Der Teuerungsdruck schwächt sich ab – auf beiden Seiten des Atlantiks. Das ist das Entscheidende in den letzten sechs Monaten. Im März lag die Inflation beispielsweise in Deutschland immer noch bei 8.7%. Inzwischen sind wir bei 4.5% angelangt. Ökonomisch ist klar, dass der noch zurückzulegende Weg von der Eurozonen-Inflationsrate von 4.3% bis zum 2%-Ziel beschwerlich sein wird. Aber je näher man dem Ziel kommt, desto motivierender wirkt jeder einzelne Schritt. Die Produzentenpreise sind gegenüber dem Vorjahr schon deutlich gefallen (-12.6%). Das führt in einer Marktwirtschaft stets zu tieferen Preisen.
In Spanien und Portugal schwächte sich der Preisauftrieb bereits auf rund 3.5% ab. Auch sonst gibt es erfreuliche Nachrichten aus Europa. Weil der grenzüberschreitende Tourismus wieder reibungslos funktioniert, flossen von Deutschland und dem nördlichen Teil Europas wieder mehr Gelder ins südliche Europa, das eine starke Sommerkonjunktur erfuhr. Das Wachstum hat da auch die Immobilienmärkte stabilisiert. Trotzdem dürfte die deutsche Wirtschaft 2024 bereits wieder zulegen. Das geht jedenfalls aus der halbjährlichen Konjunkturprognose unter den Chefvolkswirten deutscher Bankinstitute hervor.
Hinzu kommt, dass Systeme mit Funktionen generativer Künstlicher Intelligenz (KI) einer Studie zufolge künftig rund 330 Milliarden Euro zur Wertschöpfung der deutschen Wirtschaft beitragen. Dies könne erreicht werden, wenn mindestens die Hälfte der Unternehmen entsprechende Technologien einsetzten, analysierte das Forschungsinstitut IW Consult im Auftrag von Google. Mithilfe von generativer KI können neue, originelle Inhalte wie Texte, Bilder und Videos, aber auch Musik oder Programmcodes erzeugt werden. Dadurch könnten vorhandene Ressourcen effizienter genutzt werden. Was ziemlich klar ist, dass Unternehmen wie Microsoft, Google, Apple, aber eben auch Europas grösster Softwarekonzern SAP sowie zahlreiche weitere europäische Unternehmen zu den Gewinnern dieser Entwicklung zählen werden.
Nach den beiden erfolgreichen Börsengängen des britischen Unternehmens Arm und der deutschen Birkenstock in New York, hat jüngst mit Schott Pharma auch ein vielversprechendes deutsches Unternehmen sein Börsendebut an der Frankfurter Börse gegeben. Die positive Stimmung wird unter den Privatmarktanbietern mit Freude aufgenommen. Auch geht sie mit einer verbesserten konjunkturellen Einschätzung durch die Federal Reserve einher. Die Rezession wurde von den Anlegern rasch aus der Zinskurve ausgepreist. Sie ist so flach wie schon lange nicht mehr, weil vor allem die Renditen am langen Ende zulegten. «Höher für länger» bleibt das Mantra. Das hat den Monat September zum schlechten Anlagemonat für Anlagen mit hoher Duration (Aktien mit einem hohen Kurs/Gewinn Verhältnis, Immobilien, Anleihen mit einer langen Laufzeit) gemacht.
Dank der Rückkehr zu normalen wirtschaftlichen Verhältnissen mit nachlassenden Sorgen hinsichtlich einer konjunkturellen Überhitzung erwarten wir im Schlussquartal des Jahres 2023 eine positive Entwicklung auf den Kapitalmärkten.
In manch einer Unternehmung betrachtete man Compliance als reinen Kostenfaktor. Dabei geht es darum, im Rahmen der vorhandenen Regularien regel- und rechtstreu zu wirtschaften. Manch einer Führungskraft fiel es zu Beginn dieses Jahrhunderts noch schwer, die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Man sparte, wähnte sich in Sicherheit und verschob willentlich oder fahrlässig Grenzen, was teuer wurde.
Einer der grössten Fälle der globalen Wirtschaftskriminalgeschichte war die grosse Korruptionsaffäre beim deutschen Siemens-Konzern. 330 dubiose Projekte und 4’300 illegale Zahlungen sollten den kurzfristigen Erfolg erbringen. Doch der Einsatz illegaler Mittel wurde aufgedeckt, kostete zahlreiche Managerkarrieren und brachte den Konzern letztlich zum radikalen Umdenken. Hinzu kamen noch Kosten von insgesamt 2.5 Milliarden Euro für Strafen, Nachsteuern und zusätzlichen Honoraren für Anwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfgesellschaften.
In der Industrie lernte man früher und rascher als in der Bankbranche. Manche Vorgaben gegen Geldwäsche und zahlreiche Vorschriften zur Einhaltung von Wirtschaftssanktionen sind allerdings auch erst jüngerer Natur. Und das Toxische daran ist dann beispielsweise, dass jede Übernahme mit entsprechenden Risiken verbunden ist. Das spürt jetzt auch die UBS, der das US-Justizministerium im Nacken sitzt. Konkret hätten die Ermittlungsbehörden den Verdacht, dass die von der UBS im März übernommene Credit Suisse russischen Kunden bei der Umgehung von Sanktionen geholfen habe.
Erschreckend ist, dass derartige Mutmassungen niemanden mehr überraschen. In der Vergangenheit gab es branchenweit allzu viele, teils auch systematische Verletzungen von Compliance-Vorgaben. Umso wichtiger ist es, die Compliance als Nutzenstifter zu betrachten, zumindest als Verhinderungsstelle von offensichtlicher Wertvernichtung. Mittlerweile, so schätzt der Sicherheitsdienstleister LexisNexis Risk Solutions vor, kostet es die weltweite Finanzbranche rund 206 Milliarden US-Dollar jährlich, um die weltweit geforderten Compliance-Vorgaben einzuhalten. Doch Prävention von Finanzkriminalität lohnt sich. Wie heisst es doch: Es kann bis zu 20 Jahre dauern, um sich eine gute Reputation aufzubauen – aber nur fünf Minuten, um sie auch wieder zu verlieren.
Geld anlegen ist auch Vertrauenssache – Informationsveranstaltung für Privatpersonen – November 2023
Am Donnerstag, 9. November 2023 findet bei uns im Lüssihof eine Informationsveranstaltung für Privatpersonen statt.
Dieser Anlass richtet sich primär an Interessierte, die uns näher kennenlernen möchten. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier:
Zur Anmeldung
Informationsveranstaltung auf Englisch für Privatpersonen – November 2023
Am Donnerstag, 16. November 2023 um 11:30 Uhr findet bei uns eine Informationsveranstaltung auf Englisch für Privatpersonen statt. Der Anlass richtet sich an englischsprachige Personen, die sich unverbindlich einen ersten Eindruck zu unserem Unternehmen verschaffen wollen.
Zur Anmeldung (auf Englisch)
Zugerberg Finanz Anlageforum für Institutionelle Anleger
Das Forum richtet sich an institutionelle Anleger, insbesondere Stiftungsräte und Pensionskassenvertreter.
Datum: Dienstag, 24. Oktober 2023 Ort: Lüssihof (Lüssiweg 47, 6300 Zug) Zeit: 8.00 bis 10.00 Uhr mit kleinem Frühstück