Der US-Dollar gilt als starke Währung. Doch mitten in der Einschätzung, wonach sich die Rezessions-Wahrscheinlichkeit in der Eurozone erhöht hat, legt der Euro zu. Seit dem 04.11. hat sich der Euro gegenüber dem Dollar um 6.2% aufgewertet. Der schwache Dollar trübt die Freude über die jüngste Kurserholung an den US-Aktien- und Anleihensmärkten, war er doch so schwach wie zuletzt im März 2009, am Ende der grossen Finanzkrise.
Nach überraschend tiefen US-Inflationszahlen ist es kurzfristig zu einer mächtigen Rallye an den Aktienmärkten gekommen. Der breite S&P500-Index legte dadurch seit Monatsbeginn 3.5% zu, der Technologieindex Nasdaq gar 4.0%. Aber in Schweizer Franken oder in Euro betrachtet sind die US-Titel immer noch weniger wert als zu Monatsbeginn.
Der starke Euro hilft dagegen, die durch hohe Energiepreise importierte Inflation zu reduzieren. Die Energiekosten fallen in Dollar an, was einen positiven Einfluss auf die europäischen Inflationswerte ausüben wird. Der tiefere Dollar-Kurs zeigte sich in den letzten Tagen in bereits deutlich tieferen Heizölpreisen. Rohöl in Euro ist auch günstiger geworden, was sich binnen einer Woche auch an den Tankstellen in der Eurozone spürbar bemerkbar machte.
Der Euro, dem noch vor kurzem düstere Zeiten prophezeit wurden, hat sich auf das höchste Niveau seit Anfang Juli emporgearbeitet. Die europäische Wirtschaft überraschte jüngst mit ihrer guten Entwicklung im dritten Quartal (+1.9% BIP-Wachstum). Auch für das vierte Quartal, das zur Hälfte bereits wieder vorüber ist, wird von einem Wachstum ausgegangen. Die amerikanische Investment Bank J. P. Morgan schätzt inzwischen den Zuwachs in der Eurozone auf +0.8%, was jedoch 2.1% höher liegt als die hauseigene Prognose von -1.2%, die noch vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde.
Vor diesem Hintergrund haben Anleger ihre Risikoaversion etwas zurückgeschraubt und insbesondere europäische Aktien erworben. Diese liegen heute 16.7% höher als zu Quartalsbeginn. Allein in der vergangenen Woche legten Werte wie SAP (+10%), St. Gobain und Mercedes-Benz (je +8%) zu. In der Schweiz waren teils noch stärkere Bewegungen zu beobachten bei Aktien wie Sika (+18%), Partners Group (+17%) und Givaudan (+14%). Lonza (+9%) und SGS (+8%) zogen ebenfalls an, auch Nebenwerte wie Swissquote (+19%). Die Rallye zeigte einmal mehr eindrücklich, wie wichtig es ist, investiert zu sein, und zu bleiben – auch wenn es zwischenzeitlich schmerzt. Verpasst man Tage wie den letzten Donnerstag, kommt man langfristig nicht auf einen grünen Zweig.
Während viele Titel stark zulegten, wurden offensichtlich die defensiven Schwergewichte verkauft. Nestlé und Zurich Insurance (je -1%), Roche (0%) und Novartis (-3%) bremsten die Entwicklung des SMI. Dieser lag mit 11’127 Punkten wegen seiner defensiven Schwergewichte insgesamt «nur» 3.2% höher als in der Vorwoche und 9.9% höher als zu Quartalsbeginn. Insgesamt liegt der SMI immer noch 13.6% tiefer als zu Jahresbeginn.
Dunkle Wolken sieht, wer sich von den vorherrschenden Wörtern in den Wirtschaftspublikationen prägen lässt. Derzeit heissen diese: Abschwung, Rezession, Rückzug, Verschlechterung, Abschwächung, kombiniert häufig mit unsicher, abwärts gerichtet, ungünstig und vorsichtig. Vor allem die Inflation als Gesamtes wie auch von einzelnen Branchen (z. B. Energiepreise) verbreitet zweifellos berechtigte Sorgen.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist jedoch, die Gesetzmässigkeiten der Finanzmarktkommunikation zu verstehen. Die Aufsichtsbehörden verfolgen jeweils sehr genau, wie Finanzverantwortliche von börsenkotierten Unternehmen kommunizieren. Traditionell vorsichtig geben sich viele speziell im vierten Quartal, kurz vor dem Jahresabschluss. Speziell vorsichtig ist die Finanzmarktkommunikation rund um einen ökonomischen Wendepunkt (z. B. Konjunktur, Inflation). Denn die Kommunikationsverantwortlichen haften letztlich persönlich für das Verbreiten von falschen Impressionen aus dem Tagesgeschäft. Da ist man als Finanzchef lieber einmal zu viel auf der vorsichtigen Seite als einmal zu wenig.
Auch einzelne Werte sollte man nicht überbetonen. Die CPI Inflationszahlen sind in den USA gewiss ein beachtenswertes Stück zurückgekommen. Natürlich kann man argumentieren, dass der Abwärtstrend noch etwas ausgeprägter hätte sein können. Aber wichtig war die Beobachtung, dass alle zukunftsgerichteten Inflations-Indikatoren südwärts gerichtet waren.
Wir sehen deshalb Silberstreifen am Horizont, reihen uns jedoch nicht unter die euphorischen Optimisten. Wir halten es für Licht, aber ist es bereits hell genug, damit sich die US-amerikanische Zentralbank am 14. Dezember entschliesst, die Drosselung des bislang rekordsteilen Zinserhöhungszyklus einzuleiten?
Wir schliessen uns nicht derartigen Spekulationen an und werden uns nicht von einzelnen Zahlen und geldpolitischen Entscheidungen abhängig machen. Vielmehr fokussieren wir auf eine Selektion von Unternehmen, die Fremdkapital (mittels Anleihen) und Eigenkapital (mittels Aktien) in einer gesunden Balance halten, um auch wirtschaftlich anspruchsvolle Zeiten zu meistern. Solche stehen zweifellos an und fordern uns in der Analyse und Selektion heraus.
Zugerberg Finanz Informationsveranstaltung für Privatpersonen – Rückblick
Am 10. November 2022 fand im Lüssihof eine Informationsveranstaltung zum Thema «Vermögensverwaltung für jede Lebens- und Vermögenssituation» statt. Das Interesse an diesem Anlass war wie schon in den vergangenen Jahren gross und der Saal durch die über hundert Gäste bis auf den letzten Platz besetzt. Die Gäste verfolgten gespannt die Ausführungen von CEO Timo Dainese zur Unternehmensphilosophie und dem Anlageansatz der Zugerberg Finanz. Thomas Aregger, Senior Relationship Manager, erläuterte das Schweizer Vorsorgesystem und zeigte im Anschluss die Vorsorge und Vermögensverwaltung entlang des Lebenszyklus auf. Abgerundet wurden die Vorträge durch das Referat von Prof. Dr. Maurice Pedergnana mit einem fundierten Ausblick auf die Situation in der Wirtschaft und an den Kapitalmärkten.
Krönender Abschluss an diesem gemütlichen Abend war einmal mehr das feine, ausgiebige Catering von Erich Barth vom Restaurant Schiff in Zug.
Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich für das uns entgegengebrachte Vertrauen, das Interesse und die vielen positiven Rückmeldungen unserer geschätzten Gäste.
Die nächsten Informationsanlässe – der Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – finden am Dienstag, 24. Januar 2023 im KKL Luzern, sowie am Donnerstag, 26. Januar 2023 im Theater Casino in Zug statt.