Wochenbericht 19/2023

Publikationen

Leitzinszyklus in den USA am Ende

Die US-Wirtschaft kühlt sich etwas ab und deshalb ist der Leitzinszyklus in den USA am Ende. Wie Schüler, die sich auf die Pausenklingel freuen, zeigten sich die Anleger glücklich. Das Anheben der Leitzinsen erzeugte bei den Regionalbanken mehr Nebenwirkungen, als die US-Zentralbank voraussah. Dafür kühlt sich endlich der Arbeitsmarkt etwas ab. Die Anzahl offener Stellen fiel mit 9.6 Millionen geringer aus als erwartet. Dem Abbau in der IT-Branche steht ein Ausbau im Tourismus, Bildungs- und Gesundheitswesen gegenüber, passend zum Einkaufsmanager-Indexanstieg auf 51.9 im moderat expandierenden Dienstleistungssektor. Zwar sind im April mit 253’000 Jobs deutlich mehr Stellen geschaffen worden als erwartet, aber der Stellenaufbau im Februar und März wurde kräftig nach unten revidiert. Geschrumpft ist auch die Beschäftigung von Zeitarbeitern, was als interessanter konjunktureller Frühindikator gilt. Das nahmen die US-Aktienmärkte zum Wochenschluss gerne auf. Der breite S&P 500 Index schloss auf 4’136 Punkten, nur 1% unter dem bisherigen Jahreshöchst.

In Europa entwickelten sich die Märkte ebenfalls positiv. Der Swiss Market Index (SMI) stieg auf ein neues Jahreshöchst von 11’554 Punkten (+7.7% seit Jahresbeginn). Der deutsche DAX erzielte ebenfalls ein Jahreshöchst und liegt nur noch 1.5% unter seinem Allzeithoch und auch der französische CAC40 erzielte in der vergangenen Woche sein Allzeithoch. Das ist umso bemerkenswerter, weil durch Dividendenausschüttungen der jeweilige Index stets ein paar Punkte einbüsst, diese aber in der gegenwärtigen Verfassung umgehend wieder zurückgewinnt.

Erstaunlich ist dies nicht. Denn die Inflation zeigt sich von der guten Seite. In den USA liegt sie bezogen auf die letzten neun Monate lediglich noch bei 3.2%. In der Schweiz sind wir mit 2.6% (April) auch wieder auf einem guten Weg. Wer in dieser Hinsicht die Lage dramatisiert, handelt unverantwortlich. Denn wir wissen alle: Die besten Vergleiche mit Vorjahreswerten liegen vor uns. Vor einem Jahr überflutete eine angebotsschockartige Preiswelle die Weltwirtschaft.

In China scheint Covid überwunden. Der erste «normalisierte» Feiertag zum Tag der Arbeit seit der Pandemie sorgte für einen Boom bei Inlandsreisen. Nach den vom Verkehrsministerium veröffentlichten Statistiken wurden in den ersten drei Tagen des Feiertags zum Tag der Arbeit (29. April – 1. Mai) insgesamt 159 Mio. Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln (einschliesslich Eisenbahn, Strasse, Schifffahrt und Luftverkehr) unternommen. Das übertraf das Niveau vor der Pandemie und lag im Tagesdurchschnitt bei 103 % des Niveaus von 2019. Täglich 150.000 Besucher vom Festland tragen derzeit zur konsumorientierten Erholung der Hongkonger Wirtschaft bei. Doch im unternehmerischen Erfolg zeigt sich dies noch nicht. Der chinesische Index liegt nur gerade 1.4% (Hang Seng Index) über dem Jahresbeginn.

Thema der Woche: Unternehmensberichte überraschen weiterhin

Tim Cook eröffnet Apples ersten Verkaufsstandort in Indien: «Apple BKC» in Mumbai (Bild: apple.com)

In der laufenden Berichtssaison überraschen die Ergebnisse weiterhin. Bemerkenswert war das Jahreshöchst von Apple nach dessen Quartalsberichterstattung. Robuste iPhone Verkäufe, eine erhöhte Quartalsdividende und ein 90 Milliarden Dollar schweres Aktienrückkaufsprogramm haben den Kurs auf das höchste Niveau seit August 2022 geführt (+34% in Dollar seit Jahresbeginn). Der Quartalsbericht von Apple war keineswegs berauschend, aber verdeutlichte die Erholung des Technologiekonzerns. Er grenzt sich von anderen Tech-Giganten nur schon dadurch ab, dass er keine grösseren Entlassungen angekündigt hat.

Aber Apple sieht eben auch belebende Elemente in aufstrebenden Märkten, beispielsweise in Indien. Vor wenigen Wochen hat Apple seine ersten beiden eigenen Läden eröffnet. «Ich sehe, dass in Indien viele Menschen in die Mittelschicht aufsteigen, und habe die Hoffnung, dass wir einige von ihnen überzeugen können, ein iPhone zu kaufen», sagte der Apple CEO Tim Cook bescheiden. Apple liess bislang den grössten Teil seiner Geräte in China fertigen, bekam dort aber Produktionsunterbrechungen zu spüren, die zu Lieferengpässen führten. Nun bauen Apple und deren Zulieferbetriebe Fertigungskapazitäten in Indien auf.

