Wochenbericht 02/2020

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Solider Start ins neue Jahr

Die erste, vollständige Handelswoche im Jahr 2020 beginnt heute. Die Herausforderungen der Geldanlage sind jedoch allesamt vom vergangenen Jahr übernommen. Gewiss sind die Spannungen zwischen den USA und dem Iran seit der Tötung eines hohen iranischen Generals gestiegen. Einen Krieg wollen beide Seiten vermeiden, aber das Vorgehen rückt die Risiken für US-Bürger weltweit gleich einige Stufen höher. Denn früher oder später dürfte auf das Vorgehen des US-Präsidenten mit einem überraschenden Vergeltungs­schlag reagiert werden.

Kurzfristig haben die Märkte wie üblich in solchen Fällen reagiert. Die Rohölnotierungen (+3%) und der Goldpreis (+1%) sind leicht gestiegen, ebenso die Kurse der sichersten Staatsanleihen sowie jene der unsichersten Unternehmensanleihen. Letzteres mag auf den ersten Blick überraschen, doch die mit einem CCC-Rating versehenen US Corporate Bonds sind häufig im Energiesektor tätig. Steigen die geopolitischen Risiken, wird auf die höhere Energieautonomie der USA gewettet. Im Interesse der Landessicherheit rücken dann stark verschuldete Unternehmen wieder ins Anlegerinteresse. Bereits im Dezember 2019, als die Ölpreise zweistellig zugenommen haben, war das CCC-Segment das beste Anlagesegment überhaupt unter den Anleihen.

Sicherheit vermitteln jeweils auch Immobilien- und Infrastrukturwerte mit ihren stabilen Cash Flows. Diese waren in den vergangenen Jahren besonders geschätzt und dürften wieder ins Blickfeld rücken, wenn es geopolitisch schüttelt. Bei den Immobilienanlagen werden die Risiken allerdings häufig unterschätzt. Wie Treibsand fliessen internationale Investorengelder von einem Thema ins andere. Rückt beispielsweise Deutschlands Immobilienmarkt in den Fokus, fliessen Milliardenbeträge nach München, Berlin und Hamburg.

Der Effekt ist unübersehbar. Im Landkreis München mussten 2019 im Durchschnitt 10’500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bezahlt werden. Frankfurt und Stuttgart sind nur halb so teuer; der bundesweite Durchschnitt liegt bei 1800 Euro pro Quadratmeter. In den ländlichen Raum fliessen kaum institutionelle Gelder. Dort bleibt Wohneigentum günstig und verschont vom internationalen Immobilieninteresse. Auch deshalb gelten Infra­strukturwerte als nachhaltiger. Es geht um die infrastrukturellen Grundlagen des Wirtschaf­tens, die allen zugute kommen. Die Konzentrationsrisiken sind viel geringer als auf dem Immobilienmarkt, und oftmals sind sie auch geringeren politischen Risiken ausgesetzt.

Die Schweizer Aktien haben kaum reagiert. Defensive Werte wie Nestlé und Zurich Insurance sind am Freitag, dem ersten Handelstag im neuen Jahr, um 1.5% respektive 1.3% gestiegen. Wirtschaftsdaten gab es wenige. Diejenigen, die publiziert wurden, liessen vorsichtigen Optimismus zu. Insbesondere die Daten aus China signalisieren eine weitere Stabilisierung des grössten Wachstumsherds der Weltwirtschaft.

Thema der Woche: Stabiles Preisniveau in Europa ist erreicht

Im Jahr 2020 wird die Europäische Zentralbank (EZB) unter ihrer neuen Präsidentin Christine Lagarde die bisherige Geldpolitik einer Überprüfung unterziehen. Das ist gut so, denn ein zentrales Ziel ist erreicht: Das Preisniveau ist stabil und liegt bei rund einem Prozent.

Die Preisniveaustabilität ist das ureigenste Ziel der Zentralbanken, bei der EZB wie auch bei der Schweizerischen Nationalbank. Vor etwas mehr als 20 Jahren war es Othmar Issing, der damalige deutsche Chefökonom der EZB, der Preisstabilität neu definiert hatte. Die durchschnittliche jährliche Inflationsrate sollte mittelfristig unter zwei Prozent liegen. Viele seiner Kollegen vor allem aus dem südlichen Teil Europas hatten damals Einwände.

Issing dagegen verwies darauf, dass die Deutsche Bundesbank in den ersten 50 Jahren ihrer Nachkriegsexistenz eine jährliche Inflationsrate von 2.8% für die D-Mark verzeichnete. Das gerade neu entstehende EZB-Gebilde setzte sich somit ein ambitionierteres Inflationsziel. Das war ein Baustein des Erfolgs des Euro, auch wenn das Ziel 2003 dahingehend präzisiert wurde, dass die Inflationsrate «nahe, aber unter zwei Prozent» liegen sollte. Immerhin verbindet heute der Euro 350 Millionen Menschen in 19 Ländern, die alle von einer stabilen Währung profitieren.

