In der vergangenen Woche legten viele Aktienmärkte etwas zu, obschon es unsicher bleibt, ob der Zahlungsausfall in den USA hinausgeschoben werden kann. Jedenfalls soll es Wege geben, um die Schuldenobergrenze wenigstens kurzfristig zu erhöhen. Das stärkte den Dollar und liess den Goldpreis klar unter 2’000 Dollar je Feinunze fallen. Positive Signale gab es auch in Europa, was den deutschen Aktienindex DAX sein Allzeithoch erklimmen liess. Die Erzeugerpreise verzeichneten in Deutschland den kleinsten Anstieg seit zwei Jahren und der industrielle Auftragsstau verkürzte sich dank wieder besser funktionierender Lieferketten. Für den Rückgang sorgte insbesondere die Autobranche: Bei den Herstellern sanken die Bestände im März um 2.5% im Vergleich zum Vormonat. Die Branche kämpfte lange Zeit mit Materialengpässen, etwa bei Halbleitern. Mit der besseren Versorgung können die Bestellungen nun schneller abgearbeitet werden. Von der wiedererweckten Risikofreude der Anleger profitierten die Autobauer wie Mercedes-Benz. Der Swiss Market Index (SMI) blieb mit 11’571 Punkte praktisch stabil, doch vereinzelte Werte legten in der vergangenen Woche spürbar zu, u. a. Holcim, Swiss Re, ABB, Alcon und Sika je knapp +3%, während Schwergewichte wie Nestlé (-1%) und Novartis (-2%) Einbussen erlitten. Ein neues Allzeithoch gab es für die BKW-Aktien. Der SMI ist ein toller Index, doch fehlen ihm im Vergleich zu amerikanischen Indizes und zum Weltaktienindex MSCI World gewisse Branchen. Die Automobilindustrie ist ebenso wenig vertreten wie die Technologiebranche. Auch hinsichtlich der erneuerbaren Energien hat der SMI nichts anzubieten. Deshalb sind wir trotz dem «Heimatfokus» auf eine Diversifikation mit ausländischen Werten angewiesen. Dabei suchen wir jene aus, die über eine marktführende Stellung verfügen, stabile Cash-Flows aufweisen und vernünftig bewertet sind. Umso mehr erfreut uns, dass es in der vergangenen Woche gleich für drei solcher Aktien Jahreshöchstkurse zu verzeichnen gab: für Apple sowie für Alphabet / Google, was auf deren Marktstellung hinsichtlich der Künstlichen Intelligenz (KI) zurückzuführen war, sowie für SAP. Der deutsche Softwarekonzern kündigte an, Aktien im Umfang von fünf Milliarden Euro zurückzukaufen, und hob seine mittelfristigen Ziele an. Im Detail erwartet Europas grösste Softwarefirma bis 2025 ein Wachstum der Cloud-Erlöse von durchschnittlich mehr als 23% und letztlich ein beschleunigtes Wachstum von Umsatz und Betriebsergebnis. Dabei unterliess auch in diesem Fall das Management nicht, dass sie vor allem drei Trends für sich nutzen will: KI, Vernetzung und Nachhaltigkeit. SAP habe bereits 130 KI-Szenarien in die Programme integriert. Dazu gehört beispielsweise auch maschinelles Lernen und sich selbst verbesserndes Forderungsmanagement. Einen weiteren Schwerpunkt der künftigen Strategie sehe man in der Vernetzung von Lieferketten sowie in der Generierung einer Umweltbuchhaltung, um die CO2 Emissionen quasi per Knopfdruck über alle Geschäftsprozesse und Wertschöpfungsketten hinweg ständig im Blick zu halten.
In der Schweiz lohnt sich der Blick nach Norden, um eine wirtschaftliche Einschätzung machen zu können. Schliesslich ist Deutschland der wichtigste Handelspartner. Vielleicht ist man ja nicht stets mit der Schweizer Politik zufrieden, aber wir glauben, dass es nur wenige gibt, welche diese mit der Vertretung in Berlin austauschen möchten. Deshalb fokussieren wir hier den Blick auf die wirtschaftlichen Entwicklungen.
Die jüngsten harten Wirtschaftsdaten haben in Deutschland – vor allem im verarbeitenden Gewerbe – nach unten überrascht. Nach einem schwachen ersten Quartal sehen wir jedoch Gründe für vorsichtigen Optimismus in zwei Bereichen. Chinas Entwicklung nach der Wiedereröffnung deutet darauf hin, dass die anhaltende Erholung in Asien die deutsche Industriekonjunktur unterstützt. Zudem gibt es auch Hinweise darauf, dass ein Teil der jüngsten Auftragsschwäche auf einen Rückgang der Vorratsbestände der Unternehmen zurückzuführen ist, da sich die Lieferketten weiter erholen. Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, dürften sich die Aussichten sowohl für die Produktion als auch für die Aufträge wieder aufhellen.
Der Konsum in Deutschland blieb zuletzt stabil. Die nominalen Umsätze hielten sich gut. Die Bilanzen der privaten Haushalte sind ebenfalls in solider Verfassung. In Anbetracht der nachlassenden Inflation und des kräftigen Lohnwachstums bleibt der Konsumausblick positiv. Wir halten daher an einer weitgehend konstruktiven Einschätzung der Aussichten für die deutsche Wirtschaft fest, von der die Schweizer Volkswirtschaft unmittelbar profitieren wird.
Gespannt sind wir allerdings, wie sich das deutsche Energie-Effizienzgesetz auswirken wird. Der Chef des Münchner Ifo Instituts betrachtet es als einen potenziellen «Wachstumskiller». «Anders als sein Name es nahelegt, regelt es nicht die Energieeffizienz, es deckelt den gesamten Energieverbrauch des Landes», schrieb er. Der End-Energieverbrauch solle bis 2030 um rund 22% gegenüber dem aktuellen Niveau sinken. Wenn die Energieeffizienz sich künftig so entwickle wie bisher, erfordere dieses Ziel, dass die Wirtschaft um 14% schrumpfe. Wenn die Wirtschaft in Zukunft aber wie bisher erwartet wachsen solle, müsse die Energieeffizienz künftig dramatisch steigen – dreimal so schnell wie in den vergangenen Jahren.
Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Juni 2023
Am Donnerstag, 15. Juni 2023 und Dienstag, 20. Juni 2023 findet im Theater Casino in Zug sowie im KKL in Luzern die 31. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt.
Durch das Programm führen Timo Dainese, Gründer und geschäftsführender Partner sowie Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom und geschäftsführender Partner der Zugerberg Finanz.
Als diesmaliger Gastreferent nimmt uns Prof. em. Dr. rer. nat. Lutz Jäncke vom Institut für Neurowissenschaften der Universität Zürich auf eine faszinierende Reise mit und zeigt uns auf verständliche und unterhaltsame Weise, wie das Hirn unser Denken, Handeln und Fühlen beeinflusst – und dass dies manchmal nur am Rande mit Vernunft zu tun hat.
Die Informationsveranstaltung wird an zwei Terminen im Theater Casino (Zug) sowie an einem Termin im KKL (Luzern) durchgeführt.
Theater Casino Zug
KKL Luzern
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