Der Swiss Market Index (SMI) stagnierte im Wochenvergleich. Mit 11’437 Punkten (+6.6% seit Jahresbeginn) beendete er den erfolgreichen Monat April mit einem Zuwachs von 3%. Die Aufregung um Unsicherheiten legte sich. Die Volatilität nahm ab und liegt inzwischen auf einem derart tiefen Niveau, dass Investoren wieder vermehrt auf die Aktienmärkte zurückkehren. Offensichtlich wird ein unaufgeregtes, schrittweises Vorwärtsrücken einer hektischen Phase mit zahlreichen kurzfristigen Chancen bevorzugt. Auch wird klar, dass Anlegen immer und zwingend mit Unsicherheiten verbunden ist und bleiben wird, genauso wie die wirtschaftliche Lage. «Sicher ist einzig, dass wir langfristig alle tot sind», pflegte der herausragende Banker und Ökonom John Maynard Keynes zu sagen.
Seine «Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes», die er 1936 publizierte, prägt noch immer die Geld- und Fiskalpolitik. Wie also die Zukunft genau aussehen wird, das weiss man nicht, unterstrich Keynes. Daher glaubte er auch nicht daran, die Zukunft prognostizieren zu können, was die klassische Ökonomie unterstellt. Sie behauptet, dass ihre wirtschaftspolitischen Massnahmen zwar nicht gleich, aber «auf lange Sicht» für ein ökonomisches Gleichgewicht sorgen würden. Bis dahin leiden manche Menschen unter notwendigen Anpassungen. Keynes meinte dazu lakonisch, dass wir auf lange Sicht alle tot sind. Er hoffte nicht auf ein ökonomisches Gleichgewicht und mehr Arbeitsplätze irgendwann in der unsicheren Zukunft, sondern wollte Krisen unmittelbar lösen.
Dieses Denken prägt unser Handeln auch heute noch. Nach den pandemiebedingten Kriseneingriffen mit vielen geld- und fiskalpolitischen Notmassnahmen stellte sich am Ende der Covid-Welle eine globale Nachfrageexplosion ein, welche die Weltwirtschaft seit dem Nachkriegsjahr 1946 nicht mehr erlebte. Daraus resultierte dann allerdings ein Inflationszyklus, den wir in diesem Ausmass ebenfalls nicht kannten. Darauf gehen wir im Monatsbericht Mai ein, der in der zweiten Wochenhälfte erscheinen wird.
Was nun ansteht, ist eine Rückkehr zur «Normalität». Die wilden Wachstumsraten flachen ab, die Auftragsbücher aus der Pandemie werden sukzessive abgearbeitet und die Lieferketten laufen wieder besser. Nur werden mittlerweile mehr Prozesse digitalisiert und die Produktionsstandorte diversifiziert (Stichwort China+1). Während es im Herbst 2022 Anzeichen für eine Kapitulation bei den Aktien gab, haben sich seither die technischen Daten und viele makroökonomische Indikatoren spürbar verbessert. Die weltwirtschaftliche Dynamik dürfte ihren Tiefpunkt bereits überschritten haben, selbst wenn sich in den USA eine Abkühlung bemerkbar macht. Der starke asiatische Wirtschaftsraum legt zu, Südeuropa und Grossbritannien ebenfalls stärker als erwartet. Der starke geldpolitische Gegenwind durch den steilsten Leitzinserhöhungszyklus mit 500 Basispunkten in lediglich 15 Monaten in den USA wird mit der voraussichtlich letzten Erhöhung in dieser Woche durch die Federal Reserve beendet.
In der laufenden Berichtssaison überraschen die Ergebnisse weiterhin. Allerdings ist in Europa zu beobachten, dass die positiven Überraschungen (im Durchschnitt +6.8% bei den Gewinnen und +2.2% bei den Umsätzen) sich nicht gleich in höhere Kurse umwandeln. Negative Überraschungen werden dagegen umso stärker abgestraft.
Beispielsweise erzielte Kühne+Nagel im ersten Quartal erneut ein stolzes Ergebnis, das mit rund 30% über dem Konsens die Erwartungen weit übertraf. Doch aufgrund der «unsicheren» Zukunft blieben die Impulse auf dem Aktienkurs aus. Wir erachten den unternehmerisch herausragend geführten Logistikkonzern insbesondere als interessant, weil er äusserst bilanzstark ist und zu den Konsolidierungsgewinnern in den kommenden Jahren zählen dürfte.
Auch von der Deutschen Post / DHL Gruppe bleiben wir überzeugt. Das Unternehmen mit mehr als 600’000 Mitarbeitern in 200 Ländern rund um den Globus steht tagtäglich vor der Aufgabe, eine möglichst perfekte Dienstleistung zu erbringen. Die internationale Arbeitsteilung wird sich weiter fortsetzen. Die Nachfrage nach neuen, sicheren Lieferketten und zusätzlichen regionalen Lagerhaltungen nimmt zu und sorgt für attraktive Positionierungschancen für Kühne+Nagel wie auch für die DP / DHL Gruppe.
Positive Entwicklungen waren zudem in Geschäftsmodellen zu beobachten, in denen die Zinsmarge anstieg (z. B. Swissquote, Liechtensteinische Landesbank, Cembra Money Bank) und die Bewertung immer noch verhältnismässig tief liegt. Von diversen Faktoren wie steigenden Zinsen profitierten die Versicherer. So konnte die Zurich Insurance Group über eine robuste Bilanz und über eine hohe Eigenmittel-Solvenzquote von 267% per Ende 2022 (vs. 212% per Ende 2021) berichten.
Krass war schliesslich die Eigenmittel-Solvenzquote von 331% bei Helvetia. Die Versicherungsgruppe wird in den kommenden Jahren die Ausschüttung regelmässig deutlich erhöhen können, ohne dass die Substanz darunter litte. Dagegen sind beim akquisitorischen Wachstum keine grossen Sprünge zu erwarten, zumal die Patria Genossenschaft als Ankeraktionärin (34%) Wert auf Kontinuität und Solidität legt.
Wie gewohnt sehr konservativ zeigte sich Roche. Novartis verströmte mit einem starken Umsatzplus bei steigender Marge und einem Quartalsgewinn, der 11% über den Konsensus Erwartungen lag, mehr Zuversicht.
Geld anlegen ist auch Vertrauenssache Informationsveranstaltung für Privatpersonen – 23. Mai 2023
Am Dienstag, 23. Mai 2023 um 18.30 Uhr findet bei uns im Lüssihof eine Informationsveranstaltung für Privatpersonen statt. Der Anlass richtet sich an Interessierte, die sich unverbindlich einen ersten Eindruck zu unserem Unternehmen verschaffen wollen. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier:
Zur Anmeldung
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Juni 2023
Am Donnerstag, 15. Juni 2023 und am Dienstag, 20. Juni 2023 findet im Theater Casino in Zug sowie im KKL in Luzern die 31. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt. An dieser Informationsveranstaltung informieren wir über das Geschehen in der Wirtschaft und an den internationalen Kapitalmärkten sowie über die Entwicklung unserer Vermögensverwaltung. Als Gastreferent nimmt uns Prof. em. Dr. rer. nat. Lutz Jäncke von der Universität Zürich auf eine faszinierende Reise mit. Er zeigt uns auf verständliche und unterhaltsame Weise, wie das Hirn unser Denken, Handeln und Fühlen beeinflusst. Die Veranstaltung wird an folgenden drei Terminen durchgeführt:
Theater Casino Zug
KKL Luzern