Seit weit mehr als einem Jahr wird befürchtet, dass die US-Wirtschaft sich bereits in einer Rezession befände. Davon ist sie aber bis heute weit entfernt. Denn das nominelle Sozialprodukt steigt, während der Deflator (als Folge der gefallenen Inflationsraten) überraschend stark sinkt, was das reale Bruttoinlandsprodukt anhebt. Ein sanfter Aufschwung akzentuiert sich. Aus der konjunkturellen Entwicklung, die durch die sehr restriktive Geldpolitik gedämpft wurde, nähert sich die US-Wirtschaft im kommenden Jahr wieder dem Trendwachstum.
Der Index der Verbraucherstimmung der University of Michigan stieg im vorläufigen Juli-Bericht auf 72.6 Punkte (+8.2), lag damit weit über den Konsenserwartungen und auf dem höchsten Stand seit September 2021. Sowohl die aktuelle Wirtschaftslage (+8.5 Punkte auf 77.5) als auch die Erwartungen der Konsumenten (+7.9 Punkte auf 69.4) sind gestiegen. Die Stimmung stieg in allen demografischen Gruppen mit Ausnahme von jenen mit geringem Einkommen, grösstenteils ist dies auf die Disinflation und den robusten Arbeitsmarkt zurückzuführen.
Der Arbeitsmarkt bleibt beidseits des Atlantiks die treibende volkswirtschaftliche Kraft. Verglichen mit dem Vorjahr ist z. B. das Fliegen im Sommer 2023 angenehmer. Die Wartezeiten sind kürzer. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Koffer zur richtigen Zeit an den richtigen Ort kommen, ist deutlich höher, was auf den Ausbau in der personellen und technologischen Flughafen-Logistik zurückzuführen ist. Der Abfertiger Swissport hat allein in Zürich 850 Personen eingestellt. Vor einer Woche berichtete der Flughafen, dass erstmals seit 2019 wieder mehr als 100’000 Passagiere an einem Wochenende abgefertigt wurden. Ein positives Bild vermitteln auch die Airlines. Im gesamten Dienstleistungssektor nahm die Zahl der Erwerbstätigen in den vergangenen zwölf Monaten weltweit deutlich zu. Das stützt den Konsum und letztlich die Gesamtwirtschaft.
In der vergangenen Woche kam es zu einer Reihe von Halbjahresberichten. Auch hier kam es nicht zu einem Bild einer Rezession. In den USA überzeugten vor allem die Grossbanken, allen voran JP Morgan, mit einem Quartalsgewinn von 15 Milliarden Dollar (+67% gegenüber dem Vorjahr). In Europa dürften die Banken ebenfalls gute Quartalszahlen vorlegen, obschon die vergrösserten Gewinne aus dem Zinsdifferenzgeschäft sich erst in den kommenden Quartalen richtig manifestieren werden.
Novartis (+7% in der vergangenen Woche) verspürt eine wachsende Dynamik in seinen Geschäften, bei Pharmaauftragsfertiger Lonza (-10%) entfielen insbesondere die hohen Impfstoff-Aufträge von Moderna. Die Versicherungsbranche mit Axa (+5%), Swiss Life, Swiss Re und Zurich Insurance (je +3%) erlebte eine gute Woche. Schindler (+6%), dessen Rolltreppen und Aufzüge jeden Tag durch 1.5 Milliarden Menschen in Anspruch genommen werden, gelang ein überraschend gutes Ergebnis. Dagegen nahm bei SAP (-6%) das Cloudgeschäft nicht ganz so stark zu wie erwartet.
In der laufenden Berichtssaison achten wir auch darauf, woher die Umsätze herrühren. Interessant ist insbesondere die Diversifikation auf den asiatischen Märkten. Viele Unternehmen verfügen immer noch über ein «Klumpenrisiko» China. Aus der geopolitischen Risikobetrachtung heraus bevorzugen wir dagegen Unternehmen, welche über eine Vielfalt von asiatischen Partnern und Märkten verfügen.
Global betrachtet sind und bleiben die asiatischen Märkte zweifellos die wachstumsstärksten. Aber die Unterschiede sind enorm. China steht eine schwierige Transformation von einer investitions- zu einer konsumgetriebenen Volkswirtschaft mit sinkender Erwerbsbevölkerung, wachsenden Energieproblemen und steigenden Rüstungsausgaben bevor. Die Klimaverhandlungen zwischen den USA und China zeigten in der vergangenen Woche, wie schwierig es für die beiden Supermächte ist, Fortschritte bei der Bekämpfung der globalen Erwärmung von den anderen schwierigen Themen zu trennen, welche die Beziehungen belasten.
In manchen Städten wie Xinjiang herrschten Temperaturen von über 52 Grad. Doch offiziell negiert China den heissesten Sommer seit 1800: Dies wird nicht mit dem Klimawandel in Verbindung gesetzt. Mit 32.9% Anteil emittiert China am meisten Kohlendioxid, gefolgt von den USA (12.6%), der Europäischen Union (7.3%), Indien (7.0%) und Russland (mit sagenhaft hohen 5.1% trotz einem Zwölftel der Bevölkerung im Vergleich zu Indien). Der Effort, den die chinesische Regierung in die Elektromobilität leistet, bringt nichts, solange die Elektrizität mehrheitlich aus der Kohleverstromung erzielt wird.
Im Unterschied zu China liegt in Indien das Durchschnittsalter der (wachsenden) Bevölkerung rund 12 Jahre tiefer. Privates Unternehmertum wird gefördert, ebenso die erneuerbaren Energiequellen. In Indien kostet eine Kilowattstunde Solarstrom 1.5 Rappen. Innovationskraft, boomende Immobilien- und Industrielandschaften sowie eine Vielzahl von Infrastrukturbauten prägen gegenwärtig die am stärksten wachsende Volkswirtschaft Asiens.
Die jüngsten Daten von Goldman Sachs zeigten, dass erstmals seit sechs Jahren mehr ausländisches Geld in Aktien anderer asiatischer Länder floss als in chinesische Aktien. Beispielsweise befindet sich der indische Index in einer säkularen Aufwärtsbewegung. Auch in diesem Jahr stieg er in Schweizer Franken um 4%. Die chinesischen Indizes büssten dagegen erneut viel ein (Hang Seng -10% respektive CSI300 -11%).
Geld anlegen ist auch Vertrauenssache – Informationsveranstaltung für Privatpersonen – August 2023
Am Dienstag, 29. August 2023 findet bei uns im Lüssihof eine Informationsveranstaltung für Privatpersonen statt. Dieser Anlass richtet sich primär an Interessierte, die uns näher kennenlernen möchten. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier:
Zur Anmeldung
Zugerberg Finanz Wandertag – September 2023
Am Freitag, 1. September 2023 findet die 17. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wandertags statt. Die Route führt uns in die wunderschöne Region Beinwil / Freiamt. Gemeinsam wandern wir zur 818 Meter hoch gelegenen Horben-Hochebene, auf den Kamm des Lindenbergs, auf dessen Anhöhe man eine herrliche Rundumsicht über das Reusstal, den Zugersee bis hin zu den Ost- und Zentralschweizer Alpen geniesst.
Zuger Messe
Wir sind auch in diesem Jahr wieder an der Zuger Messe präsent und freuen uns, Sie an unserem Messesstand begrüssen zu dürfen. Die Herbstmesse findet von Samstag, 28. Oktober bis Sonntag, 5. November 2023 auf dem Stierenmarktareal in Zug statt. Weitere Informationen folgen in Kürze über unsere Webseite.