In der vergangenen Woche war die wichtigste Feststellung, dass die Inflationserwartungen gefallen sind. Dies hat die Zentralbanken dazu bewegt, eine Pause einzulegen (US Federal Reserve) oder nur noch einen kleinen Zinsschritt von +0.25% vorzunehmen (Europäische Zentralbank). Das absehbare Ende der Leitzinserhöhungen geht nicht nur mit fallenden Inflationsraten einher. Wichtig ist den Zentralbanken stets, dass die Erwartungen hinsichtlich der längerfristigen Inflationsentwicklung in der Zukunft moderat sind und auch auf tiefem Niveau verankert bleiben. Der Fed-Vorsitzende unterstrich, dass sich die Kerninflation bis im vierten Quartal 2024 auf 2.7% abschwächen dürfte.
In der Messung der Konsumentenstimmung kommt den Haushaltserwartungen bei der Inflation eine entscheidende Rolle zu. Sinkende Inflationserwartungen sorgen für eine gute Stimmung. Der angespannte Arbeitsmarkt sorgt weiterhin für eine robuste Einkommensentwicklung, aber nicht mehr für eine Überhitzung. Für das kommende Jahr werden in den wesentlichen geldpolitischen Weltwirtschaftsregionen Inflationsraten von rund 2% erwartet. Diese Moderation fliesst auch in die Preis- und Lohnbildung, aber auch in die Beurteilung von Investitionen ein. Die heisse Phase hinsichtlich der Inflationsentwicklung ist vorbei, die Abkühlung spürbar und die Beruhigung sichtbar.
Auf den Aktienmärkten beruhigte sich der Volatilitätsindex. Der wichtigste Angst-Barometer bei den Aktien heisst «VIX Index». Dieser steht mit 13.9 auf einem derart tiefen Niveau wie zuletzt vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie anfangs März 2020. Damals herrschte Ruhe vor dem Sturm. Dann schoss der Barometer von 14 auf 80 hoch, um folglich nach massivsten staatlichen Eingriffen bei Werten zwischen 20 und 35 einzupendeln. Erst mit dem jüngsten Rückgang der Rezessionswahrscheinlichkeit sowie den positiven Meldungen rund um Künstliche Intelligenz und deren produktivitätssteigernden Anwendungsmöglichkeiten hat sich der VIX nochmals substanziell zurückgebildet.
Allmählich erhöht sich der Druck auf jene Anleger, die seit Monaten in Aktien untergewichtet sind und den Benchmark-Renditen hinterherlaufen. Es liegt enorm viel Liquidität brach, d. h. wer weiterhin abseits steht, dürfte unterschätzen, wie sich die Märkte entwickeln, falls sich das breite Marktsentiment aufhellt und die vorsichtigen Anleger wieder auf die Märkte zurückkehren. Mitte Jahr werden sie zur Rechenschaft gezogen, und manche liegen bereits deutlich hinter dem US-Benchmarkindex S&P 500 (+14.85% seit Jahresbeginn). Der Euro Stoxx 50 mit +15.85% liegt sogar noch etwas höher. Der deutsche DAX hat ein neues Allzeithoch erzielt, darunter auch einzelne Industrieperlen wie Mercedes-Benz (+24%) und Siemens (+26%).
Der SMI rappelte sich zuletzt auf 11’386 Punkte hoch (+6.1% seit Jahresbeginn). Einige Aktien erholten sich in der vergangenen Woche deutlich: Partners Group (+6%) und Sika (+4%). Den grössten Sprung machte jedoch Kühne+Nagel (+7%). Der Logistikkonzern legte seit Jahresbeginn bereits um 21% zu; hinzu kam eine kräftige Dividende.
