Die erste Handelswoche im Jahr 2020 war quicklebendig. Auf den europäischen Anleihensmärkten kam es zu einem Rekordvolumen von Neuemissionen. Innerhalb von nur fünf Tagen haben Unternehmen Fremdkapital von deutlich über 100 Milliarden Euro aufgenommen. Das ist ein gutes Zeichen, denn ein solides Unternehmen nimmt nur dann Geld auf, wenn es damit auch interessante Projekte der Zukunft finanzieren kann.
Spannend am europäischen Markt ist zudem, dass dessen Attraktivität erhöht wird. Lange galt der USD-Anleihensmarkt als das Nonplusultra. Doch die europäischen Märkte holen auf. Durch die erhöhte Zahl der Emissionen wird er von mehr Analysten verfolgt; letztlich erhöht sich auch die Liquidität.
Das hat auch mit den Finanzierungsprojekten zu tun. Erst kürzlich haben wir mit dem Erwerb eines signifikanten Anteils einer Anleihe einer norwegischen Unternehmung ermöglicht, das grösste Onshore Windfarmprojekt in Europa (und das sechstgrösste weltweit) zu finanzieren. Der Strom wird genügend Elektrizität für 350’000 Haushalte erzeugen und zur CO2-Reduktion im Umfang von zwei Millionen Tonnen jährlich beitragen.
In einem mit dem Staat vereinbarten Stromabnahme-Vertrag wird auch festgelegt, dass der erzeugte Strom zu einem attraktiven Preis den Haushaltungen zur Verfügung gestellt wird. Letztlich erkennen wir darin unser Anliegen: Das ersparte Kapital der Kundschaft ebenso sorgsam und umsichtig anzulegen. Die Rendite wird mit dem Risiko abgewogen; es wird aber immer überprüft, ob man einen zusätzlichen klimarelevanten Nutzen erzeugen kann.
Derzeit bildet sich das weltweite Bündnis «Climate Action 100+», dem bereits 370 institutionelle Investoren angehören, darunter BlackRock und mehrere Grossbanken. Die Risiken durch den weltweiten Klimawandel scheinen rasant zu wachsen, und die Forderungen der Kunden, sich dem Thema zu widmen und mit den Unternehmen in einen direkten Dialog zu treten, sind gestiegen. Beispielsweise ein Unternehmen wie die deutsche RWE, die mit der Kohleverstromung gross geworden ist, aus dem Anlageportfolio auszuschliessen, wäre zu simpel. Insbesondere die grossen Investoren müssen mit Erwartungen an das Management herantreten, einen entsprechenden Wandel herbeizuführen.
Bei RWE hat sich der unternehmerische Fokus auch unter dem Druck der Kapitalgeber verändert. Der Konzern ist auf dem besten Weg, wie Enel und Iberdrola die erneuerbare Energiekapazität in den Vordergrund zu rücken. Die Kapazität der Erneuerbaren, die RWE derzeit jährlich steigert, entspricht fünfmal der Leistung des stillgelegten KKW Mühleberg. Die drei führenden europäischen Unternehmen zählen zu den fünf grössten weltweit, sorgen für eine zunehmende Dekarbonisierung und parallel dazu für eine langfristige Wertsteigerungsstory für Fremd- und Eigenkapitalgeber.
Der Industriesektor in der Eurozone zeigt Anzeichen der Besserung und die Rezessionsgefahr ist für die europäische Wirtschaft gebannt. Darauf deuten nationale Produktionsdaten für November aus den vier grössten Euroländern hin. Zunächst meldete Deutschland einen Produktionsanstieg. Danach folgten Frankreich, Italien und Spanien mit Zuwächsen. Die europäische Statistikbehörde Eurostat wird noch ein paar Tage benötigen, um das Gesamtergebnis zusammenzutragen.
Wichtig ist allerdings, dass der Industriesektor heterogen ist. Die Bauindustrie mit vollen Auftragsbüchern unterscheidet sich stark vom Werkzeugmaschinenbau. Insgesamt dürfte der Beitrag aber deutlich auf der positiven Seite liegen. Die europäischen Industriestaaten insgesamt dürften, auch dank dem stabilisierenden Dienstleistungssektor im Jahr 2020 bis zu 1.5% real wachsen.
Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone ist gestiegen. Der Economic Sentiment Indikator (ESI) stieg um 0.3 Punkte auf 101.5 Zähler. Wirtschafts- und Inflationsprognosen bleiben positiv, aber schwächelnd. Es wird weder mit einer Rezession noch mit einer Deflation gerechnet. Deswegen ist es nicht falsch, dass die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) weiterhin Unterstützung bietet, damit sich der Preisauftrieb in der Eurozone hinreichend festigt.
Derweil bereitet die EZB einen Kurswechsel hinsichtlich des Inflationsziels vor. Statt Preisniveaustabilität bei «nahe, aber unter 2%» festzulegen, plädieren einzelne EZB-Ratsmitglieder auf ein flexibles, symmetrisches Inflationsziel von 2%. Im Falle einer leicht höheren Inflationsrate als angestrebt solle die gleiche Toleranz wie bei einem Untertreffen der Zielmarke gelten. Das ist derzeit in den USA schon der Fall, wo die Inflation bei 2.3% liegt, die Zentralbank aber unter dem Druck von US-Präsident Donald Trump sich nicht von ihrer lockeren Geldpolitik und ihren Interventionen auf dem Geldmarkt abbringen lässt.
Gut gewirtschaftet hat übrigens die Schweizerische Nationalbank (SNB). Im Jahr 2019 hat sie einen Gewinn von 49 Milliarden Franken erzielt und damit die kühnsten Erwartungen übertroffen.
Auszüge und Berichterstattung 2019
Damit Sie optimal informiert sind, sehen Sie unten eine Auflistung, welche Jahresendunterlagen wann versendet werden.
Depotauszüge Zugerberg Finanz FP, NH, Z Versand: Woche 4
Depotauszug Zugerberg Finanz R Versand: Woche 2
Rechenschaftsablage Zugerberg Finanz R Versand: Woche 4
Steuerbescheinigung Zugerberg Finanz 3a Versand: Woche 5
Depotauszug Zugerberg Finanz FZ, 3a Versand: Woche 5/6
Steuerauszüge Versand: Woche 5/6
Halbjahresbericht Zugerberg Finanz Versand: Woche 4
— Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – jetzt anmelden
Im Januar 2020 findet die 25. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt. Für den Anlass im Luzerner Saal im KKL gibt es noch freie Plätze.
Dienstag, 21. Januar 2020 18.00 bis ca. 20.15 Uhr, Luzern
Das Programm sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf unserer Webseite. Wir freuen uns auf Sie.
Herzlich, Timo Dainese