Die Zahl der US-Beschäftigten ausserhalb der Landwirtschaft stieg im Oktober um 261’000 und lag damit etwas über der Konsensschätzung, aber immerhin etwas weniger als der starke Zuwachs von 315’000 Beschäftigten im September. Das ist insofern interessant, weil einige Analysten etwas voreilig behaupteten, die USA befänden sich in einer Rezession. Dem ist nicht so, vielmehr befindet sich die US-Konjunktur in einer weichen Landung. Die Dynamik nimmt ab, aber das reale Wachstum bleibt positiv (ca. 0.8% im 4. Quartal), das nominelle ohnehin.
Die Umfrage unter den privaten US-Haushalten signalisierte einen leichten Anstieg der Arbeitslosenquote von einem rekordtiefen Vollbeschäftigungsniveau um zwei Zehntel auf 3.7%, aber noch immer lagen die durchschnittlichen Stundenlöhne mit einem Anstieg von 0.37% gegenüber dem Vormonat und 4.7% gegenüber dem Vorjahr leicht über den Konsenswerten. Sowohl von den Stundenlöhnen wie auch von der Produktivitätsentwicklung her betrachtet steuert die Konjunktur derzeit immer noch einen Gang zu hoch und muss sowohl geld- wie auch fiskalpolitisch synchron abgekühlt werden. Denn insgesamt zeichnen diverse Industrie-, Konsum- und Arbeitsmarktdaten sowie robuste Einkaufsmanagerindizes eindeutig ein Bild, welches die Bemühungen der US Federal Reserve (Fed), die Inflation auf 2% zu senken, erschwert.
Deshalb erwarten wir von der Fed weitere Schritte, um die konjunkturelle Dynamik zu brechen und rechnen mit einer Anhebung des Leitzinses um 50 Basispunkte im Dezember und um 25 Basispunkte im Februar und März. Weiter in die Zukunft zu blicken ist derzeit reine Spekulation. Schon die bisherigen, eindrucksvollen Leitzinserhöhungen müssen realwirtschaftlich erst einmal verdaut werden, bevor sie ihre volle Wirkung (nach sechs bis neun Monaten) entfalten dürften. Wir befinden uns gegenwärtig an einem Wendepunkt von zahlreichen Indikatoren (z. B. Inflation), wissen aber zu wenig, wie rasch und in welchem Ausmass die Wende stattfindet. Deshalb lässt sich auch die Fed zitieren, dass sie ihre nächsten Schritte gewiss «datengestützt» vornehmen wird.
Die europäische Konjunktur wächst ebenfalls stärker als erwartet, selbst wenn sich die Zeichen einer Stagnation mehren. Das findet auch in Übersee überraschende Beachtung, weshalb allmählich parkiertes Kapital zurückfliesst, ein technisches Bodensignal abgibt und damit eine längere Entspannungsphase ermöglicht. Der Euro legte allein am letzten Freitag mehr als 2% gegenüber dem Dollar zu. Während der US-Techmarkt Nasdaq seit Monatsbeginn 4.7% einbüsste, stieg der Euro Stoxx 50 um 2.0%. Die Aktien des Versicherers Axa stiegen deutlich (+4%). Die europäischen Infrastrukturwerte Veolia Environnement und Vinci übertrafen den Index ebenso wie die Aktien der Deutschen Telekom und des Chemiekonzerns BASF (je +3%).
Am Ende der Woche lag der Swiss Market Index (SMI) mit 10’787 Punkten praktisch gleich hoch wie letzte Woche und 5.1% höher als zu Quartalsbeginn: Das Schlussquartal gilt traditionell als renditemässig attraktive Anlageperiode. Die wichtigsten europäischen Aktien, die im Euro Stoxx 50 vertreten sind, handeln seit Quartalsbeginn 11.2% höher.
