Die Zugerberg Finanz Portfolios bleiben gut ausgerichtet

In eigener Sache

Joe Biden ist neuer Präsident der Vereinigten Staaten. Aufgrund des amerikanischen Wahlsystems resultierte ein knappes Resultat bei den Wahlmänner-Stimmen. Demokratisch legitimiert ist der Sieg auch durch den landesweiten Vorsprung von knapp vier Millionen Stimmen gegenüber dem amtierenden Präsidenten.

Wir rechnen damit, dass das Wahlresultat bestehen bleibt und am 20. Januar die Inauguration stattfinden wird. Wir zählen darauf, dass die beiden Lager, die sich im Wahlkampf bitter bekämpft und beschimpft haben, aufeinander zugehen. Vielleicht gelingt Donald Trump sogar noch die «sanfteste, grösste und beste Transition», die jemals bei der Amtsübergabe stattgefunden hat… Gewiss kommt Biden in dieser Phase sein ruhiger Stil entgegen. Nach nervenaufreibenden Tagen, Wochen und Monaten und nach vier Jahren einer unterirdischen politischen Kultur, die im Weissen Haus herrschte, entspricht es einem mehrheitlichen Wunsch der Amerikanerinnen und Amerikaner: Das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen, die gemeinsamen Werte und die gemeinsamen Ziele.

So interpretierten wir zumindest die Worte von Joe Biden, als er am Mittwochabend auf die Bühne trat und eine staatsmännische Rede hielt. Sein Team rechne damit, auf 270 Wahlmänner-Stimmen zu kommen, ohne bereits den Sieg zu verkünden. Biden ist eine Persönlichkeit, die auf die Gegenseite zugehen kann. Er ist seit 50 Jahren in der Politik und weiss sehr wohl um den Nutzen von Kompromissen. Er ist als langjähriger Vizepräsident unter Barack Obama auch welterfahren. Dennoch wird die Zeit von Obama nicht zurückkehren.

Biden hat vor allem in den urbanen Räumen obsiegt. Nun liegt es an ihm, auch den Stimmen aus dem ruralen Amerika Rechnung zu tragen. Gemeinsam mit den Republikanern, die im Senat möglicherweise eine knappe Mehrheit verteidigen können, und mit dem mehrheitlich demokratisch geprägten Repräsentantenhaus wird er um zukunftsgerichtete Kompromisse ringen müssen. Das Land ist tief gespalten; es wieder zu den Vereinigten Staaten zu machen, ist die Ambition von Joe Biden.

Eines steht unmittelbar an, nämlich das zweite, lange erwartete konjunkturelle Stimuluspaket als kurzfristige Reaktion auf die Coronakrise. Zur fiskalischen Expansion wird die geldpolitische parallel dazu ebenfalls expansiv bleiben. Mittelbar geht es jedoch um wesentlich mehr. Die USA sind eine globale Supermacht, haben sich aber in den vergangenen vier Jahren immer stärker aus dieser Verantwortung zurückgezogen. «America First» wird unter dem neuen US-Präsidenten weiterhin gelten. Auch wenn nicht viele Regierungen in Europa Donald Trump nachtrauern, so haben sich die transatlantischen Verhältnisse wohl grundlegend und dauerhaft verändert.

Biden wird den Fokus wie schon unter seinem Vorgänger verstärkt auf den Pazifik richten müssen. Wirtschaftlich sind Amerika und China über die letzten vier Jahrzehnte stark zusammengewachsen, doch mittlerweile stehen die Zeichen auf Konfrontation. Eine Entkoppelung wäre für die USA nicht vorteilhaft. Inzwischen setzen US-Unternehmen rund 410 Milliarden Dollar in China um; dem stehen nur 140 Milliarden Dollar gegenüber, die chinesische Unternehmen in Amerika umsetzen. Amerikas Abhängigkeit ist aber auch über Rohstoffe und Vorprodukte viel grösser als umgekehrt, v.a. in Sparten wie Telekommunikation und Elektronik. Würde man Taiwan zu China zählen, würde sich das Bild noch deutlich verschärfen.

Joe Biden will vieles grundlegend verbessern. Das Bildungsniveau der Amerikaner ist deutlich gefallen; es wird wohl zur Jahrhundertaufgabe, hier einen Richtungswechsel einzuleiten. Er brauchte gebildete Manpower, denn er will den Grundstein für weiteres, innovationsgetriebenes Wachstum im 21. Jahrhundert legen.

