Die vergangene Woche beendete der Swiss Market Index (SMI) bei 11’426 Punkten. Das entspricht einem Zuwachs von 3.7% im Mai und 6.8% seit Jahresbeginn. Der Mai war also entgegen der Börsen-«Weisheit» «Sell in May and go away» ein sehr erfreulicher Monat, wovon wir überdurchschnittlich profitiert haben. Mehr dazu dann im Monatsbericht Juni, der in den kommenden Tagen erscheint.
Der Ausblick bleibt weiterhin erfreulich, weil wir selektiv und gezielt jene Unternehmen in unsere Portfolios aufnehmen resp. aufgenommen haben, die von der gegenwärtigen Entwicklung überproportional profitieren können. Dazu zählen auch ausgewählte Werte aus dem Ausland.
Vonovia hat in der vergangenen Woche beschlossen, mit «Deutsche Wohnen» zusammenzugehen. Die Übernahme von «Deutsche Wohnen» überzeugt uns, auch wenn fürs Gelingen ein stattlicher Preis bezahlt werden muss. Vonovia, beheimatet und charakterlich angesiedelt in Bochum, zimmert hier den mit Abstand grössten Wohnbaukonzern Europas zusammen – mit weit über 500’000 Wohnungen und einem Immobilienwert von knapp 90 Milliarden Euro.
Vor allem liegt aber auch die Ambition darin, die Wohnungsnot zu lindern und die älteren Menschen in den Wohnungen vor Mietpreiserhöhungen zu schützen. In der Pipeline sind bereits knapp 70’000 neue Wohnungen – zu günstigen Mietpreisen. Die monatliche Durchschnittsmiete beträgt 7 Euro pro Quadratmeter, und selbst bei einer Totalsanierung darf die Miete um nicht mehr als 2 Euro pro qm angehoben werden. Zudem werden 70+ Jährige vor Mietpreiserhöhungen bis ans Ende ihres Lebens geschützt. Und dennoch wird auch der Aktionär profitieren können.
In die Kategorie der soliden Marktführer fällt auch die Deutsche Telekom. Der Technologiegigant ist Vodafone, Orange und Telefonica sowie Swisscom enteilt. Am Kapitalmarkttag vom 20./21. Mai wurde die Strategie mit zahlreichen Details erläutert. Die Gesamtrendite hat schon in der vergangenen Strategieperiode 2018–2021 zu einer Performance von +40% geführt – deutlich mehr als bei der Konkurrenz. Für die neue Strategieperiode 2021–2024 ist das Ambitionsniveau nochmals erhöht worden – und dürfte u. E. sogar übertroffen werden, weil der Konzern vom Trend zum schnellen 5G überproportional wird profitieren können.
Die DT Infrastruktur ermöglicht extrem viele neue Anwendungen des nachhaltigen Wirtschaftens. Die Deutsche Telekom setzt auf Geschwindigkeit – sowohl bei den eigenen Netzen, als auch beim Gewinn. Besonders ehrgeizig gibt sich CEO Höttges beim Free Cashflow: Von 6.3 Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr soll der Mittelzufluss bis 2024 auf mehr als 18 Milliarden Euro wachsen, auch dank der ausgezeichnet positionierten Tochter T-Mobile USA.
Der Schweizer Aktienindex liess sich in den vergangenen zehn Jahren alleine schon durch die Elimination der beiden Grossbanken klar schlagen. Tatsächlich sind wir seit vielen Jahren äusserst zurückhaltend mit Unternehmen, deren Kosten wir nicht einschätzen können. Die Ertragsentwicklung der Grossbanken UBS und Credit Suisse brutto einzuschätzen, war nicht das Anspruchsvollste. Sondern die Einschätzung der unerwarteten Kosten aus Bussen, Gerichtsentscheiden und Zahlungen aus aussergerichtlichen Vergleichen.
Ähnliches ist schon der Tabakindustrie um die Jahrtausendwende passiert. Mit Sammelklagen wurde das Geschäftsgebaren fundamental erschüttert. Die Erträge entwickelten sich seither rückläufig, und die einstigen Dividendenperlen verloren ihren Glanz. Einmal mehr zeigt sich, dass man nicht nur auf die gegenwärtige Dividendenrendite achten sollte. Diese kann relativ hoch sein. Insbesondere dann, wenn der Aktienkurs stark gefallen ist. Die Rendite dürfte dann oftmals nicht nachhaltig sein.
Das droht nun manchen Ölkonzernen, wenn sie ihre Ziele nicht ambitionierter verfolgen. Vor acht Jahren war ExxonMobil noch das grösste Unternehmen der Welt. Unantastbar schien der Gigant, doch inzwischen ist der Konzern auf den 33. Rang zurückgefallen, und das angestammte Öl- und Erdgasgeschäft steht arg unter Druck. An der jüngsten Generalversammlung wurden zwei aktivistische Klimaschützer als Aktionärsvertreter gegen den Willen des Establishments in den Verwaltungsrat gewählt. Sie werden wie bei Chevron dafür sorgen, sich möglichst rasch den erneuerbaren Energiequellen zuzuwenden.
Völlig überraschend war in der vergangenen Woche Shell von einem niederländischen Gericht verpflichtet worden, die Kohlendioxid-Emissionen schneller als geplant zu reduzieren. Entscheidend sei zudem, so hielt das Gericht fest, dass es nicht allein um die Emissionen der eigenen Produktion gehe, sondern auch um jene, welche Kunden mit ihren Produkten verursachen – zu beachten ist also die Kundenkette.
Dazu werden milliardenschwere Investitionen nötig, die ansonsten den Aktionären ausgeschüttet worden wären. Nach Einschätzung mehrerer Experten ist damit eine «massive Wende» am Ölmarkt eingetreten. Umwelt-, Klima- und Reputationsfragen ebenso wie Rechtsrisiken dürften fortan alle Investitionsentscheidungen deutlich stärker beeinflussen. Gut, sind wir dort nicht investiert.
Absage: Zugerberg Finanz Classic
Leider lassen die aktuellen Covid-19 Schutzmassnahmen des Bundesrates die Austragung der diesjährigen Zugerberg Finanz Classic am kommenden Mittwoch, 2. Juni 2022 nicht zu. Der Event wird daher abgesagt. Wir freuen uns jetzt schon auf die Austragung im nächsten Jahr!
Mehr Infos: zugerbergfinanz-classic.ch
Marktupdate für Institutionelle Anleger «Unternehmensanleihen im aktuellen Marktumfeld»
Datum: Mi., 9. Juni 2021 Zeit: 8.00 Uhr (20 Minuten mit Q&A) Sprache: Deutsch Medium: Online-Event via MS Teams
zur Anmeldung
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick Juni 2021
Aufgrund der anhaltenden Covid-19 Beschränkungen führen wir den für Juni anstehenden Event «virtuell» durch. Nach Anmeldung erhalten Sie Ende Juni einen Link zur Videoaufzeichnung per E-Mail. Im Video können Sie folgende drei Referate sehen:
– Rück- und Ausblick Zugerberg Finanz AG (Timo Dainese, CEO) – Rück- und Ausblick Wirtschaft und Kapitalmärkte (Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom) – Sonderthema «Dekarbonisierung der Welt» (Prof. em. Dr. Dr. h.c. Christian Körner, Dozent für Environmental Sciences Plant Ecology and Evolution an der Universität Basel und weltweit anerkannter CO2 Experte)