Wochenbericht 49/2021

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Versöhnliches Ende einer schwankungsreichen Woche

In der vergangenen Woche äusserten sich zwei Pharma-Unternehmer zur Virusvariante Omikron und sorgten damit für eine schwankungsreiche Woche, die jedoch ein versöhnliches Ende fand. Der Chef von Moderna, Stéphane Bancel, war eher skeptisch. Ugur Sahin, Chef von Biontech, äusserte sich dagegen deutlich positiver. Die Datenlage ist gering, weshalb es heute schwierig ist, eine Einschätzung abzugeben. Sahin hält es für wahrscheinlich, dass Geimpfte einen deutlichen Schutz gegen schwere Erkrankungen, die durch Omikron verursacht werden, haben werden. «Wir gehen davon aus, dass dieser Schutz noch ausgeprägter ist, wenn die Menschen ihre dritte Impfung bekommen haben», sagte er gegenüber dem Wall Street Journal. In rund zwei Wochen wisse man deutlich mehr.

Die Politik sah eher das halbleere Glas und erlies vielerorts weitgreifende Massnahmen. Dies wiederum schickte die Aktien- und Rohstoffmärkte weltweit zeitweilig auf Talfahrt. Gemäss Einschätzungen südafrikanischer Ärzte könnte der Krankheitsverlauf jedoch milder als bei vorherigen Varianten ausfallen. Interessant ist, dass der Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf bis am vergangenen Freitag noch kein einziger Todesfall im Zusammenhang mit der Omikron-Variante gemeldet wurde.
Genau darauf setzt die grösste US-Bank JP Morgan. Die Omikron-Variante könnte nicht die Pandemie verschärfen, sondern im Gegenteil ihr baldiges Ende einläuten. Die Spanische Grippe, welche vor rund hundert Jahren bis zu 50 Millionen Menschenleben forderte, mutierte mehrmals, ehe sie ab 1920 zu einer harmlosen Grippevariante wurde, die es bis heute gibt – ohne nennenswerte Gefährdungen. Deshalb könne man die Virusvariante als einen Katalysator für die Finanzmärkte betrachten. Daher sieht JP Morgan den jüngsten Ausverkauf als eine günstige Kaufgelegenheit für zyklische Aktien, Rohstoffe und pandemiegeschädigte Dienstleistungsbranchen, Serviceerbringer und Infrastrukturbetreiber.

Der Swiss Market Index (SMI) beendete vergangene Woche bei 12’175 Punkten (-0.2%), wobei die im letzten Wochenbericht umschriebene Swiss Life das Gewinnerfeld mit +4% innert Wochenfrist angeführt hat. Seit Jahresbeginn hat die Swiss Life-Aktie inkl. Dividende (wie jene vom Versicherungskonzern Axa) um 37% zugelegt, wobei das grosszügige Aktienrückkaufsprogramm am heutigen Montag beginnen und zu einer weiteren Gewinnverdichtung führen wird.
Die allermeisten Aktienmärkte starteten positiv in den Monat Dezember, hatten im Vormonat allerdings auch Einbussen zu erleiden gehabt. Die Zuversicht für 2022 bleibt, auch wenn die weltwirtschaftlichen Wachstumsraten nicht gleich im Januar in die Höhe schnellen werden. Jetzt bleiben noch zwei Wochen, ehe der typischerweise verlängerte Weihnachtsurlaub im Investment Banking beginnt, die Handelsvolumina arg zusammenschrumpfen werden und grössere Bewegungen bis zum Jahreswechsel kaum mehr zu erwarten sind.

Thema der Woche: Die Portfolios werden aufs kommende Jahr ausgerichtet

Im Dezember gibt es kaum mehr relevante Unternehmensinformationen. Die Jahresabschlüsse sind in Vorbereitung und letzte Mergers & Acquisitions werden vor dem Jahresende nur vollzogen, wenn es unbedingt sein muss. Denn häufig ist das gesamte «Ökosystem» der Kapitalmarktteams, bei Private Equity Managern, in Kanzleien und Revisionsgesellschaften bereits im Weihnachtsurlaub. Insbesondere in London und in New York sind dies längst nicht mehr die attraktivsten Arbeitgeber. Die jüngere Generation ist weniger bereit, von 9.00 Uhr morgens bis 23.00 Uhr abends zu arbeiten, so wie sich das typischerweise in diesem System etablierte. Immerhin hat das Home Office dazu geführt, dass mancherorts die Wegzeiten wegfielen.

Die vergangenen elf Monate waren im Corporate Finance besonders intensiv. Praktisch jedes SMI-Unternehmen hat sich im Laufe des Jahres durch Zukäufe und Konzernabspaltungen sowie Beteiligungsveräusserungen (z.B. Novartis mit dem Verkauf von 33% der Roche-Inhaberaktien) massgeblich verändert. Manchenorts wurde die Strategie geschärft (z.B. Nestlé), andernorts die Geschäftsfelder verbreitert (z.B. Holcim). Dritte wiederum beschleunigten durch ihre Akquisitionen materiell und geografisch ihre Vertriebskanäle (z.B. Sika).

