In der Schweiz verfestigt sich der Ausblick, dass die Leitzinsen von 1.0% auf 1.5% erhöht werden. Unklar bleibt, ob dies in einem Schritt (23. März) oder in zwei Schritten (März und Juni) erfolgen wird.
Deutlich unklarer bleibt das Bild in den USA. Vertreter der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) betonten jüngst die Notwendigkeit, die Zinssätze weiter anzuheben und verwiesen auf die Möglichkeit, dass die Kreditkosten angesichts des anhaltenden Preisdrucks einen höheren Höchststand erreichen könnten als bisher erwartet. Einige wetten darauf, dass der Höchststand nach dem jüngsten Beschäftigungsbericht des Monats Januar bei 6% liegen könnte. Derzeit liegt die Marktmeinung bei 5.2%. Die Wetten auf eine aggressivere Fed haben sich verfestigt, seit ein viel stärker als erwarteter Beschäftigungsbericht zeigte, dass die Arbeitgeber im Januar mehr als eine halbe Million neue Arbeitsplätze geschaffen haben, während die Arbeitslosigkeit auf 3.4% fiel – den niedrigsten Stand seit 1969.
Umgekehrt zeigt sich, dass die Löhne in den letzten drei Monaten in den USA lediglich noch mit einer Wachstumsrate von 3.5% zulegten. Das ist eine Grössenordnung, die – wenn man die Produktivitätssteigerung von 1.5% in Betracht zieht – stimmig ist mit dem langfristigen Inflationsziel der Fed von rund 2%. Auch weitere kurzfristige Werte haben sich annualisiert zuletzt dem Niveau der Preisstabilität angenähert. Der Fed-Chairman Jerome Powell stellte denn auch in seiner jüngsten Rede eine nachlassende Preisaufwärtsdynamik in den USA fest. Wohnen (Hauspreise), Nahrungsmittel und Energie sorgen dafür, dass die Inflationsraten fallen.
Mindestens so interessant ist auch die globale Energiepreisentwicklung. Wer glaubt, die Weltwirtschaft sei von russischem Öl und Gas abhängig, kann sich täuschen. Dazu gehört auch der Kreml. Der jüngste Beschluss, die Ölförderung zu reduzieren, zeigte keine signifikanten Auswirkungen. Der Ölpreis liegt noch immer 8% tiefer als vor einem Quartal. Der russische Weltmarktanteil entspricht etwa der Hälfte des Effekts aus Energiesparmassnahmen und mildem Winter (-15%). Doch selbst in diesen Wochen, als die Kälte und der Schnee in die Alpen sowie China auf den Wachstumspfad zurückgekehrt sind, blieben die Preise von Rohöl, Heizöl, Gas und Strom niedrig und sorgten für einen anhaltenden Trend zur Disinflation.
Die vergangene Woche beendete der Swiss Market Index mit 11’130 Punkten (+3.7% seit Jahresbeginn, -1.4% im Februar). Zum Wochenschluss sind dunkle Wolken über Europas Aktienmärkte aufgezogen. Schwache Vorgaben von der Wall Street vermiesten den Anlegern die Laune. Dabei ging es realwirtschaftlich aufwärts, auch in unmittelbarer Nähe. Italien (insbesondere Norditalien) produzierte im Dezember 1.6% mehr. Erwartet war eine Stagnation. Italiens Börse liegt 15% im Plus, diejenige Spaniens 11%. Der Süden Europas blickt zuversichtlich auf das Jahr 2023.
Werden wir bald bingen statt googeln? Der Chatroboter Chat GPT sorgt für Furore. Microsoft (+10% seit Jahresbeginn) hat den Chatroboter in seine Suchmaschine Bing integriert. Bei Google (+7%) wird befürchtet, dass ein Teil der Informationsbeschaffung Richtung Microsoft abwandert. Dabei verfügt Google mit Bard über einen hauseigenen Chatroboter, der in wenigen Wochen ebenfalls verfügbar gemacht werden soll.
Googeln ist beliebt. Die Suchmaschine «google.com» verfügt in den meisten relevanten Ländern über einen Marktanteil von 90% oder mehr. Microsofts «bing.com» bekommt gerade 1.25% der Besuche wie Googles 88.3 Milliarden Visits allein im letzten Monat. Nun ist es zu einer Reihe von Ankündigungen rund um Künstliche Intelligenz («Artificial Intelligence», kurz AI) gekommen. Dabei kam es zu einem Schlagabtausch zwischen Google und Microsoft, welche auf einer neuen Version der Suchmaschine Bing und dem Internetbrowser Edge die ChatGPT Software, die von Open AI entwickelt wurde, integriert.
Das neue Bing ist zunächst nur für eine begrenzte Anzahl von Nutzern verfügbar. Dafür ist eine Anmeldung mit dem Microsoft-Konto notwendig. Allerdings gibt es eine Warteliste, sodass Tester erst auf die Freischaltung warten müssen. Wer Gewinner und wer Verlierer in diesem Geschäft sein wird, lässt sich heute kaum abschätzen. Und ein etwaiger Startvorteil muss nicht viel bedeuten. Yahoo war schon auf dem Markt, als Google seine Erfolgsstory startete. Die brachiale Gewalt von mehr Rechenpower und Daten ist nicht zu unterschätzen.
Von Chatrobotern lassen sich kurze Fragen beantworten wie auch ganze Gedichte und Bücher schreiben. Auch Anlagekommentare. Fortan gilt es möglicherweise unter unseren Text zu beschwören: «Der hier vorliegende Kommentar der Zugerberg Finanz ist ohne Mithilfe eines Chatroboters entstanden.»
Dazu mag man schmunzeln. Doch der raffinierte Einsatz von künstlicher Intelligenz hat nebst einer innovativen Seite wohl auch eine beängstigende Komponente. Der smarte Nachrichtenfluss wird immer mehr durch künstliche Intelligenz erzeugt, mit allen möglichen Filtern. Was jedoch nach wie vor nicht einfach modelliert werden kann, ist der gesunde Menschenverstand.
Zugerberg Finanz Marktupdate Mittwoch, 8. März 2023 08.00 Uhr – ca. 08.30 Uhr
«Zinsen 2023 – wohin geht der Trend?»
Im aktuellen Jahr hält die Unsicherheit über das Vorgehen der Zentralbanken an. Die unterschiedlichen Treiber der Inflation führten bislang auch zu einem unterschiedlichen Vorgehen dies- und jenseits des Atlantiks. Wir betrachten dies als eine interessante Positionierungschance. Wir beleuchten in unserem Marktupdate die aktuellen Markteinschätzungen und schildern danach unsere Folgerungen bei den verzinslichen Wertpapieren.
Sprache: Deutsch Medium: Online-Event via Zoom
Die Anmeldung wird in Kürze über den Veranstaltungsbereich unserer Webseite möglich sein.
Zugerberg Finanz Wirtschaftsworkshops für Jugendliche – März 2023
Jugendliche begeistern und motivieren! Am Samstag, 11. März 2023 sowie Samstag, 18. März 2023 veranstalten wir unter den Titeln «Faszination Wirtschaft» und «Faszination Börse & Kapitalmärkte» zwei Tagesworkshops für Jugendliche. Die Tagesworkshops, die einzeln besucht werden können, richten sich an Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. Den Jugendlichen wird die Möglichkeit geboten, auf anschauliche Art und Weise den Wirtschaftsthemen näher zu kommen.
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