Die Inflationsangst hat die Benchmark-Staatsanleihen in den industrialisierten Ländern seit Jahresbeginn bis zu 3% fallen lassen. Bei den Aktienkursen waren die Ausschläge grösser. Der Weltaktienindex liegt 7% tiefer als zu Jahresbeginn. Der defensivere Schweizer Aktienmarkt beendete vergangene Woche zum vierten Mal in Folge tiefer und lag mit zuletzt 12’104 Punkten 6% unter dem Jahresanfang. Interessant ist, dass sich die Branchenindizes viel stärker unterscheiden als die Länderindizes. Praktisch überall haben Tech-Aktien im Januar massive Verluste erlitten. Im Durchschnitt waren es 16% in Europa und 13% in den USA. Um rund 6% zugelegt haben Banken- und Versicherungsaktien. Energiewerte noch etwas mehr. Das sind Durchschnittswerte. Bei einzelnen Aktien – auch in unseren Lösungen – sind die Ausschläge nach oben wie auch nach unten noch grösser.
Die Fed kündigte an, dass eine Anhebung des Leitzinses von gegenwärtig 0.0% auf 0.25% «bald angemessen» sein wird, was an der Sitzung vom 15./16. März beschlossen werden dürfte. Der Vorsitzende Jerome Powell veröffentlichte eine Reihe von Normalisierungsgrundsätzen für die Verringerung der Fed-Bilanz, was bedeutet, dass der Ausschuss angesichts der robusten Konjunkturentwicklung beschliessen kann, die Normalisierung auf quartalsweise Schritte festzulegen. Dadurch dürfte sich die Zinskurve in den USA etwas verflachen. Die zehnjährigen US-Schatzanleihen und die Forwardkurven auf den fünfjährigen haben kaum mehr auf die Fed-Aussagen reagiert, d. h. der Markt hat die zu erwartenden Veränderungen bereits eingepreist. Die vergangenen Wochen untermauerten deutlich, wie stark die globalen Märkte sich von der Gefühlslage an der Wall Street abhängig gemacht haben. Die Inflation ist in der energieintensiven US-Volkswirtschaft tatsächlich hoch, in China, Japan, grossen Teilen Europas und natürlich auch in der Schweiz jedoch weiterhin auf einem moderaten Niveau. Der US-Konsumentenpreisindex hat massive Veränderungen erfahren, nicht nur weil die Energiekosten um 30% gegenüber dem Lockdown-geprägten Vorjahr zugenommen haben, sondern weil die Energieintensität auch dreimal höher ist, als beispielsweise in der Schweiz.
Hinzu kommt in der US-Wirtschaft der marode öffentliche Verkehr. Für fast alles wird ein Auto benötigt, weshalb sich die Preissteigerungen bei den weit verbreiteten Gebrauchtfahrzeugen, Pickups und Trucks besonders stark auf den durchschnittlichen Warenkorb auswirken. Aber die Angst, dass sich die US-Inflation auf die Weltwirtschaft ausbreitet, ist nicht angemessen. Der globale Wettbewerbsdruck wirkt inflationsdämpfend. Durch die inflationsbedingte Abschwächung des US-Dollars besteht immer noch ein Mittel, um die US-Wirtschaft vor einer Rezession zu bewahren. Mit Blick auf die Realanlagen lohnt sich mehr denn je, die Entwicklung der Unternehmensgewinne zu verfolgen. Apple war in dieser Hinsicht in der letzten Woche ein tolles Beispiel.
Durch den steten Nachrichtenfluss besteht die Gefahr, dass der Blick vom Wesentlichen abschweift. Damit sei in Erinnerung gerufen, dass mittel- und längerfristig die Aktienkurse der Gewinnentwicklung folgen. Und derzeit erhalten wir viele Signale, dass sich die Gewinne im laufenden Jahr nochmals substanziell erhöhen werden, gerade auch bei Schweizer Unternehmen respektive im europäischen Umfeld.
Trotz anhaltender Unsicherheiten wegen Covid und geopolitischer Spannungen bestätigt das Anlagebild, dass zahlreiche Unternehmen mit einem ungebrochen starken Wachstum rechnen können. Bei Lonza ist der Umsatz in Lokalwährungen im vergangenen Jahr um 20% gestiegen und hat damit die Markterwartungen klar übertroffen. Die unmittelbare Rentabilität litt unter den höheren Kosten in der Anlaufphase neuer Kapazitäten. Der Ausblick für 2022 liegt bei rund 14% Umsatzsteigerung, und die Unternehmensleitung erwartet eine spürbare Verbesserung der Bruttogewinnmarge. Die Investitionen nehmen zu, um die mittelfristigen Umsatz- und Margenziele bis 2024 zu erreichen.
SGS, der Genfer Weltmarktführer in Warenprüfverfahren, hat ebenfalls ein robustes Ergebnis 2021 abgeliefert. Der Umsatz stieg um 8.9% und der Reingewinn um 27.7%. SGS blickt im laufenden Jahr auf ein solides organisches Wachstum gepaart mit einer Verbesserung des betrieblichen Betriebsergebnisses. Die Dividende (3.1%) bleibt unverändert, um genügend Kapital in akquisitorisches Wachstum zu investieren. Das Ziel des Bruttogewinnwachstums von 10% bis Ende 2023 wird beibehalten.
Das sind nur zwei Beispiele. Wir richten uns mit unserem Heimatfokus schwergewichtig auf Schweizer Aktien aus. Diese sind fair bewertet und auf 100 Franken, die investiert werden, wird eine Rendite von knapp 6% erzielt. Bei Schweizer Aktien reizen auch in diesem Jahr durch ein positives Gewinnwachstum und robuste Dividendenrenditen – in unserem ausgewogenen Portfolio von typischerweise leicht mehr als 3%.
Je nach Risikoneigung wird das Portfolio mit mehr oder weniger Unternehmensanleihen sowie mit Immobilien- und Infrastrukturwerten balanciert. Auch da erwarten wir im laufenden Jahr eine positive Gesamtrendite.
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