Neue Zürcher Zeitung – «Vielleicht sollte Herr Musk mal nach Brüssel gehen»

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Donald Trumps Wahl sorgt an den Börsen zum Jahresende für ein beispielloses Rally. Im Gespräch mit Michael Ferber und Lorenz Honegger analysieren vier Expertinnen und Experten die Chancen und Risiken für Anleger.

Donald Trump ist wieder gewählt. Für die Wirtschaft ist das eine gute und eine schlechte Nachricht: Sie könnte schneller wachsen, dafür könnte auch die Inflation wieder aufflammen.

Was erwarten Sie, Herr Schnabl?
Gunther Schnabl: Das ist noch nicht so klar. Im Parteiprogramm der Republikaner gibt es Vorhaben, die inflationäre Effekte haben, wie die Zölle und die Migrationspolitik. Aber es gibt auch viele Pläne, die deflationär wirken dürften – beispielsweise der geplante Abbau von Regulierungen. Diese haben sich in den vergangenen Jahren stark preistreibend ausgewirkt. Trump hat auch angekündigt, entschlossen Ausgaben zu kürzen. Wenn der Haushalt am Ende ausgeglichen ist, dann sinkt der Druck auf die US-Notenbank, Staatsanleihen zu kaufen, also eine inflationäre Politik zu verfolgen. Mittlerweile glaube ich mehr an eine umfassende Reformpolitik, wie sie Anfang der 1980er Jahre zu beobachten war. Trump könnte vieles wie Ronald Reagan machen.

Wie sehen Sie das, Frau Hilb?
Caroline Hilb: Ich sehe es anders. Ich glaube, Trumps Zollpolitik wird in der langen Frist inflationstreibend sein. Allerdings könnte es eine Weile dauern, bis die Inflation tatsächlich steigt. Sie muss ja zuerst im System ankommen und sich quasi «durchfressen». Bis Mitte nächsten Jahres wird sie noch nicht allzu viel höher notieren als heute.

Fabienne Hockenjos-Erni: Bei der Inflation wird auch Trumps Migrationspolitik eine wichtige Rolle spielen, weil sie dem Arbeitskräftemangel einen weiteren Schub gibt. Wenn die amerikanische Wirtschaft weiterhin so gut läuft, wirkt das inflationär. Es gibt eine zunehmende Diskrepanz zwischen den USA und anderen Ländern.

Maurice Pedergnana: Aber unter Donald Trump dürften die Energiepreise fallen. Wirtschaftspolitisch gesehen schaue ich positiv auf diese kommende Ära «Trump 2.0». Seine Radikalität wird auch Europa und Asien unter Druck setzen, endlich wegzukommen von dieser unglaublichen Regulierungswelle der vergangenen zwei Jahrzehnte.

Mehr Einschätzungen von den Expertinnen und Experten – u. a. von Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom der Zugerberg Finanz – im Artikel der Neuen Zürcher Zeitung vom Montag, 9. Dezember 2024.

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