Prof. Dr. Roger Rissi spricht im Interview mit der Neuen Luzerner Zeitung über den vielleicht schwersten Manipulationsfall im Devisenhandel aller Zeiten. Er gibt Antwort darauf, was alles schief lief bei der grössten Schweizer Bank, wie sinnvoll es ist, Boni zu beschränken und wie die UBS das angeschlagene Vertrauen wieder zurückgewinnen kann.
Roger Rissi, wie ist es möglich, dass elf UBS-Mitarbeiter einen derart gewaltigen Schaden anrichten können? Da kam Verschiedenes zusammen. Aus dem Bericht der Finanzaufsichtsbehörde geht hervor, wie sehr die Kontrollen versagt haben. Es gab zwar interne Regeln und gut gemeinte Weisungen. Doch niemand setzte sie angemessen durch. Das wäre etwa so, als würde man am Ortseingang eine Tafel mit der Tempobeschränkung 50 aufstellen, und danach erscheint nie ein Polizist, der prüft, ob die Geschwindigkeitslimite auch eingehalten wird.
Trotzdem halten sich erfahrungsgemäss die meisten Automobilisten an die Tempolimite. Beim Devisenschwindel kam aber noch ein unheilvolles Anreizsystem hinzu. Wenn ein Bonus den Grundlohn bis um ein Siebenfaches übersteigen kann, fallen die Hemmungen, es mit den Vorschriften weniger genau zu nehmen. Erst recht im Devisengeschäft, in dem es sich leicht tricksen lässt. Die verantwortlichen Personen haben es schlicht versäumt, charakterfeste und fachkundige Aufsichtsleute in diese Abteilung zu schicken, um nach dem Rechten sehen. Das fehlende oder unvollständige Kontrollsystem, die falschen Lohnanreize und der leicht manipulierbare Devisenmarkt mündeten in den Mix für einen üblen Cocktail.
Was lief denn falsch? Es genügt bei solch heiklen Geschäften nicht, den Strafregisterauszug und das Fachwissen zu prüfen. In diesem Geschäft müssen die Angestellten auch charakterlich gefestigt sein. In einem gut geführten Betrieb sind die Integren nicht die Dummen, die sich mit einem bescheidenen Bonus zufriedengeben.Quelle: Neue Luzerner Zeitung
Die Finma kündigte an, die Boni beim Zweifachwert des Fixlohnes zu deckeln. Genügt das? Ich halte es grundsätzlich für gefährlich, wenn die Aufsichtsbehörde oder die Politik allgemeine Lohnvorschriften macht. Die Lohnmodelle liegen in der Verantwortung der Unternehmensführung. Sie ist es, die für die richtigen Rahmenbedingungen und Anreize sorgt.
Was die UBS aber zumindest in ihrer Devisenabteilung von Opfikon versäumt hat. Das stimmt, und der daraus entstandene Schaden ist für die Grossbank enorm. Trotzdem: Wie lässt sich denn feststellen, ob ein zweifacher Fixlohn als Bonus der richtige Wert ist? Warum nicht 2,5? Oder 3? Niemand kennt den goldenen Faktor. Die richtige Lösung ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Die Charaktereigenschaften und die Unternehmenskultur sind zentral. Die Boni bilden nur einen Teil davon.
Der Imageschaden für die UBS ist enorm. Dieser Skandal geht auf Kosten ihrer Kunden. Hat die Grossbank überhaupt eine Chance, da wieder heil herauszukommen? Ich glaube schon. Doch es dauert sehr lange und braucht äusserst solide Arbeit, um das ohnehin angeschlagene Vertrauen zurückzugewinnen. Allein die respektlosen Chat-Kommentare der Devisenhändler haben eine vernichtende Wirkung. Sie führen der Öffentlichkeit drastisch vor Augen, wie rücksichtslos ihre Verfasser am Werk waren.
Was können die Kunden unternehmen, die den Schaden davon haben? Lässt er sich für einen Einzelkunden überhaupt feststellen? Normale Privatkunden sind davon nicht direkt betroffen. Die Schummeleien gingen zu Lasten oder zu Gunsten von institutionellen Anlegern. Pensionskassen und Versicherungen haben Devisen zu manipulierten Kursen gehandelt. Die Durchschnittsbürger haben also als Versicherte, wenn überhaupt, nur einen indirekten Schaden.
Interesse geweckt? Lesen Sie weiter – das ganze Interview mit Prof. Dr. Roger Rissi in der neuen Luzerner Zeitung finden Sie hier. Prof. Dr. Roger Rissi hat auch mit der Handelszeitung über den Devisenskandal gesprochen, dass Interview dazu finden Sie hier.