Wochenbericht 39/2022

Publikationen

Hohes Tempo zur Inflationsbekämpfung

Was im August in Jackson Hole angekündigt wurde, wird derzeit in allen Industrieländern praktisch synchron durchgesetzt. Das Tempo der Zinserhöhungen ist so hoch wie seit mehr als 40 Jahren nicht mehr. Damit sind die Anleihen auf ein 40-Jahres-Tief gefallen. Und weil die mit den Zinserhöhungen abgebremste Wirtschaft in eine Rezession geraten könnte, fielen viele Aktienindizes auf ein neues Jahrestief.

Es ist erst wenige Wochen her, als wir in der Nach-Covid-Periode mit Bildern von mengenmässig überforderten Flughäfen und ausgebuchten Feriendestinationen geflutet wurden. Der Kauf von langlebigen Konsumgütern wie Autos, eBikes und Möbel erfordert noch immer einiges an Geduld. Die Nachfrage übertraf das Angebot bei weitem, was sich weltweit in Preiserhöhungen niederschlug. Diese werden nun vehement bekämpft, bevor sie sich in Zweit- und Drittrundeneffekten verfestigen.

Die US Zentralbank Federal Reserve (Fed) hat am Mittwoch das Zielband für den Leitzins um 75 Basispunkte auf 3.00% bis 3.25% angehoben. Der Vorsitzende Jerome Powell betonte die Entschlossenheit der Fed, die Inflation wieder auf das 2%-Ziel zurückzuführen. Er wies darauf hin, dass dies «für einige Zeit» eine restriktive Politik erfordern würde, wozu ein «viel geringeres Wachstum» erforderlich sei und auch eine Abschwächung der Arbeitsmärkte einschliesse. Tatsächlich wurde die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im vierten Quartal 2023 um 0.5% auf 1.2% gesenkt und die Prognose für die Arbeitslosigkeit auf 4.4% (gegenüber derzeit 3.7%) angehoben.

Die unmittelbare Wirkung war massiv. Ein Fass Rohöl (Sorte WTI) wurde mit 78 Dollar so tief gehandelt wie zuletzt am 10. Januar, 37% tiefer als im Juni. Die Energieaktien wie Chevron, BP und Shell hatten die schlechteste Woche seit Jahresbeginn, denn auch die Destillate wie Benzin, Kerosin und Diesel sowie Heizöl fielen in ihren Handelspreisen stark. Kupfer und Aluminium-Preise sind gar auf Jahrestiefstwerte gefallen, und liegen mehr als 20% tiefer als zu Jahresbeginn. Auch Halbleiterchips sind wieder verfügbar, und die gängigen Frachtguttransporte kosten rund 50% weniger als im Januar. Das sind klare Vorboten, dass die geldpolitische Straffung ihre Wirkung nicht verfehlen wird.

Aber ungewiss bleibt, wie stark die inflationsdämmende Wirkung ausfällt. Thomas Jordan, Vorsitzender des SNB-Direktoriums, sagte: «Es ist nicht auszuschliessen, dass weitere Zinserhöhungen nötig sein werden, um die Preisstabilität in der mittleren Frist zu gewährleisten.» Die Inflationsprognose von 2023 zeigt, dass das Ziel der Preisstabilität in der Schweiz auch ohne eine weitere massive Zinssteigerung erreicht werden kann. Denn der starke Schweizer Franken bremst die Teuerung ohnehin. Dennoch vermochte sich der Schweizer Aktienmarkt dem globalen Abwärtstrend in der vergangenen Woche nicht zu entziehen. Der Swiss Market Index (SMI) beendete die Woche rund 500 Punkte tiefer bei 10’137 Punkten, was -21.3% gegenüber dem Jahresbeginn entspricht.

Thema der Woche: Strompreise innert Wochenfrist um 35% gefallen

Die europäischen Gaslager sind derzeit zu 87% gefüllt. Durch die hohen Gaspreise hat die Nachfrage zudem bereits merklich nachgelassen. Wichtiger ist jedoch, dass die Europäische Union ihre Bezugsquellen diversifiziert. Die Abkehr von russischem Gas bleibt ein zentrales Anliegen. Dazu passt, dass der französische Energiekonzern TotalEnergies 1.5 Milliarden Dollar in die Erschliessung des katarischen Gasfelds North Field South investiert. Beim Vertragswerk, das letzte Woche unterzeichnet wurde, geht es um die Erschliessung und Verflüssigung, um die katarische Lieferkapazität bis 2028 auf 126 Millionen Tonnen kohlenstoffarmes Flüssiggas beinahe zu verdoppeln. Noch wird verhandelt, ob sich auch der deutsche Energieversorger RWE daran beteiligen kann.

