In diesem Jahr ist durch die Überwindung der Pandemie die Nachfrage deutlich stärker gestiegen als das Angebot. Der weltweite Lieferkettenstress verschärfte die Angebotsentwicklung. Hinsichtlich der Transportlogistik waren zudem die vorhandenen Kapazitäten am falschen Ort. Die Halbleiterbranche war seit 2020 unterinvestiert. Vom hochschnellenden Bestelleingang war man völlig überrascht und verhinderte dadurch den sukzessiven Abbau der vollen Auftragsbücher in der Industrie. In der Energiebranche sorgten die in den vergangenen Jahren vernachlässigten Investitionen für eine limitierte Öl- und Gasproduktion. Kommt hinzu, dass manche Länder – wie auch Deutschland und die Schweiz – sich sukzessive aus der Kernenergie verabschiedeten, ohne parallel dazu die entsprechenden Kapazitäten an erneuerbaren Energien aufzubauen. Im Tourismus fehlte schliesslich das Personal, um mit der wachsenden Nachfrage mitzuhalten.
«Gücklicherweise» befindet sich China immer noch in der Pandemiebekämpfung und bewirkt damit eine stark gedrosselte Wirtschaftsentwicklung. Deshalb liegt die Inflationsrate in China wenig überraschend bei vergleichsweise tiefen 2.5%. Würde der asiatische Riese mit der Dynamik vergangener Jahre (6% bis 8% jährlicher BIP-Zuwachs) wachsen, wäre das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wohl deutlicher aus dem Ruder gelaufen und hätte die Inflationsraten global noch stärker in die Höhe getrieben.
Seit dem Spätsommer ist klar, dass die Zentralbanken weltweit mit aller Entschlossenheit den Weg zurück ins Gleichgewicht anstreben. Sie nehmen Verbesserungen auf der Angebotsseite wahr, z. B. die verbesserten globalen Lieferketten und die stark entspannten Transportkapazitäten mit entsprechend fallenden Preisen. Mikrochips, Bauholz, Weizen, Industriemetalle, Öl und selbst Gas haben ihren Preisgipfel längst überschritten. Der Angebotsengpass auf dem Arbeitsmarkt ist jedoch hartnäckiger und dürfte keine rasche Verbesserung erfahren.
Folglich bleibt den Zentralbanken nur der Weg, die Nachfrage durch Zinserhöhungen zu drosseln und damit das Risiko von Zweit- und Drittrundeneffekten zu verringern. Das verteuert Kapital, reduziert Unternehmens-Investitionen sowie die Nachfrage nach Konsumgütern und Immobilien. Allerdings wirken sie mit einer Zeitverzögerung, wie in einem alten Hotel, wenn man am Heisswasserhahn dreht, aber minutenlang warten muss, bis dieses auch wirklich rausfliesst. Zentralbanken müssen sich typischerweise sechs bis neun Monate gedulden, bis deren Massnahmen ihre volle Wirkung entfalten. Momentan wächst die Weltwirtschaft noch immer deutlich, aber immerhin mehren sich die Zeichen einer abflachenden Dynamik. Das nährt die Zuversicht, dass die Fed bereits in wenigen Monaten die Spitze der Leitzinserhöhungen erreicht haben wird.
Auch die Märkte sind mit etwas Zuversicht in den Oktober gestartet. Der Swiss Markt Index lag zum Wochenschluss bei 10’308 Punkten (+0.4%). Der EuroStoxx 50 (+1.7%) und der amerikanische S&P500 (+1.5%) stiegen leicht stärker. Die Rendite der zehnjährigen eidgenössischen Benchmarkanleihe betrug zuletzt 1.3%.
Mit dem vierten Quartal kommt die Berichtssaison wieder in Gang. Die Erwartungen liegen gesamthaft bei einem Umsatzwachstum von hohen 20% und einem stolzen Gewinnwachstum von 25% im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal. Ein anschauliches Beispiel gab jüngst der Bauchemiekonzern Sika ab. In allem Wissen um den Gegenwind durch erhöhte Rohmaterialkosten und anspruchsvollere makroökonomische Herausforderungen in den kommenden Quartalen hat Sika die Wachstumsprognose nach oben korrigiert, rechnet nun für das gesamte Geschäftsjahr mit einem Umsatzwachstum in Lokalwährungen von über 15% (bisher «deutlich über 10%») sowie mit einer «überproportionalen Steigerung» des Bruttogewinns (EBIT).
Der Jahresumsatz wird erstmals mehr als 10 Milliarden Franken betragen und die strategischen Ziele wie auch das profitable Wachstum wird von Seiten der Unternehmensleitung auch fürs Jahr 2023 bestätigt. Viele Investoren waren zuletzt besorgt über die Dynamik in der Baubranche und liessen marktführende Technologieleader wie Sika, Geberit und St. Gobain wie eine heisse Kartoffel fallen.
Am Kapitalmarkttag, der in der vergangenen Woche in Zürich stattgefunden hat, ist Sika mit überzeugenden Antworten auf die Übernahme von MBCC, auf die Strategie und auf das hohe Wachstumsniveau eingegangen. Besonders eindrücklich war die demonstrierte Innovationskraft. Sika erzeugte allein im vergangenen Jahr 150 neue Innovationen und liess sich über 99 neu eingetragene Patente schützen, wie z. B. das Zementrecycling-Verfahren «reCO2ver». 25% des Umsatzes wird mit neuen Produkten erzeugt – bei 12% geringerem Ausstoss von Kohlenstoffen.
Das überdurchschnittliche Wachstum wird dadurch erzeugt, indem die Teilmärkte entlang den Megatrends (z. B. Urbanisierung) forciert werden. Geschickte Übernahmen und deren rasche Integration sowie verstärkte Marktdurchdringungen sind weitere Wachstumstreiber. Die operationellen Effizienzverbesserungen (z. B. durch die Solarenergieproduktion in Düdingen, durch Digitalisierung, Automatisierung und Robotik) tragen auf vielfältige Art und Weise dazu bei, die Marge weiterhin in die strategische Zielbandbreite von 15% bis 18% zu hieven und dort zu stabilisieren.
Zuger Messe – Oktober 2022
Wir sind auch in diesem Jahr wieder an der Zuger Messe präsent. Die grösste Herbstausstellung für Handel und Gewerbe in der Zentralschweiz findet von Samstag, 22. bis Sonntag, 30. Oktober 2022 auf dem Stierenmarkt- und Hafenareal in Zug statt.
Wir freuen uns, Sie an der Zuger Herbstmesse an unserem Stand Halle B1 (B1.20) auf einen Schwatz und ein Glas Wein zu begrüssen.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Informationsveranstaltung für Privatpersonen – November 2022
Am Donnerstag, 10. November 2022 findet bei uns im Lüssihof ein Informationsabend zum Thema «Vermögensverwaltung entlang des Lebenszyklus» statt. Dieser Anlass richtet sich primär an Interessierte, die uns näher kennenlernen möchten.
Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.
Zugerberg Finanz Marktupdate für Institutionelle Anleger – November 2022
Thema: «Decarbonization Infrastructure Debt» (update) Datum: Dienstag, 29. November 2022 Zeit: 8.00 Uhr (25 Minuten mit Q&A) Sprache: Deutsch Medium: Online-Event via Zoom
Anmeldung in Kürze über unsere Webseite.