An ihrem Investorentag stellte die Versicherungsgruppe Swiss Life neue ambitionierte Finanzziele und das nächste Strategieprogramm vor. Dabei will sie den eingeschlagenen Weg fortsetzen, ein grösserer Umbau steht nicht an. Bis 2024 will Swiss Life im Gebührengeschäft ein operatives Ergebnis von 850 bis 900 Millionen Franken jährlich erzielen (bis anhin 600 Millionen). Es sollen sowohl das Gewinnwachstum wie auch die Gewinnqualität gesteigert werden. Swiss Life ist bekannt dafür, die Ziele einer Strategieperiode effektiv zu erreichen – ganz unabhängig von täglichen Schwankungen an der Börse.
Das Ziel für die Eigenkapitalrendite von Swiss Life wird um zwei Prozentpunkte auf 10% bis 12% angehoben. Die Aktionäre sollen zudem von einer Ausschüttungsquote von mindestens 60% profitieren (was höher liegt als die aktuellen 50% bis 60%). Ausserdem kündigte Swiss Life ein überraschend umfangreiches Aktienrückkaufprogramm über einer Milliarde Franken an, was zu einer spürbaren Gewinnverdichtung von 6% pro Aktie führt. Deshalb gehen wir insgesamt von einer attraktiven Gesamtrendite in den kommenden Jahren aus.
Übrigens haben wir in unserer eher defensiven Anleihenslösung jüngst einen neuen Kauf getätigt und die Währung sogleich abgesichert: Der Versicherer Zurich Insurance hat eine Anleihe über 500 Millionen Dollar begeben, die für allgemeine Geschäftszwecke verwendet wird. Die nachrangige Anleihe ist mit einem Coupon von 3.5% ausgestattet. Wenn sie im Februar 2032 nicht zurückbezahlt wird, erhöht sich der Coupon um 1.0%. Wir kaufen solche Anleihen (in diesem Fall mit einem hohen Rating A+) in unsere Anleihensfonds, weil das handelbare Mindestvolumen 200’000 Dollar beträgt und somit aufgrund der Komplexität der zugrundeliegenden Mechanismen nur in breiter Diversifikation den Privatanlegern zugänglich gemacht werden darf. Die Erkenntnis bleibt: Mit Disziplin und nach sorgfältiger Prüfung nehmen wir nach wie vor Anleihen mit einer soliden, positiven Rendite in die Portfolios auf. Die Suche ist aufwendig, aber nicht aussichtslos.
Der Swiss Market Index legte zuletzt eine Verschnaufpause ein. Er beendete vergangene Woche auf 12’199 Punkten (-2.8%), liegt damit aber immer noch im leichten Plus für den Monat November. Hauptursache für die schlechte Wochenperformance war die neue Coronavirus-Variante, welche die Volatilität wohl überreagieren liess. Sie hat die Anleger am vergangenen Freitag jedenfalls weltweit verunsichert und die Aktien- und Rohstoffmärkte auf Talfahrt geschickt. Es ist jedoch selbst nach der Einstufung der neuen Corona-Variante B.1.1.529 («Omikron») der Weltgesundheitsorganisation zu früh, um einschätzen zu können, ob sich daraus die positiven Konjunkturaussichten verändern. Zumindest sind gegenwärtig allfällige Ängste hinsichtlich einer unerwartet raschen Leitzinserhöhung in den USA verflogen.
Die europäische Wirtschaft ist nicht zu beneiden. Letztes Jahr sorgte im November die Notzulassung der ersten Impfstoffe für etwas Euphorie, doch die Verfügbarkeit war noch nicht gegeben. Die Gefühle von Verunsicherung, Angst, Überraschung und Traurigkeit überwogen im Familienkreis, weil liebgewonnene (vor-)weihnächtliche Traditionen wegfielen.
Jetzt – zu «Corona-Weihnachten 2.0» – sind weniger Ängste und viel mehr Ärger und Frustration im Spiel. Die verhältnismässig tiefe Impfquote und Virus-Mutationen stellen ein Hindernis in der wirtschaftlichen Erholung dar. Mehrere Staaten unternehmen inzwischen vieles, um die Impfquote von Portugal oder Spanien zu erreichen, die Spitzenauslastung auf den Intensivstationen zu brechen und damit die Voraussetzungen für die allgemeinen Rahmenbedingungen zu verbessern.
Der italienische Notenbankchef Ignazio Visco ist jedoch über die Entwicklung der Corona-Pandemie in erheblicher Sorge. Die Folgen für die Volkswirtschaften seien schwer absehbar, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) jüngst. Die Unsicherheit bleibe weiter hoch. Der neue Anstieg der Infektionszahlen in Europa und in anderen Ländern habe die Perspektive zurückgedrängt, wie es nach der Covid-Krise weitergeht. Die EZB will auf ihrer Sitzung Mitte Dezember ihren weiteren geldpolitischen Kurs abstecken. Vorläufig ist mit einer weiterhin expansiven Geldpolitik zu rechnen.
Von der finanziellen Seite her ist der Support für die Wirtschaft vorhanden. Die Finanzinstitute im Euroraum haben im Oktober 2.5% mehr Darlehen an Unternehmen ausgereicht als vor Jahresfrist. Das teilte die EZB vergangene Woche mit. An die Privathaushalte vergaben die Geldhäuser sogar 4.1% mehr Kredite. Bei diesen handelt es sich insbesondere um Hypothekarkredite, d.h. damit wird die Bautätigkeit respektive die Bauindustrie direkt und indirekt das gesamtwirtschaftliche Volkseinkommen gefördert.
Die wegweisende Ampelkoalition in Deutschland will ein besonderes Augenmerk auf die Immobilienpreisentwicklung im Wohnungsmarkt legen. Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank liegen die Preise um bis zu 30% über dem Fundamentalwert. Umgekehrt ist den Koalitionsparteien klar, dass mehr gebaut werden muss. Insbesondere in grossen Städten (Berlin, München, Frankfurt) übertrifft die Nachfrage das Angebot bei weitem.
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick
Am Dienstag, 18. und Donnerstag, 20. Januar 2022 findet im KKL in Luzern sowie bei uns im Lüssihof in Zug die 28. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt.
Im laufenden Jahr hat sich die globale Wirtschaft kräftig erholt. So stark, dass heute vielerorts Lieferengpässe bestehen und die Inflation stark angestiegen ist. Was erwartet uns nun im Jahr 2022? Welches Szenario ist realistisch, und was bedeutet dies für die Zinsen, die Immobilienpreise und die Aktienmärkte?
Durch das Programm führen Timo Dainese, Gründer und geschäftsführender Partner, Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom und geschäftsführender Partner der Zugerberg Finanz sowie unser Gastreferent, Herr Erich Gysling, renommierter Weltpolitik-Experte, Mitbegründer der Sendung Rundschau und ehemaliger Chefredaktor des SRF.
KKL Luzern
Dienstag, 18. Januar 2022 17.30 bis ca. 20.15 Uhr
Zugerberg Finanz Lüssihof Zug (nur noch wenige Plätze vorhanden)
Donnerstag, 20. Januar 2022 09.30 bis ca. 12.15 Uhr
Donnerstag, 20. Januar 2022 17.30 bis ca. 20.15 Uhr
Weitere Infos und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.