In der Eurozone ist klar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Kampf gegen die Inflation weiter verschärfen wird. Die Spitze der Inflationsentwicklung könnte im Januar 2023 erreicht sein. Bis im Dezember 2023 gehen verschiedenste Institutionen zudem davon aus, dass die Inflationswerte in der Eurozone gegen 4% fallen werden.
Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde will von einer Drosselung des geldpolitischen Straffungstempos nichts wissen und liess sich zuletzt wie folgt zitieren: «Wir dürfen und werden es nicht zulassen, dass sich die hohe Inflation festsetzt.» Der geldpolitische Kurs dürfte von der EZB mit Zinserhöhungen von 50 Basispunkten im Dezember und im Februar unterstrichen werden. Er könnte bei Bedarf verschärft und damit die Wirtschaftsdynamik geschwächt werden. Wenn sich abzeichnet, dass die Inflation hartnäckiger wird und die Gefahr besteht, dass die Inflationserwartungen aus dem Ruder laufen, wird die EZB klar reagieren. «Wir müssten dann zusätzliche Massnahmen ergreifen, bis wir zuversichtlicher sind, dass die Inflation rechtzeitig zum Ziel zurückkehren wird», so Lagarde.
Ungewiss ist die Entwicklung der Energiekomponente. Steigende Energiepreise werden voraussichtlich das real verfügbare Einkommen reduzieren und die Produktion dämpfen. Gleichzeitig kann es noch zu einer verzögerten Weitergabe der in der Vergangenheit gestiegenen Energiegrosshandelspreise an die Verbraucher kommen. Die effektiven Grosshandelspreise liegen weiterhin 60% bis 80% unter den Höchstwerten von der zweiten Monatshälfte August 2022.
Was die laufende Berichtssaison aus Europa betrifft, gibt es einiges an Zuversicht. Die Umsatzzahlen haben im Durchschnitt mit 3% positiv überrascht. 55% der Unternehmen haben die Erwartungen um mindestens 2% übertroffen und nur 12% der Unternehmen haben bei den Umsatzzahlen im dritten Quartal unter den Erwartungen rapportiert. Der Konsensus der wichtigsten 600 börsenkotierten Unternehmen in Europe (Stoxx Europe 600 mit einem Anteil von 17% Schweizer Unternehmen) läuft darauf hinaus, dass die Gewinne pro Aktie im laufenden Jahr um 22% zulegen dürften. Das wird den Aktionären einen reichhaltigen Dividendenfrühling 2023 bescheren.
Zugerberg Finanz Informationsveranstaltung für Privatpersonen – November 2022
Über Geld spricht man nicht. Diese Haltung wird uns in der Schweiz schon fast in die Wiege gelegt. Wir sprechen nicht über unser Vermögen und auch nicht über unser Einkommen.
Warum eigentlich? Zugegeben, es gibt interessantere Themen. Und dennoch ist es wichtig, über Geld zu sprechen. Nicht zuletzt ist die mangelnde Diskussion ein Grund dafür, dass das notwendige Grundwissen fehlt, um die eigenen Vorsorge- und Vermögensanlagen zu durchleuchten und kritisch zu hinterfragen.
Als lokaler Vermögensverwalter unterstützen wir Sie gerne bei diesen Themen. Wir sind ein inhabergeführtes Unternehmen, frei von jeglichen Interessenskonflikten und mit eindrücklichem Leistungsausweis. Uns zeichnet im Weiteren aus, dass wir Lösungen für jede Vermögens- und Lebenslage anbieten.
Damit Sie sich kostenlos und unverbindlich ein Bild machen können, laden wir Sie gerne zur Informationsveranstaltung am 10. November 2022 um 18.30 Uhr in unseren Lüssihof in Zug ein.
Programm
18.30 Uhr – Türöffnung und Willkommensapéro 19.00 Uhr – Unternehmensphilosophie und Anlageansatz 19.20 Uhr – Vorsorge und Vermögensverwaltung entlang des Lebenszyklus 19.45 Uhr – Ausblick Wirtschaft und Kapitalmärkte 20.15 Uhr – Apéro Riche
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