In den industrialisierten Ländern befinden sich die Volkswirtschaften auf Kurs. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2023 zwar unter dem Trend bleiben, aber dennoch um 2.2% zulegen wird. Das ist deutlich weniger als im Jahr 2022 (3.1%). Im Jahr 2024 soll sich das Wachstum mit 2.7% wieder seinem langfristigen Trend nähern.
Die erwünschte Abkühlung der US-Wirtschaft ist im Gang. Die Finanzierungsbedingungen haben sich durch eine Vielzahl von Faktoren deutlich verschärft, was die Investitionstätigkeiten dämpft, aber nicht gleich in eine Rezession führt. Doch mit den gegenwärtigen Inflationswerten, die schon seit vier Monaten leicht sinkend sind, kann die US-Zentralbank nicht zufrieden sein.
Das Erntedankfest («Thanksgiving») läutete die vorweihnachtliche Phase ein. Sie dürfte gemäss den Beobachtungen des letzten Wochenendes von weniger Euphorie getragen sein wie vor Jahresfrist. Allerdings fielen diverse Preise (u. a. das Benzin, Occasionsfahrzeuge) wieder derart stark, dass sich die USA insgesamt durch eine robuste Konsumfreude auszeichnet. Auch bei den Wohnungsmieten und bei der Lohnentwicklung zeichnet sich eine verlangsamte Dynamik ab.
Auf einem soliden Pfad liegen die südeuropäischen Länder, deren Wachstum etwas über jenem von Deutschland liegt. Doch auch da stieg der Einkaufsmanagerindex von S&P Global im November auf 46.4 (+1.3). Positiv überraschte auch der ifo-Geschäftsklimaindex über alle Wirtschaftsbranchen hinweg. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer stieg um 1.8 Punkte gegenüber dem Vormonat auf 86.3 Zähler. Der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate liess deutlich nach. Auch die industrielle Produktion bleibt auf hohem Niveau, so dass mit einem ausgeglichenen Bruttoinlandprodukt im vierten Quartal gerechnet werden kann. Die Rezession ist vorerst mal vertagt, denn die privaten Konsumausgaben haben sich auf niedrigerem Niveau stabilisiert.
Im Dienstleistungssektor sorgt der Arbeitskräftemangel nicht zwingend für höhere Tarifabschlüsse. Vermehrt sind aber neue Arbeitszeitmodelle zu beobachten. Das gilt insbesondere für anspruchsvolle Tätigkeiten mit Schichtbetrieb, denn gerade in der jüngeren Generation spielt immer öfter die Work-Life-Balance eine massgebliche Rolle.
Der Weltwirtschaft geht es derzeit besser als noch vor kurzem erwartet wurde. Die Materialverfügbarkeit verbesserte sich und die Lieferzeiten verkürzten sich. Die Zeit der superhohen Frachtraten vorbei ist. Die Spotraten, also der Preis für die kurzfristige Buchung von Containern, sind zusammengesackt. Für die Route Schanghai–Rotterdam gibt uns Bloomberg aktuell eine Rate von 2’192 Dollar pro Container an. Diese liegt somit 84% tiefer als im Januar 2022. Damals kostete dieselbe Route noch 14’000 Dollar. Die Reeder bleiben jedoch zuversichtlich und geben zahlreiche Neubestellungen für moderne Containerschiffe in Auftrag, denn das weltweite Ladungsaufkommen dürfte in den kommenden Jahren nochmals deutlich steigen.
Die gute Nachricht ist, dass die europäischen Aktien- und Anleihensmärkte in den vergangenen Wochen technisch betrachtet einen soliden Boden gebildet haben. Innereuropäisch verschoben sich allerdings die Gewichte. Die französische Börse ist nun grösser als die britische Börse. Zwar sind da die «Big Oils» wie Shell, doch wegen der Transformation zu einer CO2-armen Energieerzeugung stehen sie unter Druck. Trotz der britischen Schwergewichte aus der Energie- und Rohstoffbranche sowie Grossbanken, Versicherer und Ikonen wie Unilever, hat Paris erstmals in seiner Geschichte London vom Thron der wertvollsten Börse Europas gestossen.
In Paris sorgen seit mehr als 200 Jahren Luxusartikel für globale Aufmerksamkeit. Die Wurzeln reichen zurück bis in das prunkvolle 17. Jahrhundert des «Sonnenkönigs» Ludwig XIV. Wichtig war damals sein Finanzminister Jean-Baptiste Colbert, der die Staatskassen durch einen Exportüberschuss füllen wollte. Die Innovationskraft erlahmte nie, und die Lust auf das Edle und Feine scheint weiterhin ungebremst. So konnten Giganten wie der Weltmarktführer für Luxusgüter LVMH, der Kosmetikriese L’Oréal (20% davon gehören Nestlé) und der Lederwarenspezialist Hermès sowie Kering (Gucci) heranreifen.
Frankreichs Börse steht gut da. Attraktive Versicherungen und Banken, interessante Energie- und Stahlkonzerne sowie herausragende Versorger wie Veolia und Vinci ergänzen das Tableau. Auch in der Schweiz kann sich die Börse sehen lassen. In der vergangenen Woche ging es weiter aufwärts. Der Swiss Market Index beendete die Woche bei 11’168 Punkten, auf dem höchsten Niveau seit Mitte August. Zwar liegt er immer noch 13.3% unter dem Jahresbeginn, aber hinsichtlich der Zukunft beginnt die Stimmung sich zu verbessern.
Die wirtschaftliche Stagnation im Winter 2022/23 ist längst eingepreist. Die Krise wird wohl milder als befürchtet. Es scheint – seit Quartalsbeginn (+20% beim Euro Stoxx 50) – nicht nur ein Bärenmarktrallye zu sein. Beeindruckend ist die Breite des Aufschwungs (Deutschland, Italien, Frankreich, Niederlande, Schweden) und dessen Tiefe (alle Branchen liegen im Plus). An den Kapitalmärkten ist eine breit gefasste Umorientierung im Gang.
Zugerberg Finanz Marktupdate für Institutionelle Anleger – Dezember 2022
Thema: «Decarbonization Infrastructure Debt» (Update) