Seit Anfang Juni schwanken die Aktien richtungslos hin und her. Zunächst legte der Swiss Market Index (SMI) zu Monatsbeginn zu, büsste dann letzte Woche jedoch 1.7% ein und liegt mit 11’254 Punkten aktuell nur noch 0.4% höher als zu Monatsbeginn. In Europa, in Nordamerika wie auch in Asien war die Aufwärtsbewegung bei den Aktien stärker. Aber wenn die Schwergewichte Nestlé (-1% seit Monatsbeginn) und Roche (-2%) den SMI belasten, bleibt unter dem Strich wenig. Immerhin konnte der Genfer Warenprüfkonzern SGS als Weltmarktleader um 4% zuzulegen. Beinahe so stark legte auch Novartis zu, dessen Abspaltung von Sandoz planmässig vorangeht.
Der Generika-Hersteller Sandoz hat am Kapitalmarkttag mit ambitionierten Zielen um die Gunst der Investoren geworben. Novartis-Aktionäre werden im Rahmen des Spin-offs neue Sandoz-Aktien erhalten. Generika machen beispielsweise in den USA 90% aller verkauften verschreibungspflichtigen Medikamente aus, aber nur 3% des Umsatzes. Es handelt sich um Kopien von Originalpräparaten, welche den Patentschutz verloren haben. Da gibt es stets Preisdruck, was auch im ersten Quartal 2023 deutlich spürbar war. Sandoz verkaufte 15% mehr Medikamente, aber zu 7% tieferen Preisen. Das Resultat war ein Wachstum von 8% in Lokalwährungen.
Seit Monatsbeginn legten aus verschiedenen Gründen die Aktienkurse von Schindler, ALSO und Cembra Money Bank um rund 4% zu. Anderseits gerieten drei Highflyer im bisherigen Jahresverlauf wie der Energiekonzern BKW (-12%), der Broker Swissquote (-7%) und der Logistikkonzern Kühne+Nagel (-6% seit Monatsbeginn) unter Druck. Durch die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS rückt heute Kühne+Nagel in den SMI auf.
Im internationalen Tableau legte der Baumaterialleader Saint Gobain (+8%) zu, der eine operative Marge zwischen 9% und 11% im Jahr 2023 anstrebt. Im ersten Halbjahr dürfte die Marge zweistellig werden, liess Saint Gobain verlauten. Einer der grössten Anbieter von Alternativen Anlagen, KKR (+7%), legte stark zu, weil er an der weltweit grössten Investorenkonferenz «SuperReturn» in Berlin mit Zuversicht zu gefallen wusste.
Auch Mercedes-Benz (+4%) imponierte, denn in Sachen hochautomatisiertes Autofahren hat der deutsche Konzern den kalifornischen Tesla-Konzern überholt. Der regulierungsfreudige und zugleich in vielerlei Hinsicht wegweisende Bundesstaat Kalifornien erteilte mit Mercedes-Benz erstmals einem Automobilunternehmen die Lizenz für ein «Level-3» System. Damit können Fahrer das Selbststeuerungselement «Drive Pilot» auf ausgewählten Autobahnabschnitten und bis maximal 60 Kilometer pro Stunde einsetzen. Der Fahrer muss wieder eingreifen, wenn er dazu aufgefordert wird. Das macht das Autofahren im chronisch von Stau geprägten Kalifornien deutlich angenehmer und sicherer. Der Autobesitzer bezahlt für das Freischalten dieser zusätzlichen Leistung eine jährliche Gebühr. Die Stuttgarter konzentrieren sich mit ihrem System vorderhand bewusst auf stauanfällige Regionen und Bundesstaaten.
In der vergangenen Woche gab es gleich zwei spezielle Fälle, in denen Analystenberichte für Schwankungen sorgten. Der eine betraf den Berner Energiekonzern BKW. Das Unternehmen ist bestens aufgestellt, zählt aber mit einer Marktkapitalisierung von 8 bis 9 Milliarden Franken zu den eher wenig beachteten Unternehmen. Nur gerade eine Handvoll Analysten decken den Titel ab. Der Kurs fiel am vergangenen Dienstag in der Spitze um 14.4%, erholte sich später etwas und schloss die Woche mit einem Kursverlust von 10.7% ab.
Auslöser war ein einzelner Analysebericht der UBS, welcher seine Empfehlung von «Kaufen» auf «Verkaufen» herabstufte, weil die Preisdifferenzen (Spreads) an den Energiemärkten abnehmen würden, von denen BKW im vergangenen Jahr stark profitierte. Der CEO von BKW entgegnete, dass es «aktuell keinen Grund» gäbe, von der Guidance für das laufende Jahr abzuweichen. Eher erwartete man ein Ergebnis am oberen Ende der Guidance, da dieser eher konservative Annahmen unterlegt seien. Auch die aktuell tieferen Strompreise beeinflussten das Ergebnis nicht, weil BKW die Preise drei Jahre im Voraus absichere.
Das Beispiel zeigt, was noch ausgeprägter auf uns zukommen wird. Die UBS als dominierende Bank wird mit ihrer «Hausmeinung» stärker denn je das Kursniveau einer Aktie beeinflussen können, insbesondere bei Aktien, die international kaum Beachtung finden. 11’550 Mitarbeitende arbeiten für die BKW. Ein einzelner Analysebericht liess den Aktienwert innert 45 Minuten um eine Milliarde Franken fallen.
Ein anderer Spezialfall betraf die Deutsche Telekom. Am Nachmittag des 2. Juni liess die kleine US-Telekomfirma Dish über Bloomberg streuen, sie verhandle mit Amazon über eine Kooperation im Mobilfunkgeschäft, was die Aktie unmittelbar 17% höher schiessen liess. Dish wurde nach einem Kursverlust von 86% innert zwei Jahren kürzlich aus dem S&P 500 Index eliminiert und schlittert der Insolvenz entgegen. Die Deutsche Telekom Tochter T-Mobile teilte mit, Amazon sei ein wichtiger Partner des Unternehmens. Amazon bestätigte dies und liess die Analysten wissen, dass es keinen Austausch mit Dish gäbe. Ähnliche Aussagen kamen von Verizon. Doch die Anleger blieben aufgeschreckt.
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Juni 2023
Am Donnerstag, 15. Juni 2023 und Dienstag, 20. Juni 2023 findet im Theater Casino in Zug sowie im KKL in Luzern die 31. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt.
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Zur Anmeldung
Zugerberg Finanz Marktupdate – 06/2023 «Zinsen 2023 – wohin geht der Trend?»
Datum: Di., 27. Juni 2023 Zeit: 08.00 Uhr (25 Minuten mit Q&A) Sprache: Deutsch Medium: Online-Event via Zoom
Geld anlegen ist auch Vertrauenssache – Informationsveranstaltung für Privatpersonen – August 2023
Am Dienstag, 29. August 2023 findet bei uns im Lüssihof eine Informationsveranstaltung für Privatpersonen statt. Dieser Anlass richtet sich primär an Interessierte, die uns näher kennenlernen möchten. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier: