Am Ende der Woche lag der Swiss Market Index (SMI) mit 10’329 Punkten um 0.2% höher als eine Woche zuvor. Sämtliche Versicherungsaktien lagen leicht höher, während die übrigen Finanzdienstleister etwas tiefer ins Wochenende gingen. Bei den übrigen Branchen war kein Muster erkennbar, ausser bei den Nahrungsmittelaktien. Diese handelten weltweit zuletzt ebenfalls eine Spur leichter. Die Nestlé-Aktie, die mit 105.66 Franken zuletzt 17% tiefer als zu Jahresbeginn handelte, vermochte da keine Ausnahme zu machen.
Die Bewertungen widerspiegeln derzeit nicht die fundamentale unternehmerische Betrachtung. Vielmehr dominiert die makroökonomische Einschätzung einer zukünftigen Phase von Unsicherheit und Inflation. In den USA sinkt die Inflation zwar leicht, doch hält sie sich hartnäckig auf zu hohem Niveau. Unternehmen drehen kräftig an der Preisschraube. Das werden wir auch in den Quartalsergebnissen von Nestlé & Co. beobachten können. Unternehmen mit Preisfestlegungsmacht – und das sind praktisch alle unsere Aktien-Favoriten – können in inflationären Zeiten die Preise erhöhen und die Gewinne steigern.
Ein krasses Beispiel ist der weltgrösste Hersteller von Computerchips, TSMC, dessen Gewinn im dritten Quartal 80% höher als im Vorjahr liegt, der Aktienkurs dagegen 38% tiefer. Ähnlich sind die Verhältnisse bei Nvidia. Da bleiben die Analysten aufgrund der ungebrochenen Nachfrage nach Grafikkarten übrigens weiterhin optimistisch. Neben den Unternehmen u-Blox, Sika, St. Gobain, Holcim reihte sich jüngst auch die Deutsche Post / DHL Gruppe unter jene, die nicht einmal das 9-Monats-Ergebnis abwarten konnten, so eindrücklich wuchs ihr Ergebnis.
Während sich die Güterpreisinflation zuletzt etwas mässigte, stieg der Trend zu teureren Dienstleistungen. Zugleich bleibt zu erwähnen, dass die Konsumenten weiterhin konsumieren. Das wiederum zwingt die Zentralbanken, die Konjunktur geldpolitisch zu bremsen, um ihrem Ziel der Preisniveaustabilität rasch und wirksam näher zu kommen. Doch die Gefahr nimmt zu, dass die Zentralbanken mit ihrem strammen Zinserhöhungszyklus übersteuern und damit der Inflationstrend im wirtschaftlichen Umfeld einer drohenden Rezession gar in einer (unerwünschten) Deflation mündet.
Weniger relevant sind inzwischen die russischen Gasprovokationen. In der Zwischenzeit ist Norwegen mit Abstand zum bedeutendsten Gaslieferanten geworden. Im westeuropäischen Energiemix spielt das russische Gas in den letzten Wochen mit nur noch 2% bis 3% keine zentrale Rolle mehr. Dabei greifen die wesentlichen Einsparungs- und Substitutionspotenziale noch kaum und die geldpolitisch erzwungene Konjunkturverlangsamung dämpft die Gasnachfrage zusätzlich. Der Spotpreis am wichtigsten europäischen Handelsplatz (TTF) liegt mit derzeit 72 Euro pro Megawattstunde auf dem Niveau von Anfang Jahr, da die Gasspeicher in Europa überraschend gut gefüllt sind. Ende August lag der Preis bei bis zu 350 Euro.
Der extrem niedrigen Grundstimmung unter den Anlegern fehlt allmählich der Zufluss von neuen negativen Nachrichten. Der Euro profitierte von der zuletzt wieder aufgehellten Stimmung an den Finanzmärkten.
