Die Unternehmensnachrichten aus dem dritten Quartal überraschen positiv. Die uns wichtigen Nachrichten aus der Tech-Branche folgen schwergewichtig in der laufenden Woche und jene aus dem Versicherungsbereich in rund zwei Wochen.
In der vergangenen Woche bereits publizierte Sika die Quartalszahlen. Der Quartalsrapport fiel im Rahmen der hohen Erwartungen aus. Aber angesichts der allgemeinen Skepsis zum Geschäftsverlauf in den kommenden zwei Quartalen liess dies den Aktienkurs leicht zurückgleiten (-1%). Ebenfalls unter Druck war der Pharmakonzern Roche (-5%) nach den Zahlen.
Der arg unter Druck stehende ehemalige führende Chiphersteller Intel brachte ebenfalls die Zahlen. Dabei wurde der technologische Rückstand sichtbar, und die Aktie fiel um satte 11%.
Das Quartalsergebnis von Nestlé überzeugte uns auf allen Ebenen. Das organische Umsatzwachstum, also bereinigt um Wechselkurs- und Akquisitionseffekte, hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 3.5% zugelegt. Exzellent entwickelte sich der Bereich Tierfutter mit der Marke Purina (+11%), wo Nestlé hinter dem US-Konzern Mars, zu dem Marken wie Cesar, Frolic und Whiskas gehören, die Nummer 2 auf der Welt ist. Im dritten Quartal beschleunigte sich das Wachstum gar auf hohe 4.9% – trotz Problemen im «Wasser-Bereich», der einer strategischen Überprüfung unterzogen wird. Nestlé hat den Ausblick für das Gesamtjahr verbessert. Doch die aussergewöhnliche Qualitätsaktie büsste in der vergangenen Woche 1% ein und liegt nur gerade magere 2% über dem Jahresbeginn.
Generell blieb die allgemeine Marktstimmung in der vergangenen Woche negativ. Nervosität machte sich breit. Der Schweizer Aktienmarkt bewegt sich weiterhin in einer Zickzack-Formation und beendete die Woche bei 10’023 Punkten (-1.8%). Gleichermassen negativ bewegte sich die US-Techbörse Nasdaq. Auch andere US-Märkte taten sich schwer, weil die zusätzlich erhofften Konjunkturhilfen (noch) keine Mehrheit erhielten. So kurz vor den Wahlen gönnt keine Seite der anderen einen «Sieg».
Schliesslich büsste der US-Dollar innert Wochenfrist 1% ein. Aber auch die US-Schatzanleihen erlitten Kursverluste – Öl und Gold ebenfalls: Vor den US-Wahlen hielt sich die Kauflust auf fast allen Märkten in engen Grenzen.
In acht Tagen wird in den Vereinigten Staaten gewählt. In manchen Gliedstaaten haben die Briefwahlen bereits begonnen. Auch das letzte Duell zwischen Joe Biden und Donald Trump fiel nicht durch Originelles auf. Der amtierende Präsident beschwor wie schon oftmals zuvor, dass der Aktienmarkt bei seiner Wiederwahl «boomen» würde. Sollte jedoch sein Herausforderer Biden gewählt werden, würden die Aktienmärkte «crashen».
Die apokalyptischen Börsenszenarien beeindrucken nicht mehr. Niemand zweifelt ernsthaft daran, dass Biden mehr Stimmen bei den US-Präsidentschaftswahlen bekommen wird. Entscheidend ist jedoch die Frage, ob er sie am «richtigen» Ort gewinnen wird. Hillary Clinton erzielte vor vier Jahren einen Stimmenvorsprung von fast drei Millionen, verlor aber teils mit wenigen Tausend Stimmen in den sogenannten «Swing States» entscheidende Wahlmänner-Stimmen.
Das Rennen wird auch im Jahr 2020 in den Gliedstaaten wie Pennsylvania, Arizona, Ohio, Wisconsin, North Carolina und Florida entschieden. Einige sind da immer noch industriell geprägt. Doch es kam nicht so heraus, wie das Donald Trump oftmals versprochen hatte. Symptomatisch ist der 2018 erfolgte Spatenstich vom taiwanesischen Foxconn-Konzern, der im gebeutelten US-Rostgürtel 10 Milliarden Dollar investieren würde. Das Projekt sollte für 13’000 Menschen beschäftigungswirksam werden.
Donald Trump sprach davon, dass das Werk «das achte Weltwunder» werde: zu «100% mit schönem amerikanischen Beton und schönem amerikanischen Stahl» gebaut. «Wir stellen Amerikas industrielle Macht wieder her», schwärmte er. Nebenbei wurde ein Subventionspaket für vier Milliarden Dollar geschnürt.
Inzwischen zeigt die Bestandesaufnahme, dass das Kerngebäude ein Zwanzigstel so gross ist wie ursprünglich geplant. Es handelt sich im Wesentlichen um eine «leere Hülle», die statt zur Produktion neu zur Lagerhaltung verwendet wird. Investiert hat Foxconn noch nicht einmal eine einzige Milliarde. Um die Beschäftigungswirkung nachzuweisen, wurden im wertschöpfungsarmen Warenlager Studierende angestellt, um Steuergutschriften zu bekommen.
Die Vereinigten Staaten wählen in den kommenden Tagen Mitglieder in den Senat und ins Repräsentantenhaus. Zentral wird die Wahl ums Präsidium wahrgenommen, obschon diesem die Hände für massgebliche Entscheide gebunden sind, wenn das Weisse Haus nicht auch über eine Mehrheit im Kongress verfügt. Einfach wird es für den alten und/oder neuen US-Präsidenten ohnehin nicht. Die grossen Herausforderungen bleiben. Technologisch holt China in einem immensen Tempo auf. Das viel grössere, bildungsbewusste Land verfügt über deutlich mehr hervorragende Uni-Absolventen als die USA. Immer mehr Forschungszentren von US-Konzernen werden in China aufgebaut, weil dieser Talentpool unermesslich scheint.
Wenn im fernen Amerika gewählt wird, ist es für den Privatanleger das Beste, einfach ruhig zu bleiben. Wir sehen keinen Zusammenhang zwischen dem Ausgang der Wahlen und den mittelfristigen Perspektiven für die Aktienmärkte. Viele haben allerdings schon «vorgesorgt» und in den letzten Wochen die Aktienquote reduziert, um in der Wahlnacht besser zu schlafen. Doch sie müssen mit der Angst leben, den nachfolgenden Aufschwung zu verpassen. Die Märkte können ganz schnell ihre Richtung wechseln.
Deshalb verfolgen wir unsere Strategie, die von einem langfristigen Engagement ausgeht und nicht auf kurzfristigen Trades basiert. In der Risikoklasse 2 empfehlen wir einen Anlagehorizont von mindestens sieben Jahren. Daran sei auch an Tagen erinnert, wenn es mal nach oben, mal nach unten geht – und es wirklich niemand vorhersehen kann. Aber wer über die entsprechenden Qualitätstitel im Aktien- und Anleihens-Portfolio verfügt, muss sich wenig Sorgen machen.
Herzlich, Maurice Pedergnana