EZB Beschluss und wer in der Schweiz profitiert

Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft mit ihrem Entscheidungspaket Zeit. Der Zinssenkungsspielraum ist ausgeschöpft, und die Massnahmen sind in Deutschland auf scharfe Kritik gestossen. Nun sind Italien und Frankreich dringend aufgerufen, Strukturreformen beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt wirklich in konkrete Taten umzusetzen. Die Banken werden zudem ermuntert, das Billiggeld auch günstig den KMU für deren Wachstumsideen zur Verfügung zu stellen. Die Kreditdynamik soll die Konjunktur entfachen. Das ist nicht hoffnungslos. Griechenland, Irland, Spanien und Portugal sind vier Euroländer, die sich langsam und stetig aus ihrer schlimmsten Krise herausarbeiten.

Aus unserer Sicht verhilft der EZB-Entscheid zu einem tieferen Frankenkurs. Güter und Dienstleistungen werden im Dollarraum und den damit eng verbundenen Währungsräumen günstiger. Das wirkt sich durch unsere exportorientierte Unternehmenslandschaft insgesamt positiv aus. Die grössere Wirkung ist jene auf den Zinssatz. Das Banksparen wird lange unattraktiv bleiben, und das Ausweichen auf Obligationen birgt vor allem Risiken in sich, für die man nicht mehr fair entschädigt wird. Die Renditeerwartungen an Finanzprodukte, die vor allem mit Anleihen verbunden sind, müssen zurückgeschraubt werden.

Eurokurs_zum_Schweizer_Franken

Umgekehrt besteht ein positiver Effekt darin, dass sich Schweizer Unternehmen zu rekordtiefen Zinsen verschulden können. Eine sechsjährige Anleihe vom Maschinenbauer Bobst, der noch am Bewältigen einer schweren Krise ist und über ein mässiges BBB- Rating verfügt, wirft 1,4 % Rendite pro Jahr ab. Damit löst die Firma eine Anleihe ab, die noch zu 5 % verzinst wurde. Die Firma Bucher Industries zahlt für eine Anleihe mit gleicher Laufzeit nur gerade 0,6 % und löst damit eine zu 3 % verzinste Anleihe ab. Die günstige Refinanzierung entlastet den Finanzaufwand um jährlich rund vier Millionen Franken und wird einen wesentlichen Beitrag zum Gewinn beisteuern.

Die Marktpreise sind durch den EZB-Entscheid von den Risiken entkoppelt. Eine Firma, die nach gängiger Interpretation der hiesigen institutionellen Investoren nicht über einen «Investitionsstatus» verfügt, kann auf dem überhitzten Markt Kapital in dreistelliger Millionenhöhe ergattern. Die im zyklischen Textilmaschinensektor tätige Rieter, vor wenigen Jahren mit einer Kapitalerhöhung vor dem Konkurs gerettet, kommt mit einer Anleihe in Höhe von 1,5 % Rendite auf den Kapitalmarkt. Und solche Papiere gehen weg wie frische Semmeln. Auch deshalb ist klar: Der Sparer wird noch jahrelang leer ausgehen, ausser man beteiligt sich über Aktienam unternehmerischen Erfolg.

Interesse geweckt?
Lesen Sie weiter – Die Kolumne von Prof. Dr. Mauric Pedergnana in der Neuen Luzerner Zeitung finden Sie hier.
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