Wenn eine systemrelevante Bank nicht mehr alles tun kann, geht die Welt nicht unter. In zwei ausführlichen Sitzungen hat der Zürcher Kantonsratals Vertreter der Eigentümer seiner Kantonalbank den Weg gewiesen. Es ging dabei um die Wachstumsstrategie der viertgrössten Schweizer Bank und deren Finanzierung. Die Diskussion war von höherer Qualität als wir es uns von jeder Generalversammlung gewohnt sind. Gut vorbereitete Voten überzeugten, dass eine Parlamentsbank an die Grenzen ihrer schieren Grösse gelangt ist.
Einst lautete das klare Leitbild, die ZKB sei „eine grosse Bank, aber keine Grossbank“. Das war nicht nur ein beachtliches Differenzierungsmerkmal, sondern hob in der Krise der Grossbanken die eigene Reputation in luftige Sphären. Doch immer mehr begann sie sich genau als solche in jüngsten Jahren zu verhalten, leistete sich skandalöse Geschäftsvorfälle, baute Dienstleistungen bei den Filialen ab und machte gleichzeitig die hohle Hand – für höhere Vergütungen und mehr Eigenmittel.
Schon vor einer Woche kriegte die ZKB-Spitze ihr Feedback, nicht nur im Kantonsrat, sondern selbst in der altehrwürdigen NZZ wurde der „nebulöse Wunsch nach einer Stärkung der Eigenmitteldecke“ und der Mangel an einer ausformulierten „greifbaren Strategie“ kritisiert.
Eine Reihe von Fragen (will die Bank eher qualitativ oder eher quantitativ wachsen? in welchen Geschäftsfeldern und mit welchem Risikoappetit? usw.) blieb nur vage beantwortet. Man kann nicht nicht kommunizieren und dann gleichzeitig noch einen grossen Forderungskatalog aufstellen. Die von der SNB als systemrelevant deklarierte, vom Kanton mit einer Staatsgarantie versehene Zürcher Kantonalbank, kann sich Passivgelder so günstig und umfangreich wie kaum eine andere Bank besorgen.
Umso wichtiger wäre zu kommunizieren gewesen, was mit den Kundengeldern heute gemacht wird und vor allem in Zukunft gemacht werden soll. Zumal die Nationalbank keinen Gefallen am quantitativen Wachstum der letzten Jahre findet, und nun die Ratingagenturen den mit kritischen Voten durchtränkten Support durch das Parlament in die nächste Beurteilung einfliessen lassen könnten. Das alles sind Zeichen, dass die goldenen Zeiten vorbei sein dürften.
Partizipationsscheine wird es bis auf Weiteres nicht geben. Kann man aber dennoch am Wohlergehen dieser Bank partizipieren? Ja, aber nicht an den Gewinnausschüttungen, die in gewohnter Höhe weiterhin an Kanton und Gemeinden fliessen dürften. Für unsere Kunden haben wir uns aber vor einiger Zeit mit der Tier-1-Anleihemit einer fairen Risikoprämie eingedeckt. Einem für Schweizer Verhältnisse günstigen Contingent Convertible Bond. Jetzt, mit der Gewissheit, dass die Zürcher Kantonalbank mit einem nur geringfügig erweiterten Eigenmittelspielraum keine grossen Akquisitionsrisiken wird eingehen können, erwarten wir einen weiteren Kursanstieg. Finanziell ist die Bank kerngesund und wird es dank grosszügiger Gewinnthesaurierung auch bleiben, selbst wenn der Zuwachs an Eigenkapital nicht mehr derart stark wie in den vergangenen fünf Jahren ausfallen sollte.
Und mit dem gestrigen Entscheid wird die Bank vor allem eines: sie wird gesund bleiben. Die Reputation ist dermassen in den Keller gerutscht, dass sich die Bankleitung keine waghalsigen Abenteuer wird leisten können. Das ist umso interessanter für die Bondholder, insbesondere für die Investoren in die Tier 1-Anleihe.
Kurzfristig ist in diesen Tagen bereits eine Erholung eingetreten, weil das Scheitern der bankrätlichen Expansions- und Finanzierungsabsichten absehbar war. Mittelfristig sehen wir wieder Kurse um die alten Höchstwerte herum, vielleicht sogar etwas höher. Der Kurszerfall vor der Sommersession 2013 des Bundesparlaments war mit der Angst vor kurzfristigen, harten Repressionen durch die USA begründet. Diese ist verflogen und so auch das Risiko eines unbegrenzten Wachstums.
Wir haben bereits im Sommer 2013 in diesen Bond investiert, werden es auch weiterhin tun und gelassen zuversichtlich investiert bleiben. Weil ein strategischer Investor in der Lage sein sollte, ein Unternehmen, das in die negativen Schlagzeilen geraten ist, fundamental richtig zu deuten und dann über das richtige Instrumentarium die Analyse in einen Gewinn umwandeln sollte.
Auch deshalb wünschen wir der ZKB eine Reise in ruhige Gewässer!
Herzlich,
Maurice Pedergnana Chefökonom und Geschäftsführender Partner
Interesse geweckt? Hören Sie das Interview mit Prof. Dr. Maurice Pedergnana in «Echo der Zeit».
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