Einen passiven Anleger muss das alles nicht kümmern. Er ist mit Grossbanken wie Credit Suisse exponiert wie auch mit dem Gipfeli-Hersteller Aryzta und dem Kiosk-Betreiber Valora. Für einen aktiven Vermögensverwalter geht es jedoch darum, im jeweiligen Marktumfeld die Besten aus dem Mittelmass zu favorisieren. Dazu zählt beispielsweise, dass unsere Portfolios u.a. widerstandsfähiger gegenüber absehbaren monetären Entzugserscheinungen im kommenden Jahr gestaltet werden.

Zudem denken wir nicht nur in der Dimension von Aktien. Wir bewirtschaften Anleihensportfolios mit rund 400 verschiedenen Anleihen. Deren Auswahl und Monitoring zu bewältigen können wir nur dank eiserner Disziplin im Detail und Künstlicher Intelligenz zum gesamten Marktgeschehen. Beides wird letztlich gepaart mit gesundem Menschenverstand. In diesem Jahr sind insbesondere «grüne» Bonds aufgekommen, doch nicht selten besteht das Risiko von Greenwashing. Wir sind vom Nachhaltigkeitsansatz überzeugt, doch erfordert dies eine sorgfältige Prüfung, ob der unternehmerische Pfad, der mit Eigen- und/oder Fremdkapital alimentiert wird, auch zu unseren – und Ihren – Vorstellungen passt.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

6. Dezember 2021: Eurozone: Sentix Investorenvertrauen Dezember
7. Dezember 2021: Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen Dezember
9. Dezember 2021: USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe Dezember
10. Dezember 2021: USA: University of Michigan Vertrauen Dezember

Veranstaltungen

Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick

Der Bund hat angesichts der eskalierenden Lage in den Spitälern die Covid Massnahmen verschärft. Die neuen Massnahmen gelten ab heute Montag.

Die Konsequenzen sind leider auch für uns weitreichend.

An unseren Anlässen im Januar wird 2G gelten. Die Interaktion mit unseren Gästen vor und nach den Vorträgen ist uns ein zentrales Anliegen – und unseren Gästen ebenso. Nur mit 2G haben wir die Möglichkeit, Stehapéros durchzuführen. Daher gilt 2G an all unseren Januar-Anlässen (Stand heute).

Im Lüssihof sind beide Ausgaben des Wirtschafts- und Börsenausblickes bereits ausgebucht. Für den Anlass im KKL in Luzern gibt es noch freie Plätze. Wir freuen uns sehr darauf, unsere geschätzten Kundinnen und Kunden wieder einmal persönlich begrüssen zu dürfen.

Herzlich grüsst,
Timo Dainese

 

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.20
SMI 12'175.8 +13.8%
SPI 15'540.6 +16.6%
DAX € 15'170.0 +10.6%
Euro Stoxx 50 € 4'080.2 +14.8%
S&P 500 $ 4'538.4 +20.8%
Dow Jones $ 34'580.1 +13.0%
Nasdaq $ 15'085.5 +17.0%
MSCI EM $ 1'224.6 –5.2%
MSCI World $ 3'086.4 +14.7%
Obligationenmärkte Seit 31.12.20
SBI Dom Gov TR 235.2 –2.2%
SBI Dom Non-Gov TR 120.1 +0.1%
Immobilienmärkte Seit 31.12.20
SXI RE Funds 501.0 +3.6%
SXI RE Shares 3'124.2 +2.3%
Rohstoffe Seit 31.12.20
Öl (WTI; $/Bbl.) 66.3 +36.6%
Gold (CHF/kg) 52'585.5 –2.7%
Wechselkurse Seit 31.12.20
EUR/CHF 1.0381 –4.0%
USD/CHF 0.9172 +3.6%
EUR/USD 1.1315 –7.4%
Kurzfristige Zinsen
3M Progn. 3M Progn. 12M
CHF –0.78 −0.8 - −0.6 −0.8 - −0.6
EUR –0.60 −0.6 - −0.5 -0.5 - -0.3
USD +0.19 0.0 - +0.3 0.0 - +0.3
Langfristige Zinsen
10 Jahre Progn. 3M Progn. 12M
CHF –0.28 −0.2 - 0.0 −0.2 - +0.1
EUR –0.40 −0.2 - 0.0 0.0 - +0.2
USD +1.34 +1.2 - +1.5 +1.6 - +1.9
Teuerung
2021P 2022P 2023P
Schweiz 90.0% 120.0% 100.0%
Euroland 220.0% 170.0% 150.0%
USA 380.0% 250.0% 220.0%
Wirtschaft (BIP real)
2021P 2022P 2023P
Schweiz 300.0% 350.0% 180.0%
Euroland 420.0% 480.0% 220.0%
USA 600.0% 480.0% 250.0%
Global 600.0% 500.0% 380.0%
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