Die Wirtschaftszahlen sind weiterhin gut und verleihen den Realwerten Auftrieb. Manche Daten vermochten erneut positiv zu überraschen, andere zeigten auch Schwächen der konjunkturellen Erholung auf.
Die Aktienmärkte atmen durch. Wer sehr rasch einen steilen Berg hinaufgeht, spürt, wie allmählich die Luft dünner wird. Am Donnerstag haben die Märkte einen Zwischenstopp eingelegt und tief durchgeatmet. Davon betroffen waren insbesondere Technologiewerte, die bis zur Wochenmitte euphorisiert neue Höchststände erklommen und teils astronomische Bewertungen angenommen hatten. Traditionelle Bewertungsmassstäbe gelten da längst nicht mehr, weshalb die Korrektur von vielen als «nicht unerwünscht» eingestuft wird. Allerdings verlor Apple an einem einzigen Handelstag 8% oder rund 180 Milliarden Dollar an Börsenwert. Bei Tesla waren es 16% in 4 Tagen und bei Zoom Video sogar 20% in 3 Tagen.
Weil das Gewicht der Tech-Aktien im Weltaktienindex so hoch wie nie zuvor ist, hat sich dies auch beim MSCI World niedergeschlagen. Da wurden an einem einzigen Handelstag 3.1% ausradiert. Ein einzelner Tag braucht nicht viel zu bedeuten. Vielleicht kann man die Bewegung als kräftige Gewinnmitnahme bezeichnen. Der Angst & Gier Index, der die Emotionen verfolgt, mit denen die Anleger unterwegs sind, ist am 3. September von gierigen, hohen 77 auf 58 gefallen. Bei 50 liegt die «gesunde» Balance. Die technischen Aufwärtssignale bleiben ungebrochen und sorgen noch immer für starken Support.
Der Dollar unterschritt zwischenzeitlich die Marke von 0.90 zum Schweizer Franken, fing sich jedoch im Laufe der letzten Woche wieder etwas auf. Doch die fundamentalen und technischen Anzeichen mehren sich, dass er in absehbarer Zeit bis in die Bandbreite zwischen 0.85 bis 0.86 fallen könnte.
Nach einem mehrwöchigen Rally gerieten auch die Rohstoffe ins Stocken. Rohölpreise fielen in der vergangenen Woche ebenso wie Gold und Goldminenaktien zurück. Der Unzenpreis von Gold erreichte am 10. August einen Spitzenwert von 2050 Dollar; zuletzt lag er bei 1933 –rund 5% tiefer.
Der Schweizer Aktienmarkt war deutlich weniger volatil. Er beendete die Woche mit 10’153 Punkten (-0.1%; -4.4% seit Jahresbeginn).
Gute Nachrichten gab es im Bereich unserer Infrastrukturaktien: Veolia Environnement plant den kleineren französischen Wasser- und Abwasserversorger Suez zu übernehmen. Das Vorhaben wird vom französischen Premierminister explizit unterstützt. Damit entstünde ein Weltmarktführer in Umwelt-Dienstleistungen.
Während der unternehmerische Erfolg in guten Zeiten gerne als individuelle Leistung zur Schau gestellt wird, verlieren dieselben «Leader» in der Krise jedes ordnungspolitische Gespür und bitten hilflos um staatliche Hilfe.
Dies betrifft auch die Zentralbanken. Sie sind längst nicht mehr so unabhängig, wie sie es sich einst vorgestellt haben. Zudem sind sie nicht nur mit der Geldwertstabilität, sondern teils mit Vollbeschäftigungszielen mandatiert (USA) und damit im Sog aller politischen Einflusskräfte.
Völlig wehrlos sind Staaten nicht. Ihre Hilfs-Aktivitäten finanzieren sie u.a. mit niedrigst respektive negativ verzinsten Anleihen. Die gesamte Zinskurve der Eidgenossenschaft liegt im Minus. Über 70% des globalen Staatsanleihenmarktes weist eine Rendite von 1% oder weniger aus – und dies vor Absicherungskosten. Das wird sich auch nicht ändern, wenn die Inflation wieder gegen 2% und darüber hinaus tendieren wird.
Wer die tiefen Zinsen beklagt, muss die Debatte anstossen, dass dem Staat allzu rasch immer wieder neue Aufgaben aufgebürdet werden. Gewiss sind manche Eingriffe wegen der Pandemie gerechtfertigt. Es wurde vielerorts umfassend und schnell reagiert, mit Kurzarbeitergeld, Überbrückungskrediten, Stundung von Steuerzahlungen, Kreditgarantien usw. Ein «immer mehr» an geld- und fiskalpolitischen Aufgaben beinhaltet die Gefahr, dass am Ende ein Staat droht, den seine Bürger als erfolglos erleben.
Deshalb ist wichtig, dass der Staat Umfang und Dauer seiner Hilfsprogramme immer wieder überprüft. Dazu zählt, ob die Unterstützung zielgenau wirkt oder inwieweit sie Fehlanreize setzt. Sonst droht der «Kobra-Effekt»: Im kolonialen Indien wollten die Briten die Kobra-Plage unter Kontrolle bringen und setzten auf jede erlegte Kobra ein Kopfgeld aus. Das hatte jedoch zur Folge, dass die Inder anfingen, Kobras zu züchten, um die Prämie zu kassieren. Daraufhin wurde das Kopfgeld abgeschafft, die Züchter liessen ihre Kobras frei und schliesslich war die Plage schlimmer als zuvor.
Zugerberg Finanz Marktupdate für Institutionelle Anleger
Hintergründe zur Konjunkturentwicklung, zu den Währungen sowie zu den zentralen Anlagethemen vom Q4 fortl. erhalten Sie am Mittwoch, 23. September 2020 von unserem Chefökonom und geschäftsführenden Partner, Prof. Dr. Maurice Pedergnana. Fragen und Anregungen können Sie gerne im Vorfeld in der Anmeldung anbringen.
Eckdaten
Datum: Mittwoch, 23. September 2020 Zeit: 08.00 Uhr (20 Minuten mit Q&A) Sprache: Deutsch Medium: Online-Event via MS Teams
zur Anmeldung
Zugerberg Finanz KidsDay
Am Mittwoch, 14.Oktober 2020 findet in Zusammenarbeit mit der Stiftung Next Sport Generation die 7. Ausgabe des Zugerberg Finanz KidsDays statt. Das Fussballturnier für Kinder mit den Jahrgängen 2008 bis 2014 wird in der Sportanlage Eschfeld in Steinhausen ausgetragen. Gekickt wird zwischen 13.00 und 17.00 Uhr. Als Presenting Partner des Zugerberg Finanz KidsDay in Steinhausen lädt die Zugerberg Finanz Kinder von Kundinnen und Kunden sowie Partnern kostenlos ein. Melden Sie eins oder mehrere Kinder direkt über den nachfolgenden Anmeldelink an. Beachten Sie bitte, dass die Teilnehmeranzahl beschränkt ist: «De Schneller isch de Gschwinder». Anmeldeschluss ist Mittwoch, 07. Oktober 2020.
Herzlich, Timo Dainese