Die Demokraten regieren und dominieren in den Hotspots der Wissenschaft und Forschung, an der Ost- wie auch an der Westküste. Da liegen die Schmelztiegel von den besten Forschenden aus aller Welt, die Trump mit Visarestriktionen heimgeschickt respektive gar nicht mehr ins Land gelassen hat. Die neue Führung will die Universitäten – vom MIT in Boston bis zur Stanford University in Berkeley – wieder zu kraftvollen Zentren der weltbesten Forschung machen. Die Anliegen aus dem Pharma- und Biotechbereich werden im Biden-Team direkt angebracht werden können, auch jene aus dem Silicon Valley mit ihrer einzigartigen Startup-Kultur. Darin liegt die grosse Chance der neuen Führung, nicht das Hochjubeln von ohnehin retardierenden Branchen wie Kohlebergbau sowie Tiefsee- und Schieferölförderung.

Nur mit Innovation und Wachstum werden die Verschuldung und deren Verzinsung einigermassen im Rahmen gehalten werden können. Per Ende September ist der Schuldenberg auf 137% der Wirtschaftsleistung angewachsen. In den USA wurden innert Jahresfrist 3’100 Milliarden Dollar mehr ausgegeben als eingenommen. Einen wesentlichen Teil davon hat die US-Zentralbank Federal Reserve finanziert, deren Bilanz bereits auf über 7’100 Milliarden Dollar angestiegen ist (das ist übrigens 16% mehr als der Anstieg der moderateren Europäischen Zentralbank seit März 2020). Ein weiterer, erheblicher Teil wurde aus dem Ausland finanziert. Doch ausländische Gläubiger, oftmals von Trump verprellt, interessierten sich weniger am Trump-regierten Gebilde und der Dollar verlor massiv an Aussenwert.

Die neue Führung hat ein frisches politisches Narrativ. Sie hat gewiss ein Interesse an einem soliden Dollar, an einem starken Amerika, aber an noch viel mehr. Das Interesse gilt auch dem Klimaschutz, an einem «American Green Deal» und an einer funktionierenden nachhaltigen Weltordnung. Das Interesse gilt gewiss auch an einer starken NATO, an einer wirkungsvollen Welthandelsorganisation WTO und an einem guten Draht zur Schweiz – unsere Diplomatie vermittelt ja nicht nur im Iran für die USA.

Aber Joe Biden wird binnenwirtschaftliche Akzente setzen müssen. Er ist kein Freihandelsfan. Da drohen eher erneute abschottende «Buy American» Konzepte. Das wird noch vertieft zu analysieren sein. Wir hoffen jedenfalls, dass wir an den Anlässen in Zug und Luzern im Januar 2021 – sofern diese denn stattfinden können – gemeinsam mit Martin Dahinden, dem ehemaligen Schweizer Botschafter in Washington, noch viel mehr von diesen Aspekten beleuchten können.

Was bedeutet die US-Wahl für unsere Portfolios? Wir sind zuversichtlich hinsichtlich der US-Technologiewerte, die zuletzt gelitten haben, aber auch hinsichtlich der Healthcare-Aktien, die wir übergewichtet haben. Wir bleiben zuversichtlich, dass nach China in den kommenden Quartalen auch die USA wieder auf einen nachhaltigen wirtschaftlichen Wachstumspfad zurückkehren werden. Und wir sind zuversichtlich, dass die Aktienmärkte im Jahr 2021 deutlich über dem Niveau vom 3. Quartal 2020 liegen werden.

Eine prosperierende Wirtschaft wird zudem die Unternehmensanleihen im Portfolio ertragsreich machen, derweil Staatsanleihen unter Druck bleiben dürften. Das alles hat uns veranlasst, in balancierten Portfolios frühzeitig die Realanlagen zu stärken und die Nominalanlagen zu reduzieren. Der Start in den November ist auch dank dem Wahlausgang in den USA geglückt. Noch nie in der Geschichte der USA haben die Aktien so euphorisch am ersten Tag nach den Wahlen reagiert.

Der breite US-Aktienindex ist mit +2.2% entschlossen in den ersten Handelstag nach der Wahl gestiegen. Der US-Technologieindex Nasdaq hat gar um 3.9% zugelegt. In der Schweiz hat sich der Swiss Market Index (+2.8%) auf 10286 Punkte gehievt. Das sind 750 Punkte respektive 7.8% mehr als am 30. Oktober 2020. Das nehmen wir gerne mit, aber die wirklich gute Zukunft liegt immer noch vor uns – sofern man das Ersparte nicht auf dem zinslosen Konto belässt.

 

Herzlich,

Timo Dainese (CEO)
Gründer und Geschäftsführender Partner

Prof Dr. Maurice Pedergnana (CIO)
Geschäftsführender Partner und Chefökonom

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