Die EZB-Diskussion, ob das Preisstabilitätsziel mit der gegenwärtigen Inflationsrate erreicht sei, wirkt auch auf die SNB und die hiesige Zinslandschaft. In beiden Gremien ist sonnenklar, dass sich die Inflationsrate nicht auf Zehntelspunkte genau steuern lässt. Deshalb ist denkbar, dass die letzte, nur mit knapper Mehrheit beschlossene Massnahme unter Lagarde-Vorgänger Mario Draghi zurückgenommen wird.

Ohne Not wurden im Herbst 2019 Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen im Umfang von 20 Milliarden Euro pro Monat beschlossen. Es gibt gute Gründe, diesen Krisenmodus zu verlassen. Damit verbunden wären leicht höhere Zinsen in ganz Europa, insbesondere am langen Ende der Zinskurve.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

06. Januar 2020 China: Caixin PMI Einkaufsmanager Dienstleistungen Dezember
07. Januar 2020 Eurozone: Kerninflation und Inflation Dezember
09. Januar 2020 China: Handelsbilanz und Teuerung Dezember
10. Januar 2020 USA: Beschäftigungslage und Lohnentwicklung Dezember

Nachrichten

Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – jetzt anmelden
Im Januar 2020 findet unter dem Titel «Weltwirtschaft und Kapitalmärkte 2020 – Quo Vadis?» die 25. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt. Die Informations­veranstaltung wird insgesamt an drei Terminen durchgeführt und findet im KKL in Luzern und bei uns im Lüssihof in Zug statt. Bitte beachten Sie, dass die Anlässe im Lüssihof ausgebucht sind. Es besteht eine Warteliste. Für den Anlass im Luzerner Saal im KKL gibt es noch freie Plätze.

Dienstag, 21. Januar 2020
18.00 bis ca. 20.15 Uhr, Luzern

Wir freuen uns, Sie zu einem facettenreichen Anlass einzuladen und diesen Fragen zusammen mit unseren Gästen Prof. em. Dr. Urs Birchler, Prof. Dr. rer. pol. Bruno Gehrig sowie Prof. em. Dr. Bernd Schips nachzugehen.

Das Programm sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf unserer Webseite. Wir freuen uns auf Sie.

Kundenaktion
Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen verlängern wir unsere exklusive Kundenaktion in das neue Jahr hinein, bis Mitte Februar. Überweisen Sie bis am 15. Februar 2020 einen Betrag von mindestens 10’000 CHF auf ein von uns verwaltetes Konto und erhalten Sie als Prämie eine herrliche Flasche Rotwein.

Herzlich, Timo Dainese

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.19
SMI 10'699.8 +0.8%
SPI 12'938.7 +0.8%
DAX € 13'219.1 –0.2%
Euro Stoxx 50 € 3'773.4 +0.8%
S&P 500 $ 3'234.9 +0.1%
Dow Jones $ 28'634.9 +0.3%
MSCI EM $ 1'123.9 +0.8%
MSCI World $ 2'363.1 +0.2%
Obligationenmärkte Seit 31.12.19
SBI Dom Gov TR 238.3 +1.2%
SBI Dom Non-Gov TR 119.8 +0.3%
Immobilienmärkte Seit 31.12.19
SXI RE Funds 442.8 +1.5%
SXI RE Shares 3'341.7 +2.1%
Rohstoffe Seit 31.12.19
Öl (WTI; $/Bbl.) 63.1 +3.3%
Gold (CHF/kg) 48'550.7 +2.6%
Wechselkurse Seit 31.12.19
EUR/CHF 1.0852 –0.0%
USD/CHF 0.9729 +0.7%
EUR/USD 1.1161 –0.6%
Kurzfristige Zinsen
3M Prog. 3M Prog. 12M
CHF –0.68 −0.8 - −0.7 −0.8 - −0.7
EUR –0.41 −0.4 - −0.3 −0.2 - −0.1
USD +1.87 +1.8 - +2.1 +1.8 - +2.1
Langfristige Zinsen
10J Prog. 3M Prog. 12M
CHF –0.52 −0.6 - −0.4 −0.2 - −0.1
EUR –0.26 −0.4 - -0.1 −0.0 - −0.4
USD +1.79 +1.9 - +2.3 +2.0 - +2.4
Teuerung
2020P 2021P 2022P
Schweiz +1.0% +1.1% +1.2%
Euroland +1.6% +1.8% +1.9%
USA +1.6% +2.0% +2.2%
Wirtschaft (BIP real)
2020P 2021P 2022P
Schweiz +1.4% +1.5% +1.5%
Euroland +1.4% +1.8% +2.0%
USA +1.6% +2.0% +2.2%
Global +3.0% +3.2% +3.2%
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