klar, alles in Kauf zu nehmen, damit die Inflation zurückgeht.
Sie erwartet im kommenden Jahr durch die Straffung der Geldpolitik eine Steigerung der Arbeitslosigkeit von 3.7% auf 4.6%. Dazu trägt der restriktive Weg in beschleunigtem Umfang bei. Die jüngsten Wirtschaftszahlen aus den USA deuten darauf hin, dass vielleicht nach Neujahr eine leichte Rezession starten könnte. Anzeichen einer geringeren Dynamik liegen vor. Die Detailhandelsumsätze waren jüngst sowohl im Gesamt- als auch im Kerngeschäft schwächer als erwartet. Preisnachlässe, die mit dem Abbau überschüssiger Warenlager verbunden sind, werden immer häufiger beobachtet. Der Philadelphia Fed-Index für das verarbeitende Gewerbe ging mit seinen Komponenten Auftragseingänge, Auslieferungen und Beschäftigung stärker zurück als erwartet. Die Fed geht davon aus, dass die Kerninflation im Jahr 2023 lediglich auf 3.5% und erst in 2024 auf 2.5% zurückgeht.
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) schaltet im Kampf gegen die hohe Inflation einen Gang höher. Der Leitzins wurde auf nunmehr 2.5% (+0.5%) erhöht. Weitere Anhebungen sind aus Sicht der EZB-Chefin Christine Lagarde zu erwarten. Die Zinsen müssten im Kampf gegen die Inflation weiter signifikant steigen, erklärte sie. Der Euro hat sich weiter erholt und liegt mit 1.06 im Verhältnis zum Dollar rund 10% höher als Ende September.
Auch entwickelten sich die Aktienmärkte in Europa relativ gesehen «besser» (d. h. weniger schlecht als die US-Märkte). Seit Monatsbeginn liegt der Swiss Market Index mit 10’770 Punkten rund 3.2% tiefer. Das hat auch damit zu tun, dass die Wirtschaftsprognosen in Europa in jüngster Zeit angehoben wurden. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft sagt im Gegensatz zu den meisten anderen Forschungseinrichtungen der deutschen Wirtschaft ein Wachstum im kommenden Jahr voraus (+0.3%). Die Aussichten für die Konjunktur hellten sich – bei hoher Unsicherheit – etwas auf. Massgeblich dafür sei, dass der private Konsum weit weniger unter der Energiekrise leiden werde als bislang befürchtet. Auch die Inflationsrate soll im kommenden Jahr deutlich niedriger sein als bislang prognostiziert.
Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) überraschte nicht. Die jüngste Erhöhung der Leitzinsen ist wie in vielen Ländern noch nicht das Ende der geldpolitischen Straffung. In ihrer quartalsweisen geldpolitischen Lagebeurteilung hält sie fest, dass sie damit «dem erhöhten Inflationsdruck und einer weiteren Verbreiterung der Teuerung» entgegenwirke. Wir erwarten zusätzliche Zinserhöhungen, um die Preisstabilität in der mittleren Frist aus monetärer Sicht zu gewährleisten.
Die Inflation ist über die letzten Monate etwas zurückgegangen und lag im November bei 3.0%. Sie bewegt sich aber weiterhin deutlich oberhalb des Bereichs von 0.0% bis 2.0%, den die SNB mit Preisstabilität gleichsetzt. Der stärkere inflationäre Druck aus dem Ausland und die Verbreiterung der Preiserhöhungen über die verschiedenen Güterkategorien im Konsumentenpreisindex führen dazu, dass die neue Prognose trotz der Anhebung des SNB-Leitzinses mittelfristig höher ausfällt. Gemäss jüngster SNB-Prognose beträgt die Inflation im Jahresdurchschnitt 2.9% (2022), 2.4% (2023) und 1.8% (2024). Ohne die Zinserhöhung von vergangener Woche wäre die Inflationsprognose in der mittleren Frist noch höher.
Die globale Wachstumsdynamik hat sich weiter verlangsamt. Gleichzeitig liegt die Inflation in vielen Ländern merklich über den Zielwerten der Zentralbanken. Entsprechend haben zahlreiche Zentralbanken ihre Geldpolitik weiter gestrafft. Die SNB erwartet in ihrem Basisszenario für die Weltwirtschaft, dass diese herausfordernde Situation vorerst bestehen bleibt. So dürfte das globale Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen schwach ausfallen, und die Inflation wird vorläufig erhöht bleiben. Am Arbeitsmarkt blieb die Lage positiv. Die Beschäftigung wuchs weiter, und die Arbeitslosigkeit nahm nochmals leicht ab. Die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten waren nach Ansicht der SNB bis zuletzt gut ausgelastet.
Das BIP der Schweiz dürfte dieses Jahr um rund 2% wachsen. Die schwächere Nachfrage aus dem Ausland und die hohen Energiepreise dürften jedoch die Wirtschaftsaktivität im kommenden Jahr merklich dämpfen. Vor diesem Hintergrund erwartet die SNB für 2023 noch ein reales BIP-Wachstum von rund 0.5%, was einem nominellen Zuwachs von rund 3% entspricht.
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Januar 2023
Am Dienstag, 24. und Donnerstag, 26. Januar 2023 findet im KKL in Luzern sowie im Theater Casino in Zug die 30. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt.
Durch das Programm führen Timo Dainese, Gründer und geschäftsführender Partner der Zugerberg Finanz, Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom und geschäftsführender Partner sowie unsere Gastreferenten, Dewet Moser, stellvertretendes Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und Urs Birchler, ehemaliges Direktionsmitglied der Schweizerischen Nationalbank (SNB).
KKL Luzern
Theater Casino Zug
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