Die Digitalisierung der Welt setzt sich in diesem Jahr weiterhin mit hoher Beschleunigung fort. Dies ist auch nötig, denn vielerorts stecken wir noch in den Anfängen. Die Bundesverwaltung arbeitete bis vor kurzem per Fax in der Datenübermittlung von Covid-Fällen in die Bundesstadt. Im Detailhandel ist der digitale Showroom mittlerweile zentral. Digitale Impulse hinterlassen die 92.5 Milliarden Besuche, welche die Suchmaschine Google monatlich verzeichnet. Hinzu kommen 34.6 Milliarden Besuche auf der Film- und Streaming-Website YouTube des Alphabet/Google Konzerns.
Mit 25.5 Milliarden monatlichen Besuchen ist Facebook ebenfalls wichtig. Die konzernzugehörigen Instagram und WhatsApp messen weitere 6.1 respektive 3.1 Milliarden Klicks. Je nach Region gibt es bei den Online Verfolger-Statistiken auf Stufe einer Marke grosse Unterschiede. Auf den Plattformen wird gemessen, was im Einzelnen gesucht, gelesen und gekauft wird. So ergeben sich relativ werbewirksame Spurenelemente, welche das zielgerichtete Schalten von Werbung verbessern. Das macht die werbeeinnahmengetriebenen Google und Facebook so wertvoll.
Ein Beispiel dafür ist L’Oréal, dessen Erlöse über eigene und fremde Websites zuletzt um 62% zugenommen haben. Der weltgrösste Anbieter für Kosmetik- und Pflegeprodukte mit 36 Marken von Garnier bis Roche-Posay zeigt sich besonders agil und schneidet seine Angebote mithilfe von Künstlicher Intelligenz immer individueller auf die Endkunden zu. Im selten schwierigen Jahr 2020 mit zeitweise geschlossenen Frisör- und Parfümerieläden sowie Duty Free-Geschäften sank der Umsatz lediglich um 4%. Dabei verstecken viele Menschen ihr Gesicht hinter einer Maske oder sitzen zuhause. Lippenstifte erlitten Einbrüche, doch Produkte für die Augenpartien liefen deutlich besser. Auch jene, die dermatologische Wirkung zeigen. Die wachsende Urbanisierung lässt die Menschen zu Schönheitsprodukten greifen – darunter nicht nur in Asien auch immer mehr Männer. Der Aufstieg in die Mittelschicht vergrössert die Budgets.
Der L’Oréal-Anteil, der dem Schweizer Nestlé-Konzern gehört, ist inzwischen 45 Milliarden Franken wert und macht 15.5% der Marktkapitalisierung von Nestlé aus. Über die «restlichen» 84.5% berichtet der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern am kommenden Donnerstag. Wir sind gespannt, wie stark sich da die Zunahme des digitalen Geschäfts niederschlägt. Die Messlatten liegen nicht allzu hoch, um den Markt positiv zu überraschen. Der Aktienkurs liegt 8% tiefer als vor einem halben Jahr und hat seit Jahresbeginn mehr als 3% eingebüsst. Gleichzeitig hat sich der Swiss Market Index leicht aufwärts auf 10880 Punkte (+1.7%) bewegt.
Die Anleihensmärkte sind seit Jahresbeginn verunsichert. Die Verluste auf den Staatsanleihen kamen überraschend. Dagegen liegen die Aktienmärkte derzeit etwas höher als zu Jahresbeginn. Manche Aktienkurse bewegten sich nach oben, andere nach unten. Die drei Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis verliehen dem Schweizer Aktienmarkt bislang noch keine Impulse. Es mögen qualitativ bestechende Firmen sein, die mittelfristig für eine überzeugende Unternehmenswertsteigerung sorgen und verlässliche Dividenden ausschütten. Doch das kümmert derzeit kaum jemanden.
Ähnlich verhält es sich mit dem Gemüt der Anleger. Sie bleiben auf einer Richtungssuche, die für eine Balance zwischen zwei Kräftefeldern sorgt. Einerseits gibt es die pessimistischen Anleger, die durch verlängerte Lockdowns auch die unmittelbare wirtschaftliche Erholung schwinden sehen. Anderseits gibt es die optimistischen Anleger, welche ihren Blick weit in die Zukunft richten und ihr Portfolio in der Hoffnung auf ein positives wirtschaftliches Umfeld ab der zweiten Jahreshälfte aufbauen.
Ein derartiges Gleichgewicht tut dem Marktumfeld gut. Es gibt durchaus erfreuliche Signale der wirtschaftlichen Erholung. Diese schlagen sich auch in einer erhöhten Nachfrage nach Rohstoffen nieder. Gleichzeitig signalisierte der amerikanische Chef der Zentralbank Federal Reserve, Jerome Powell, dass die reale Arbeitslosenquote wohl eher bei 10% als bei den offiziellen 6.3% liegen würde. Damit liegt das Zentralbank-Ziel der Vollbeschäftigung noch in weiter Ferne. An der expansiven Geldpolitik wird sich somit auch dann nichts ändern, wenn die Inflation weiter steigt.
Das hat zu einem Verkauf von US Schatzanleihen geführt und die Rendite der 10-jährigen auf 1.2% und der 30-jährigen auf 2.0% ansteigen lassen. Das sieht nominal zwar attraktiv aus, doch bei deutlich höheren Inflationserwartungen drohen anhaltende reale Wertverluste. Deshalb hat der Dollar in der vergangenen Woche an Wert eingebüsst. Gelassen zeigte sich der Schweizer Anleihensmarkt. Da konnte eine 20-jährige Anleihe der Nederlandse Waterschapsbank mit einem winzigen Coupon von 0.002% problemlos platziert werden.
Im Mondkalender ist am vergangenen Freitag das Jahr des Büffels angebrochen. Gleich in mehreren asiatischen Ländern handelt es sich beim Neujahr zugleich um das wichtigste Familienfest. Normalerweise werden riesige Distanzen überwunden, um an die Heimatorte zu gelangen und das zweiwöchige Fest in der Grossfamilie zu feiern. Doch in diesem Jahr ist vieles anders.
Vieles vernehmen wir medial von China, doch ähnlich strikt geht die Kommunistische Partei in Vietnam vor. Bricht ein Infektionsherd aus, greift Vietnam frühzeitig ein und schottet ganze Dörfer oder Stadtteile ab, die Nachbarn kontrollieren sich selber.
Derweil erreichen uns aus Israel, wo rund 40% der Bevölkerung die erste Impfdosis und gut 26% bereits die zweite Dosis erhalten haben, positive Nachrichten. Das Vakzin von Biontech / Pfizer scheint zu halten, was es verspricht. Während die Impfstoffentwicklung erfreulich ist, sieht die medikamentöse Seite bei den Erkrankten noch nicht wesentlich besser aus. Immerhin hat sich aber in Europa die Lage der Intensivstationen in vielen Regionen deutlich verbessert.
Ein normales Leben, vollkommen ohne Masken und ohne Hemmungen, sich in grossen Massen zu treffen, das steht uns noch länger nicht bevor. Aber eine Lockerung der Einschränkungen wird sich nun allmählich durchsetzen. Das hat die EU-Kommission jüngst dazu bewegt, trotz der zweiten Corona-Welle die Prognose für den Euroraum für die Jahre 2021 und 2022 auf je 3.8% festzulegen – auf der Basis, dass die Einschränkungen im zweiten und dritten Quartal nach und nach aufgehoben werden können.
Herzlich, Maurice Pedergnana