Donald Trump als 45. US-Präsident gewählt

In eigener Sache

Es war ein äusserst knapper Ausgang. Im Kern war es ein langer, zermürbender Wahlkampf. Die «schweigende» Mehrheit hat gewonnen. Das war auch ein Sieg über das politische Establishment. Mit Donald Trump hat ein schillernder Aussenseiter gewonnen, einer, der nie ein politisches Mandat ausgeübt hat. Darin ist auch eine Chance zu sehen.  

 

Seine Wahl fällt in eine Zeit, in der ein erheblicher Teil der Wählenden frustriert sind. Das ist durchaus nicht nur in den USA zu beobachten. Es ist ein Votum gegen die Klüngelei in «Washington» mit Tausenden von Lobby-Organisationen. Es ist ein Votum gegen Freihandel, auch gegen die Wall Street. Und es ist ein Sieg des Anti-Establishments, ein Weckruf jener, die sich in den politischen Handlungen vernachlässigt und vergessen fühlen. Bereits im Wahlkampf hat sich ein Graben geöffnet, der nicht einfach zuzuschütten ist. Der neue Präsident steht vor einer grossen innenpolitischen Herausforderung.

 

Das wird dem Land gut tun. Es wird wachgerüttelt aus der Schläfrigkeit einer ermatteten Volkswirtschaft. Die industrielle Produktion nimmt in zahlreichen Gliedstaaten ab. Die beiden Hauptexportgüter gegenüber dem wichtigsten Handelspartner China sind Sojabohnen und Schrott. Die Staatsverschuldung ist mit 108% gemessen am Bruttoinlandprodukt viel höher als im europäischen Durchschnitt. Für zehnjährige Anleihen muss der Staat mittlerweile mehr Zinsen bezahlen als Italien. Und der einzige Nobelpreis, der in diesem Jahr an einen gebürtigen Amerikaner ging, war jener in der Literatur – Bob Dylan. «Make America great again» – das wird auch das Motto seiner Antrittsrede sein. Mit seinem unerschütterlichen Optimismus mag er Veränderungen herbeiführen. Das ist dem Land, das an Wettbewerbsfähigkeit eingebüsst hat, zu wünschen, denn es hat dies dringend nötig.

 

Was bedeuten diese Wahlen aus Anlegersicht? Zunächst wird es heute vermutlich an den Aktienmärkten rütteln, aber es sind keine schockartigen Kursveränderungen zu erwarten. Was am Montag in der Erwartung eines Gewinns von Hillary Clinton gewonnen wurde (ca. +2%), kann teilweise wieder verloren gehen. Der amerikanische Aktienindex S&P 500 hat am frühen Morgen zwar etwas eingebüsst. In den ersten Handelsstunden war dies auch in Europa zu beobachten. In der Schweiz hat der Swiss Market Index unverändert eröffnet. In Asien haben die Märkte zunächst negativ reagiert. Die Anleihenmärkte zeigten sich unverändert. Der Goldpreis stieg um 1.3% (9.30 Uhr). Da ist viel Gelassenheit und Weitsicht an den Märkten zu spüren.

 

Der US-Dollar verliert gegenüber dem Schweizer Franken aktuell rund 0.4%, wobei sich die Schweizerische Nationalbank gegen eine weitere Aufwertung des Frankens stemmt. Mit 0.975 Franken, die ein US-Dollar kostet, liegt man zwar 2.5% unter dem Jahresbeginn, aber insgesamt immer noch in einer verhältnismässig engen Bandbreite. Der Wechselkurs schwankte seit Februar 2016 immer zwischen 0.96 und 1.00.

 

Der tiefere US-Dollar wird höchstens leichte Spuren im Jahresendergebnis der Schweizer Unternehmen hinterlassen. Umsätze und Gewinne werden um die entsprechenden Währungsverluste bereinigt werden müssen. Der Euro dagegen verhält sich mit 1.08 zum Schweizer Franken stabil und legt gegenüber dem US-Dollar um 0.8% zu. Das ist für die meisten Schweizer Unternehmen wichtiger. Einmal mehr zeigt sich, dass die nicht selten verschmähte Währung gerade auch dann wertgeschätzt wird, wenn sich politische Verwerfungen abzeichnen. Das war auch beim Brexit-Votum der Fall.

 

Insgesamt beobachten wir in den ersten Handelsstunden seit der Eröffnung der Börse in Sidney Bewegungen, die nicht unerwartet sind. Zugleich bleibt festzustellen, dass es keine Panik-Handlungen gibt.

 

In den Portfolios der Zugerberg Finanz AG ist der Anteil US-Aktien sehr gering. Wir haben ein deutliches Gewicht auf eine gesunde Balance zwischen Aktien und Anleihen gelegt sowie die Portfolios mit einigen zusätzlichen Wertpapieren ausgestattet, welche den Nutzen aus der Diversifikation gerade auch in turbulenten Zeiten zeigen.

 

Vergessen wir aber nie: Die Weltwirtschaft wird nicht durch die Politik bestimmt. Letztere legt durch ihr Handeln die Rahmenbedingungen fest, und in dieser Hinsicht sind die Aussichten auf Freihandelsabkommen gewiss nicht gestiegen. Aber das weltwirtschaftliche Geschehen wird immer stärker von der wachsenden Nachfrage von aufstrebenden Ländern wie China und Indien bestimmt. Da sehen wir einen ungebrochenen Trend zu einem wachsenden Mittelstand wie ihn die Weltwirtschaft noch nie erlebt hat.

 

Wir fühlen uns deshalb auch in der Aktien-Positionierung von europäischen Unternehmen, die viel globaler als die meisten US-Unternehmen sind sowie kulturell wie auch marktbezogen vielfältiger handeln, bestätigt. Sie dürften zudem vom latenten und unter dem neuen US-Präsidenten wachsenden Anti-Amerikanismus profitieren. Gestern wurde beispielsweise bekannt, dass sich der französische Konzern Total zusammen mit der China National Petroleum Corporation gegen harte Konkurrenz aus den USA hat durchsetzen können. Sie haben einen 4.4 Milliarden Euro Gasförder-Auftrag aus dem Iran erhalten: Es war das erste Joint Venture mit internationalen Partnern, seit die Sanktionen im Januar 2016 gelockert wurden.

 

Das ermutigt uns. Generell blicken wir den kommenden Monaten optimistisch entgegen. Die Konsumentenstimmung ist mit Ausnahme der USA am Steigen. Das Geschäftsklima hat sich fast in allen Regionen der Welt in jüngster Zeit verbessert. Die Schwellenländer wachsen weiterhin, Europa und die USA liegen mit ihrem realen Wachstum mit 1.6% bis 2.0% leicht dahinter. Die Unternehmensbewertungen sind weiterhin tief und bei tiefen Zinsen und mässiger Teuerung bleiben die Aussichten auf reale Renditen von 2% bis 3% p.a. weiterhin intakt.

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