Ein weiteres Vertragswerk wurde am Sonntag in den Vereinigten Arabischen Emiraten vom deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz unterzeichnet. Bereits im Dezember soll eine erste Schiffsladung Flüssiggas an den Terminal Brunsbüttel bringen. Dazu kommt eine grosse Menge Diesel, mit dem sich auch Notstromaggregate betreiben lassen. Es sind kleine Zeichen, aber wichtige. Hinzu kommt, dass in Wilhelmshaven derzeit der grösste europäische Terminal zum Import von Wasserstoff gebaut wird. Denn die Gasinfrastruktur lässt sich auch für «grünen» Wasserstoff nutzen. Dazu sind einige Modifikationen nötig. Wird der grüne Wasserstoff mit CO2 in grünes Gas umgewandelt, funktionieren die Anlagen genauso wie vorher. Der günstigste Solarstrom kostete zuletzt 10 Euro pro Megawattstunde (MWh). Mit europäischer Technologie wird daran gearbeitet, aus riesigen Solarfeldern grünen Wasserstoff zu produzieren.

Damit lässt sich schon bald Wasserstoff zu 25 Euro pro MWh produzieren. Derzeit liegt der Preis bei 180 Euro für Gas und noch höher für Strom. Der Markt hat schnell reagiert. Die deutschen Strompreise sind auf 245 Euro pro Megawattstunde gefallen: 35% tiefer als vor einer Woche. Der starke Regenfall füllt zudem die Stauseen. Weil es derzeit stark windet, liegt die Stromproduktion der Windparks weit über den Erwartungen, was zusätzlichen Druck auf die Strompreise ausübt.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

27. September 2022: USA: Conference Board Konsumentenvertrauen September
28. September 2022: Deutschland: GfK Konsumentenvertrauen Oktober
29. September 2022: USA: Reale Wirtschaftsentwicklung 2. Quartal
30. September 2022: Eurozone / USA: HICP und PCE Kerninflation August

Veranstaltungen

Zuger Messe – Oktober 2022

Wir sind auch in diesem Jahr wieder an der Zuger Messe präsent. Die grösste Herbstausstellung für Handel und Gewerbe in der Zentralschweiz findet von Samstag, 22. Oktober bis Sonntag, 30. Oktober 2022 auf dem Stierenmarkt- und Hafenareal in Zug statt.

Wir freuen uns, Sie an der Zuger Herbstmesse an unserem Stand Halle B1 (B1.20) auf einen Schwatz und ein Glas Wein zu begrüssen.

Weitere Informationen finden Sie hier

 

Informationsveranstaltung für Privatpersonen – November 2022

Am Donnerstag, 10. November 2022 findet bei uns im Lüssihof ein Informationsabend zum Thema «Vermögensverwaltung entlang dem Lebenszyklus» statt. Dieser Anlass richtet sich primär an Interessierte, die uns näher kennenlernen möchten.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier

 

Zugerberg Finanz Marktupdate für Institutionelle Anleger – November 2022

Thema: «Decarbonization Infrastructure Debt» (update)
Datum: Dienstag, 29. November 2022
Zeit: 8.00 Uhr (25 Minuten mit Q&A)
Sprache: Deutsch
Medium: Online-Event via Zoom

Anmeldung in Kürze über unsere Webseite

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.21
SMI 10'137.8 –21.3%
SPI 13'015.0 –20.9%
DAX € 12'284.2 –22.7%
Euro Stoxx 50 € 3'348.6 –22.1%
S&P 500 $ 3'693.2 –22.5%
Dow Jones $ 29'590.4 –18.6%
Nasdaq $ 10'867.9 –30.5%
MSCI EM $ 905.8 –26.5%
MSCI World $ 2'438.5 –24.5%
Obligationenmärkte Seit 31.12.21
SBI Dom Gov TR 199.2 –13.5%
SBI Dom Non-Gov TR 106.8 –10.6%
Immobilienmärkte Seit 31.12.21
SXI RE Funds 419.1 –19.2%
SXI RE Shares 2'767.2 –13.2%
Rohstoffe Seit 31.12.21
Öl (WTI; $/Bbl.) 78.7 +4.7%
Gold (CHF/kg) 51'890.7 –3.3%
Wechselkurse Seit 31.12.21
EUR/CHF 0.9524 –8.2%
USD/CHF 0.9818 +7.5%
EUR/USD 0.9687 –14.8%
Kurzfristige Zinsen
3M Prog. 3M Prog. 12M
CHF +0.38 +1.0 - +1.1 +1.5 - +1.8
EUR +1.15 +1.5 - +1.8 +2.5 - +2.7
USD +3.52 +4.1 - +4.3 +4.0 - +4.4
Langfristige Zinsen
10-Jahre Prog. 3M Prog. 12M
CHF +1.37 +1.2 - +1.3 +1.5 - +1.8
EUR +1.99 +1.9 - +2.2 +2.8 - +3.0
USD +3.68 +3.6 - +3.8 +3.5 - +3.7
Teuerung
2021 2022P 2023P
Schweiz 60.0% 260.0% 130.0%
Euroland 260.0% 490.0% 390.0%
USA 450.0% 550.0% 280.0%
Wirtschaft (BIP real)
2021 2022P 2023P
Schweiz 300.0% 240.0% 220.0%
Euroland 380.0% 140.0% 220.0%
USA 550.0% 80.0% 180.0%
Global 540.0% 260.0% 300.0%
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