Es gab in der vergangenen Woche eine Reihe von Wirtschaftsdaten, die eher unerwartet waren. Entgegen den Stimmungsbarometern übertraf der Auftragseingang der deutschen Industrie mit +3.9% die Erwartungen deutlich. Nachdem die während der Pandemie aufgestauten Aufträge abgearbeitet wurden, kam es zunächst zu einer Delle. Nun resultierte aus dem starken Auftragseingang ein Widerspruch zur verbreiteten Konjunkturskepsis.
In den USA läuft übrigens die Wirtschaft weiterhin besser als erwartet. Im September wurden trotz heftiger geldpolitischer Straffung 336’000 neue Jobs ausserhalb der Landwirtschaft geschaffen. Für die Vormonate wurde der Stellenaufbau um 119’000 nach oben korrigiert. Der September war der höchste Monatswert im bisherigen Jahresverlauf und straft all jene Lügen, die seit März 2022 aufgrund der inversen Zinskurve behaupten, die USA befände sich am Beginn einer Rezession. Die Resilienz der amerikanischen Wirtschaft wurde dabei unterschätzt. Sie ist in jüngster Zeit sogar wieder etwas dynamischer geworden – bei abnehmendem Inflationsdruck notabene.
Nach den jüngsten Arbeitsmarktdaten und dem JOLTS-Bericht vom vergangenen Dienstag scheint sich die Lücke zwischen Arbeitsplätzen und Arbeitskräften von einem Höchststand von 6 Millionen auf etwa 2.6 Millionen mehr als halbiert zu haben. Auch die mässige Stundenlohnentwicklung von zuletzt +0.21% im Monat September nach +0.24% im August deutet auf eine gesunde Balance auf dem Arbeitsmarkt hin.
Die herausragende Entwicklung in der vergangenen Woche war jedoch der Sturz der Rohölnotierungen. Die Preise sind trotz stolzem Konjunkturverlauf eingebrochen und liegen 10% (Sorte WTI) respektive 14% (Sorte Brent) tiefer als vor einem Jahr. Vor kurzem wurde noch spekuliert, dass die Ölpreise die Inflation erhöhen würden. Stattdessen sorgen sie zumindest beim Jahresvergleich für einen disinflationären Beitrag. Weil steigende Energiepreise für Konsumunsicherheit sorgen, gilt nun das Umgekehrte. Die Kaufkraftverluste werden eingedämmt und die Zuversicht nimmt zu. Sogar die für ihre negativen Perspektiven bekannte deutsche Regierung geht in ihrer jüngsten Einschätzung davon aus, dass in Deutschland die Inflation im kommenden Jahr auf die Preisstabilität zurückgeht (2.6%). Ab diesem Niveau wird der Staat nicht mehr automatisch durch die Inflation entschuldet und wird sich wieder mehr Gedanken über die Schuldenquote machen müssen.
An der Schweizer Börse kam es zur Abspaltung der Generika-Tochter Sandoz von Novartis. In der Summe lohnte sich die Abspaltung sowohl in kurzfristiger wie auch in langfristiger Sicht für beide Seiten. Sandoz als zweitgrösster Biosimilar-Hersteller hinter Pfizer wird sich selbstständig gewiss besser behaupten und entfalten können. Für die bisherigen Novartis-Aktionäre wurde ein Mehrwert geschaffen, weil die neue Aktie mehr kostet, als die Aktie von Novartis einbüsste.
Der SMI ist geprägt von der Aktie des weltweit grössten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé. Es handelt sich um das Unternehmen mit der grössten Marktkapitalisierung. Allerdings ist Nestlé an der Börse «nur noch» 268 Milliarden Franken wert. Die einzelne Aktie wurde am späten Freitag Nachmittag zu 100 Franken gehandelt, tagsüber waren es auch schon mal 98.40 Franken.
Dieses Niveau hatte die Aktie bereits vor 4 ½ Jahren. Seither ging es in einer grossen Bandbreite seitwärts. Im vergangenen Jahr mit steigenden Zinsen büsste der Aktienkurs 16% ein. Dann erholte sich die Aktie wieder etwas. Ab Mitte Mai 2023 allerdings ging es fast nur noch abwärts. 14% büsste die Nestlé-Aktie seitdem ein.
Der Konzern ist fit. Er hat die Pandemie prima bewältigt und die Margen weitestgehend verteidigen können. In den Kernmärkten ist er mit seinen Marken meistens an erster oder zweiter Stelle. Das verleiht ihm Preissetzungsmacht. Die überschüssigen liquiden Mittel wurden regelmässig in Aktienrückkaufsprogramme investiert, so dass der Gewinntrend pro Aktie von 4.41 (2019) auf 4.95 (2023e) und 5.32 (2024e) weiterhin einen steigenden Verlauf zeigt. Das Dividendenwachstum in den letzten fünf Jahren lag bei rund 5% jährlich. An der Historie von 28 aufeinanderfolgenden Jahren mit einer Dividendenerhöhung soll auch weiterhin nicht gerüttelt werden.
Dennoch leidet der Kurs, weil ein erheblicher Teil der Investoren die Aktie als Anleihenersatz hielt. In der Null- und Negativzinsphase waren 4 bis 5 Franken Gewinn pro 100 investierte Franken sehr attraktiv. In den letzten Monaten zogen sich insbesondere angelsächsische Investoren aus der Aktie zurück, weil 5% Zins auch eine amerikanische oder britische Staatsanleihe verspricht.
Nestlé ist da kein Einzelfall. Auch langjährige Börsenlieblinge wie Coca-Cola und McDonald’s verloren seit Mitte Mai je 16%. Für einen Schweizer Investor, mit dessen 1.1% Verzinsung des zehnjährigen Eidgenossen nicht einmal die Inflation kompensiert wird, bleibt Nestlé eine herausragende Langfristanlage.
Geld anlegen ist auch Vertrauenssache – Informationsveranstaltung für Privatpersonen – November 2023
Am Donnerstag, 9. November 2023 findet bei uns im Lüssihof eine Informationsveranstaltung für Privatpersonen statt.
Dieser Anlass richtet sich primär an Interessierte, die uns näher kennenlernen möchten. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier:
Zur Anmeldung
Informationsveranstaltung auf Englisch für Privatpersonen – November 2023
Am Donnerstag, 16. November 2023 um 11:30 Uhr findet bei uns eine Informationsveranstaltung auf Englisch für Privatpersonen statt. Der Anlass richtet sich an englischsprachige Personen, die sich unverbindlich einen ersten Eindruck zu unserem Unternehmen verschaffen wollen.
Zur Anmeldung (auf Englisch)
Zugerberg Finanz Anlageforum für Institutionelle Anleger
Das Forum richtet sich an institutionelle Anleger, insbesondere Stiftungsräte und Pensionskassenvertreter.
Datum: Dienstag, 24. Oktober 2023 Ort: Lüssihof (Lüssiweg 47, 6300 Zug) Zeit: 8.00 bis 10.00 Uhr mit kleinem Frühstück