Eine Woche mit Gewinnmitnahmen ist vorbei. Einige Investoren nahmen die guten Unternehmensberichte zum Anlass, um Gewinne zu realisieren. Der Handel blieb insgesamt flau. Der Swiss Market Index (SMI) beendete die vergangene Woche bei 11’098 Punkten (-2.4%). Solide Werte wie Swisscom und Swiss Re (je -6%) und vor allem Nestlé (-4%) erlitten ungewohnt starke Einbussen. Anderseits beendet Sika die Woche mit einem deutlichen Plus (+3%).
Sika berichtete über das erste Halbjahr und zeigte dabei trotz anspruchsvoller Endmärkte insgesamt ein robustes Wachstum. Die Umsatzdynamik liegt weit über dem Branchendurchschnitt und die Aussichten nach der Übernahme von MBCC bleiben erfreulich. Dank niedrigeren Rohmaterialkosten verbesserte sich die Bruttomarge auf 52.7%. Der freie Cash Flow stieg massiv und das Management bestätigt die Aussichten auf einen überproportionalen Gewinnanstieg unter Ausschluss der Integrationskosten von MBCC. Sika ist besonders angetan von den langfristigen Wachstumsperspektiven in China, Indien und Südostasien. Nach dem Halbjahresbericht erklomm die Aktie einen neuen 52-Wochen-Höchstwert.
Der Fokus lag in der vergangenen Woche auf makroökonomischen Grössen. Die guten Arbeitsmarktdaten aus den USA liessen die Befürchtung erwachen, dass die Federal Reserve im Herbst nochmals die Leitzinsen anheben würde. Das sorgte fast überall für tiefere Anleihenskurse und tiefere Aktienkurse insbesondere in kapitalintensiven Branchen wie Telekommunikation und Infrastrukturbetreiber. Die typischen Aktien in diesen Branchen büssten etwas mehr als 4% ein.
Am Freitagnachmittag gab es auf der Anleihensseite wieder etwas Entspannung. Die Rendite der zehnjährigen US-Schatzanleihen, die am Vormittag noch 4.2% rentierten, fiel 17 Basispunkte auf rund 4.0% zurück. Grund dafür waren die allerjüngsten Zahlen vom US-amerikanischen Arbeitsmarkt. Diese fielen leicht schwächer aus als erwartet. Die US-Wirtschaft hat im Juli mit 187’000 Stellen ausserhalb der Landwirtschaft etwas weniger Arbeitsplätze geschaffen als vorhergesagt. Zudem wurde der Beschäftigungsaufbau in den beiden Vormonaten um insgesamt 49’000 nach unten revidiert.
Ein Mehr an Beschäftigung und Einkommen geht allerdings nicht mit einer Rezession einher. Das ist die gute Botschaft, die zuletzt auch bei der weltgrössten Bank JP Morgan zum Sinneswandel führte. Sie veröffentlichte am Wochenende ihre überarbeiteten BIP-Prognosen für die USA und kam zum Schluss, dass nicht eine Rezession, sondern ein Wachstum anstehe. Im laufenden Quartal wachse die Volkswirtschaft «gesunde» 2.5% und im kommenden Jahr werde es ein nicht-inflationäres Wachstum von 1.5% sein, leicht unter dem BIP-Potenzial.
In der vergangenen Woche sorgte für Schlagzeilen, dass die Ratingagentur Fitch die Vereinigten Staaten mit einem AA+ Rating benotet hat. Dieselbe Ratingkürzung hat der Platzhirsch Standard & Poor’s zwar bereits im Jahr 2011 vorgenommen. Weil nun zwei der drei grossen Ratingagenturen die USA nicht mehr mit der Bestnote AAA versehen, ist das tiefere Rating zugleich das Durchschnittsrating.
Die US-Finanzministerin Janet Yellen hat die Abstufung als «fehlerhaft» und «völlig ungerechtfertigt» kritisiert. Sie unterstellte Fitch «Willkür». Die Herunterstufung sei auf der Grundlage veralteter Daten vorgenommen worden. Umgekehrt ist Fitch zuzustimmen, dass die USA über enorm hohe Schulden verfügt. Vor allem aber ist der regelmässig wiederholte Kampf um den Schuldendeckel ein konstitutioneller Fehler, weil damit eine längerfristige Haushaltsplanung blockiert wird. Der Staatshaushalt der grössten Volkswirtschaft der Welt befindet sich seit Jahren in einer äusserst angespannten Lage.
Der Markt für US-Schatzanleihen ist nach wie vor besonders liquid, aber inzwischen auch äusserst volatil. Da, wo Ratingvorgaben nur Anlagen in AAA-Anleihen erlauben, sind nun die US-Staatsanleihen ausgeschlossen. Das erhöht marginal die Risikoprämie. Die zehnjährige Benchmark-Anleihe steht seit ihrer Emission Mitte Mai 2023 unter argem Druck. Die Rendite stieg von 3.5% auf über 4.0%, was für einen Kursverlust von 6% sorgte.
Der Markt für US-Schatzanleihen ist mit 25’137 Milliarden Dollar immens gross. Heruntergebrochen auf einen einzelnen Steuerzahler betragen die Schulden 254’000 Dollar. Die ausstehenden Anleihen betrugen vor fünf Jahren noch weniger als 15’000 Milliarden Dollar. Die Verschuldung stieg zunächst enorm, um die Steuerkürzungen zu kompensieren (2018) und später, um die starke und rasche Erholung der Wirtschaft nach der Pandemie einzuleiten (2020). Inzwischen gibt der Staat bereits rund 15% seiner Steuereinnahmen für die Verzinsung seiner Schulden aus – Trend steigend.
Topkreditwürdig mit einem AAA sind nur noch wenige Länder: Die Schweiz und die Niederlande, Norwegen, Schweden, Dänemark und Deutschland sowie Singapur und Australien.
Geld anlegen ist auch Vertrauenssache – Informationsveranstaltung für Privatpersonen – August 2023
Am Dienstag, 29. August 2023 findet bei uns im Lüssihof eine Informationsveranstaltung für Privatpersonen statt. Dieser Anlass richtet sich primär an Interessierte, die uns näher kennenlernen möchten. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier:
Zur Anmeldung
Zugerberg Finanz Wandertag – September 2023
Am Freitag, 1. September 2023 findet die 17. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wandertags statt. Die Route führt uns in die wunderschöne Region Beinwil / Freiamt. Gemeinsam wandern wir zur 818 Meter hoch gelegenen Horben-Hochebene, auf den Kamm des Lindenbergs, auf dessen Anhöhe man eine herrliche Rundumsicht über das Reusstal, den Zugersee bis hin zu den Ost- und Zentralschweizer Alpen geniesst.
Zuger Messe
Wir sind auch in diesem Jahr wieder an der Zuger Messe präsent und freuen uns, Sie an unserem Messesstand begrüssen zu dürfen. Die Herbstmesse findet von Samstag, 28. Oktober bis Sonntag, 5. November 2023 auf dem Stierenmarktareal in Zug statt. Weitere Informationen folgen in Kürze über unsere Webseite.