Wir nähern uns dem Ende des Jahres 2022. Aktien in China und in Indien werden auf entgegengesetzten Bewertungsniveaus gehandelt. China notiert auf einem 5-Jahres-Tief, während Indien eine spektakuläre Erholung von den Tiefstständen im Juni hingelegt hat und weltweit zu den Märkten mit der besten Performance im Jahresvergleich gehört.
Es gibt ein Sprichwort über Indien, wonach die Optimisten und Pessimisten immer enttäuscht werden, doch man nie weiss wann. Derzeit könnte man zum Eindruck gelangen, dass die indische Binnenwirtschaft überhitzt sei und Margen- sowie Volumenprognosen noch gesenkt werden müssen. Die IT-Dienstleistungen, der grösste Export des Landes und 16% des Benchmark-Index NIFTY, zeigen sich allerdings robust. Die restriktivere US-amerikanische Visa-Politik für indische IT-Fachleute unter Donald Trump sorgt seither für eine kontinuierlich höhere Wertschöpfung in den indischen Hot Spots wie Hyderabad, Bangalore, Pune und Mumbai.
Insgesamt ist die indische Wirtschaft im Vergleich z. B. zu Taiwan, Korea und Vietnam relativ gut von der globalen Konjunkturabschwächung abgeschirmt, da das Verhältnis zwischen Exporten und Bruttoinlandprodukt (BIP) nur 20% beträgt. Die jüngste Schwäche der Ölpreise infolge einer abflachenden Weltwirtschaftsdynamik sorgt für Rückenwind. Kommt hinzu, dass im letzten Jahrzehnt rund 100 Millionen junge Erwerbstätige den inländischen Gesamtkonsum wie auch die Ersparnisse (u. a. in indische Aktien) auf ein neues Niveau gehievt haben.
Dagegen implodiert gegenwärtig die chinesische Wirtschaft. Ungewohnt hohe 20 Millionen Chinesen im Alter von 16 bis 24 Jahren sind ohne Arbeit. Auf dem überhitzten Immobilienmarkt, der zuletzt 25% zum BIP beitrug, sorgt ein starker Überhang für fallende Preise, was privates Finanzvermögen vernichtet sowie zu Finanzierungsproblemen im kommunalen Steuersystem und zu Kollateralschäden im Bankensystem führt. Die kinderarme Bevölkerung überaltert zudem rasant und schrumpft immer weiter. Eine Prognose der Shanghaier Akademie für Sozialwissenschaften warnt, dass die Einwohnerzahl von derzeit 1.4 Milliarden bis zum Jahr 2100 auf 587 Millionen sinken könnte, was für enorme Belastungen im rudimentär entwickelten Krankenversicherungs- und Rentensystem sorgen wird.
Zuger Messe – Oktober 2022
Wir sind auch in diesem Jahr wieder an der Zuger Messe präsent. Die grösste Herbstausstellung für Handel und Gewerbe in der Zentralschweiz findet von Samstag, 22. bis Sonntag, 30. Oktober 2022 auf dem Stierenmarkt- und Hafenareal in Zug statt.
Wir freuen uns, Sie an der Zuger Herbstmesse an unserem Stand Halle B1 (B1.20) auf einen Schwatz und ein Glas Wein zu begrüssen.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Informationsveranstaltung für Privatpersonen – November 2022
Am Donnerstag, 10. November 2022 findet bei uns im Lüssihof ein Informationsabend zum Thema «Vermögensverwaltung entlang des Lebenszyklus» statt. Dieser Anlass richtet sich primär an Interessierte, die uns näher kennenlernen möchten.
Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.
Zugerberg Finanz Marktupdate für Institutionelle Anleger – November 2022
Thema: «Decarbonization Infrastructure Debt» (update) Datum: Dienstag, 29. November 2022 Zeit: 8.00 Uhr (25 Minuten mit Q&A) Sprache: Deutsch Medium: Online-Event via Zoom
Anmeldung in Kürze über unsere Webseite.