Apple ist ein Jahrhundertunternehmen. Der wertvollste Konzern der Welt ist systemrelevant – in immer mehr Bereichen. Zumindest ein Jahrzehntunternehmen ist Sika. Das Unternehmen aus dem beschaulichen Zug hat sich innert zehn Jahren zum global grössten Bau-Chemiekonzern entwickelt. Als Sika vor eineinhalb Jahren mit dem Kauf der deutschen MBCC die bislang grösste Unternehmensakquisition ankündigte, stellten sich Wettbewerbsbehörden quer und verlangten, Teile von MBCC abzuspalten.

Am letzten Dienstag konnte die Transaktion abgeschlossen werden. Damit begann das uneingeschränkte Umsetzen von Synergiepotenzialen. «Wir sollen das Beste von beiden Unternehmen zusammenbringen. Das ist Begeisterung pur», lässt sich der Sika CEO Thomas Hasler zitieren. «Es wird ein wenig unterschätzt, wie stark das Geschäft in diversen Ländern ist und wie gut es zu Sika passt.» Die Akquisition wurde vollständig mit Anleihen zu guten Konditionen finanziert, und die Schulden werden relativ rasch aus dem Cash-Flow zurückbezahlt.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

9. Mai 2023: Mexiko/China: Inflation / Handelsbilanz April
10. Mai 2023: USA: CPI Kerninflation und Inflation April
11. Mai 2023: Vereinigtes Königreich: Bank of England Zinsentscheid
12. Mai 2023: USA: University of Michigan Sentiment Mai

Veranstaltungen

Geld anlegen ist auch Vertrauens­sache
Informationsveranstaltung für Privatpersonen – 23. Mai 2023

Am Dienstag, 23. Mai 2023 um 18.30 Uhr findet bei uns im Lüssihof eine Informationsveranstaltung für Privatpersonen statt. Der Anlass richtet sich an Interessierte, die sich unverbindlich einen ersten Eindruck zu unserem Unternehmen verschaffen wollen. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier:

Zur Anmeldung


Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Juni 2023

Am Donnerstag, 15. Juni 2023 und am Dienstag, 20. Juni 2023 findet im Theater Casino in Zug sowie im KKL in Luzern die 31. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt. An dieser Informationsveranstaltung informieren wir über das Geschehen in der Wirtschaft und an den internationalen Kapitalmärkten sowie über die Entwicklung unserer Vermögensverwaltung. Als Gastreferent nimmt uns Prof. em. Dr. rer. nat. Lutz Jäncke von der Universität Zürich auf eine faszinierende Reise mit. Er zeigt uns auf verständliche und unterhaltsame Weise, wie das Hirn unser Denken, Handeln und Fühlen beeinflusst. Die Veranstaltung wird an folgenden drei Terminen durchgeführt:

Theater Casino Zug

  • Donnerstag, 15. Juni 2023
    10.00 bis ca. 12.15 Uhr
  • Donnerstag, 15. Juni 2023
    18.00 bis ca. 20.15 Uhr

KKL Luzern

  • Dienstag, 20. Juni 2023
    18.00 bis ca. 20.15 Uhr

Zur Anmeldung

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.22
SMI 11'554.2 +7.7%
SPI 15'246.8 +11.0%
DAX € 15'961.0 +14.6%
Euro Stoxx 50 € 4'340.4 +14.4%
S&P 500 $ 4'136.3 +7.7%
Dow Jones $ 33'674.4 +1.6%
Nasdaq $ 12'235.4 +16.9%
MSCI EM $ 981.7 +2.6%
MSCI World $ 2'822.0 +8.4%
Obligationenmärkte Seit 31.12.22
SBI Dom Gov TR 201.4 +5.4%
SBI Dom Non-Gov TR 110.8 +1.9%
Immobilienmärkte Seit 31.12.22
SXI RE Funds 442.3 +0.5%
SXI RE Shares 2'985.6 +2.9%
Rohstoffe Seit 31.12.22
Öl (WTI; $/Bbl.) 71.3 –11.1%
Gold (CHF/kg) 57'765.7 +6.5%
Wechselkurse Seit 31.12.22
EUR/CHF 0.9814 –0.8%
USD/CHF 0.8909 –3.6%
EUR/USD 1.1019 +2.9%
Kurzfristige Zinsen
3M Prog. 3M Prog. 12M
CHF 1.41% 1.2%–1.3% 1.4%–1.6%
EUR 3.28% 2.5%–2.7% 3.2%–3.5%
USD 5.04% 4.8%–5.0% 4.4%–4.7%
Langfristige Zinsen
10-Jahre Prog. 3M Prog. 12M
CHF 1.09% 1.3%–1.5% 1.4%–1.6%
EUR 2.28% 2.4%–2.7% 2.7%–3.0%
USD 3.44% 3.6%–3.9% 3.3%–3.6%
Teuerung
2022P 2023P 2024P
Schweiz 2.8% 2.3% 2.0%
Euroland 8.5% 6.0% 2.2%
USA 8.0% 4.0% 2.5%
Wirtschaft (BIP real)
2022P 2023P 2024P
Schweiz 2.2% 0.8% 1.5%
Euroland 3.3% 1.0% 1.0%
USA 1.9% 1.0% 1.0%
Global 3.0% 2.2% 2.4%
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