Gerne läuft man Gefahr, einen bestimmten Sachverhalt zu generalisieren. So denken manche, dass die Inflation überall auf der Welt ein Problem sei. Dem ist nicht so. In der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt, in China, herrscht derzeit ein deflationäres Umfeld. Die Konsumentenpreise liegen leicht tiefer als vor einem Jahr, die Produzentenpreise sogar sehr deutlich. Weil wirtschaftliche Wachstumsraten von 4% im «Reich der Mitte» bereits als Schwäche gelten, hat die chinesische Notenbank in der vergangenen Woche den Leitzins auf 2.65% und die Eigenmittelunterlegungsvorschriften für Bankkredite gesenkt. Damit soll der schwächelnden Wirtschaft unter die Arme gegriffen werden, damit das Wachstum wieder auf den Trendpfad von rund 5% zurückfindet. Unterschiedlich ist auch die Kommunikation der Gewerkschaften. Der Deutsche Gewerkschaftsbund warnte vor weiteren Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB). Das bremse die Nachfrage und die Wirtschaft aus. Tatsächlich besteht bei der EZB die Gefahr, die Zinsschraube zu überdrehen und die wichtigste Volkswirtschaft in der Eurozone (Deutschland) in eine Rezession zu lenken. Gegenüber den Arbeitgebern fordern dagegen die Gewerkschaften bis zu zweistellige Lohnerhöhungen, was die Wirtschaft viel stärker ausbremsen würde, käme man diesen Forderungen nach. Unterschiedlich bleiben auch die Einschätzungen des volkswirtschaftlichen Wachstumspotenzials. Herkömmliche Methoden beziehen sich vorwiegend auf klassische Inputgrössen wie die Erwerbsbevölkerung. Entscheidend dürfte jedoch der technologische Fortschritt sein. Der ist nicht gleichwertig über die Welt verteilt. Der rapide Fortschritt in den Informations- und Kommunikationstechnologien umfasst Textroboter wie ChatGPT oder Bard, Bildgeneratoren wie Stable Diffusion und andere Programme der sogenannt generativen Künstlichen Intelligenz (GenAI). Sie erbringen ein signifikantes zusätzliches Wachstum der Produktivität. Das geht aus einer Studie der volkswirtschaftlichen Denkfabrik von McKinsey & Company hervor. Demnach könnten GenAI-Technologien einen jährlichen Produktivitätszuwachs von 2.4 bis 4.1 Billionen Franken ermöglichen. Dabei hat die Finanzbranche nach der Hochtechnologie das zweitgrösste Produktivitätspotenzial. Es ist keineswegs schlimm, über eine alternde Bevölkerung zu verfügen, sofern man in allen Facetten einer modernen Volkswirtschaft das technologische Produktivitätspotenzial vor allem in den Bereichen Kundenservice, Marketing und Vertrieb, Softwareentwicklung sowie Forschung und Entwicklung zu nutzen weiss.
Zugerberg Finanz Marktupdate «Zinsen 2023 – wohin geht der Trend?»
Datum: Di., 27. Juni 2023 Zeit: 08.00 Uhr (25 Minuten mit Q&A) Sprache: Deutsch Medium: Online-Event via Zoom
Zur Anmeldung
Geld anlegen ist auch Vertrauenssache – Informationsveranstaltung für Privatpersonen – August 2023
Am Dienstag, 29. August 2023 findet bei uns im Lüssihof eine Informationsveranstaltung für Privatpersonen statt.
Dieser Anlass richtet sich primär an Interessierte, die uns näher kennenlernen möchten. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier:
Zugerberg Finanz Wandertag – September 2023
Am Freitag, 1. September 2023 findet die 17. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wandertags statt. Merken Sie sich das Datum bereits vor.
Ob Gross oder Klein, mit Freunden oder Freundinnen, als Gruppe oder alleine unterwegs – die Zugerberg Finanz Wandertage sollen für alle ein Erlebnis sein. Wir freuen uns darauf, mit Ihnen zu diskutieren, fachsimpeln, ungezwungen zu plaudern oder einfach zu philosophieren.
Weitere Details und die Möglichkeit zur Anmeldung werden zu einem späteren Zeitpunkt über den Veranstaltungsbereich unserer Webseite abrufbar sein.