Schon sind elf Türchen im Adventskalender offen. Vor Weihnachten ist für manche eine besinnliche, gemütliche Zeit – etwa mit Weihnachtsmarktbesuchen oder Guetzli-Backen. Für manche hingegen ist es eher Stress, wenn es gilt, den Pendenzenberg noch abzubauen. Wir sind jedenfalls bereits beim 50. Wochenbericht in diesem Jahr angelangt. Das ist ein unverkennbares Zeichen, dass sich die Festtage und das Ende des Kalenderjahres nähern.
Bereits wird spekuliert, was das nächste Jahr mit sich bringen könnte. Je schlagzeilenträchtiger die Prognosen, desto eher werden sie medial verbreitet. Beispielsweise hiess es vor einem Jahr, China und Indien werden aus dem Internationalen Währungsfonds austreten und die entdollarisierte Weltwirtschaft formen. Oder da wurden derart schlimme Inflationsszenarien an den Himmel gemalt, dass in den Verkaufsregalen die schwarzen Farbtuben ausgingen.
Wir nehmen auch die krassen Szenarien zur Kenntnis, setzen uns aber vielmehr mit den wahrscheinlichsten Entwicklungen und deren Auswirkungen auseinander. Das wird um so anspruchsvoller, je mehr man die Entwicklungen auf der Zeitachse zu verschieben beginnt, weil dann auch sämtliche Verknüpfungen und Pfade sich in ihren Wechselwirkungen verändern, was zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen kann. Beispielsweise bleibt die Dekarbonisierung ein wichtiger Trend, doch so lange wesentlich höhere infrastrukturelle Mittel ins Up- und Downstream-Geschäft der Ölkonzerne fliesst, bleibt deren Wirkung eingeschränkt.
Aufgrund des sinkenden Inflationstrends hat sich die Rückzahlungsrendite von zehnjährigen Anleihen auch in der Schweiz deutlich zurückgebildet. Die Rendite des zehnjährigen Eidgenossen liegt lediglich noch bei 0.7%, nachdem sie von Mitte Januar bis Ende November praktisch stets um 1.1% oszillierte. Dieser Rückgang sorgte nicht nur für fallende Hypozinsen in der Schweiz, sondern dürfte auch zur Stabilisierung der Bauindustrie beitragen. Ausserdem verhalf der Renditerückgang dem Zugerberg Income Fund, unserem Flaggschiff unter den Anleihen, zu einer Gesamtrendite von +4.6% seit Jahresbeginn.
Ermutigende Signale verbreitete auch der Swiss Market Index (SMI), der vergangene Woche bei 11’071 Punkten endete. Mehr als die Hälfte des SMI-Zuwachses in den letzten fünf Tagen (+1.7%) ging auf die Performance der arg gebeutelten Roche (+5.7%) zurück. Der Basler Pharmakonzern profitiert von der Bekanntmachung einer gut verträglichen Behandlungsoption mit ausgezeichneten Erfolgsaussichten gegen eine Form von Brustkrebs. Bei der entscheidenden Phase-3 Studie zu einer Kombinationstherapie mit unter anderem einem Roche-Medikament als Erstlinienbehandlung von Patientinnen mit einer bestimmten Art von Brustkrebs sei der «primäre Endpunkt» des progressionsfreien Überlebens erreicht worden. Die Daten zum Gesamtüberleben («sekundärer Endpunkt») waren noch nicht aussagekräftig, zeigten aber einen klar positiven Trend.
Rückblickend fragt man sich ja oft: Was war gut? Was war schlecht? Was hätten wir besser machen können? Gut war sicherlich, wie wir das makroökonomische Umfeld eingeschätzt haben. Weniger gut war, dass wir nicht die volle Bedeutung der Künstlichen Intelligenz auf das Gesamtjahr 2023 auf den Aktienmärkten eingeschätzt haben. Sonst hätten wir wohl noch etwas mehr Technologieaktien im Portfolio gehalten.
Als Microsoft ihre ChatGPT Lösung im Februar vorstellte, brach der Aktienkurs von Alphabet-Google um 17% ein – auf 86 Dollar. Ein Jahr zuvor lag der Kurs noch bei 148 Dollar. Immerhin: Wir verkauften nicht, blieben investiert und kauften später Microsoft dazu. Beide Titel entwickelten sich letztlich im Laufe des Jahres hervorragend (Alphabet +53% seit Jahresbeginn, Microsoft +56%). Es gibt gute Gründe, dass sich dieser Trend im 2024 fortsetzen dürfte.
Es gehört zum Wesen der Aktienanlage, dass man zwischen der ungeheuren Kraft des zugrundeliegenden Geschäftsmodells und dem täglichen Rauschen an der Börse unterscheiden muss. Das gelingt nicht immer, denn das Rauschen wird über verschiedenste Medienkanäle derart zugespitzt, dass man sich manchmal von liebgewonnen Werten trennt, die sich im operativen Alltag positiv entwickeln, jedoch dem Sturm der medialen Gewitter kaum standzuhalten vermögen.
Zu unterscheiden ist auch stets zwischen einer Volkswirtschaft und dem Börsengeschehen. Deutschland mit all seinen Chancen und Möglichkeiten beispielsweise befindet sich seit einiger Zeit politisch wie auch volkswirtschaftlich auf einem lamentablen Entwicklungspfad. Der Standort verliert seit Jahren an Wettbewerbsfähigkeit, die Regierung an Glaubwürdigkeit und der Mittelstand an Produktivität. Dennoch kann es sich lohnen, in deutsche Unternehmen von Weltrang zu investieren.
Denn durch die globalsten deutschen Unternehmen hat man Teilhabe am weltweiten Wachstumspotenzial. Das kann sich auch deshalb lohnen, weil diese Gewinne erzielen, wohl am wenigsten in Deutschland selbst, und dadurch die Aktienkurse steigen lassen: SAP (+54% seit Jahresbeginn), DHL (+30%) und Siemens (+25%) bleiben diesbezüglich bemerkenswerte Beispiele.
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Januar 2024
Am Dienstag, 16. Januar 2024 und Donnerstag, 18. Januar 2024 findet im Theater Casino in Zug sowie im KKL in Luzern die 32. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt. Durch das Programm führen Timo Dainese, Gründer und geschäftsführender Partner und Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom und geschäftsführender Partner der Zugerberg Finanz. Als Gastreferent wird uns Herr Prof. Dr. Roland Siegwart, Direktor des Autonomous Systems Lab und Mitbegründer von Wyss Zurich, einen Einblick in die Welt der künstlichen Intelligenz und Robotics geben.
Zur Anmeldung
Informationsveranstaltung für Privatpersonen – Vortragssprache Schweizerdeutsch – Geld anlegen ist auch Vertrauenssache
Am Donnerstag, 1. Februar 2024 finden bei uns im Lüssihof zwei Informationsveranstaltungen für Privatpersonen statt. Diese Anlässe richteten sich primär an Interessierte, die uns näher kennenlernen möchten.
Zugerberg Finanz Wirtschaftsworkshops für Jugendliche – März 2024
Jugendliche begeistern und motivieren! Am Samstag, 9. März 2024 sowie Samstag, 16. März 2024 veranstalten wir unter den Titeln «Faszination Wirtschaft» und «Faszination Börse & Kapitalmärkte» zwei Tagesworkshops für Jugendliche.