Der Swiss Market Index (SMI) erreichte seinen Tiefpunkt kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine bei 11’057 Punkten. Seit dem 8. März reihten sich einige volatile Wochen aneinander. Doch der SMI scheint allmählich seinen seit Januar bestehenden Abwärtstrend erfolgreich brechen zu können. Dazu sind mehr als ein paar einzelne Tage notwendig. Doch die abflauenden Konjunktur- und Inflationssorgen in Kombination mit sinkenden Zinsen sorgen für eine Dynamik, die eine positive Kursentwicklung in der zweiten Jahreshälfte näher rücken lässt.
Der SMI hat als Leitindex für Schweizer Aktien – wie andere weltweite Aktienindizes – eine gute Woche hinter sich. Der SMI stieg um 3.0% auf 11’647 Punkte. Dabei profitierte er von den Entwicklungen an der Wall Street und den guten Vorgaben an den europäischen Märkten. Hinzu kommt, dass der US-Dollar seit Mitte Mai knapp 5% an Wert gegenüber dem Schweizer Franken eingebüsst hat. Das dämpft die Sorgen hinsichtlich der Importpreise von Erdölprodukten, die typischerweise in Dollar gehandelt werden. Immerhin sorgen die Erdölprodukte für rund 1% der hiesigen Inflationsrate von 2.5%. Ein weiteres Prozent ist auf Lieferkettenprobleme zurückzuführen. Beide Entwicklungen sind von vorübergehender Natur und lassen die Schweizerische Nationalbank geduldig auf das Jahr 2023 und 2024 blicken. Dann wird ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung nach wieder Preisniveaustabilität herrschen. Die Preisentwicklungen dürften sich dann wieder in der angestrebten Bandbreite zwischen 0% und 2% bewegen.
Die Inflation ist rückläufig. So steil wie es aufwärts ging, geht es auch wieder runter. Die Spitze liegt in den USA bereits zwei Monate zurück. In Westeuropa ist dies vielleicht in ein, zwei Monaten der Fall. Dann setzt der Basiseffekt ein und die Inflationsdynamik beginnt rückläufig zu werden. Die Kerninflation beim zentralen Mass für die Zentralbank Federal Reserve (Fed), die sogenannte «Personal Consumption Core Inflation Rate», hat sich per Ende April auf 4.9% zurückentwickelt.
Als Folge davon sind auch die Erwartungen an bevorstehende Leitzinserhöhungen und an mittelfristige Inflationsaussichten zurückgegangen. Denn auch das veröffentlichte Sitzungsprotokoll der Fed enthielt keine grösseren Überraschungen hinsichtlich einer möglicherweise stärkeren Straffung der Geldpolitik. Die Fed dürfte in einigen Monaten vielmehr das Tempo ihrer Zinserhöhungen senken, denn der ökonomische Datenkranz lässt auf eine sanfte Landung der dynamischen US-Wirtschaft (+2.8% im zweiten Quartal) und eine moderate Nachfrage der privaten Haushalte schliessen. Die frohe Botschaft, dass die USA eine Rezession vermeiden wird, bringt die Anleger wieder aus ihrer Deckung heraus. Die besten Aktien- und Anleihensmonate tauchen jeweils dann auf, wenn die Inflationsspitze überwunden ist.
Inflationsraten verändern sich stets. Sie gehen hoch und wieder runter. Nie bleiben sie auf demselben Niveau. Das ergibt sich aus der Natur der Messmethodik der Inflationsraten. Ohne hier ins Detail zu gehen, möchten wir anhand historischer Datenevidenz aufzeigen, was nach dem Top der Inflation auf den Kapitalmärkten gemessen werden konnte.
Seit 1950 haben sich nach einem Höhepunkt der Inflation die Kurse von Aktien und Anleihen jeweils stark erholt. Insbesondere bei den Aktien schnitten westeuropäische Papiere besser ab als amerikanische. Das hängt damit zusammen, dass es in den westeuropäischen Indizes mehr Unternehmen gibt, deren Auftrags- und Umsatzentwicklung stark mit dem Konjunkturzyklus schwanken. Zu diesen sogenannten «Zyklikern» zählen Unternehmen wie die ABB. Der Baustoffzulieferer Holcim und der Leichtbauspezialist St. Gobain haben bereits nach dem ersten Quartal ihre Prognose fürs ganze Jahr erhöht. Bei Sika rechnet man damit nach dem Halbjahresergebnis.
Im Durchschnitt liegen die Aktienkurse ein Jahr nach dem Höhepunkt der Inflation 11% (USA) respektive 13% (Europa) höher. Phasen von erhöhter Inflation gehen mit tieferen Aktienbewertungen einher. Umgekehrt steigen die Bewertungen bei nachlassender Inflation (anhand von Kurs-Gewinn-Verhältnissen). Weil dies typischerweise in eine Phase von Umsatz- und Margenexpansion fällt, ist die Wirkung doppelt so stark.
Bei den Anleihen wirkt sich die nachlassende Inflation zunächst bei den Staatsanleihen aus. Diese reagieren unmittelbar und besonders sensitiv auf das Inflationsbarometer. Mit einer Verzögerung von mehreren Wochen bis einigen Monaten reagieren letztlich die Unternehmensanleihen. Aus Europa sind seit Jahresbeginn rund 50 Milliarden Dollar aus Anleihensfonds und -ETFs abgezogen worden. Die entsprechenden Kurse ändern sich rasch, wenn im Zuge des verstärkten Vertrauens in die europäische Wirtschaft auch nur die Hälfte zurückfliesst. Besonders profitieren dürften die beiden Segmente nachrangige Anleihen von Versicherungen und Banken sowie Hochzins-Unternehmensanleihen.
Zugerberg Finanz KidsDay – Rückblick
Am Mittwoch, 25. Mai 2022 fand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Next Sport Generation die 8. Ausgabe des Zugerberg Finanz KidsDay in Steinhausen statt.
Einen Rückblick zu diesem sportlichen Nachmittag finden Sie in diesem News-Artikel.
Impressionen vom diesjährigen und vergangener KidsDays gibt es in unserer Bilder-Galerie.
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Juni 2022
Am Dienstag, 28. und Donnerstag, 30. Juni 2022 findet im KKL in Luzern sowie bei uns im Lüssihof in Zug die 29. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt.
Durch das Programm führen Timo Dainese, Gründer und geschäftsführender Partner, Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom und geschäftsführender Partner der Zugerberg Finanz sowie unser Gastreferent, Prof. Dr. Tobias Straumann, renommierter Schweizer Wirtschaftshistoriker.
zur Anmeldung
Zugerberg Finanz Wandertag – September 2022
Am Freitag, 2. September 2022 (Verschiebedatum Fr., 16. September 2022) findet die 15. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wandertags statt. Merken Sie sich das Datum bereits vor.
Weitere Details und die Möglichkeit zur Anmeldung werden zu einem späteren Zeitpunkt über den Veranstaltungsbereich unserer Webseite abrufbar sein.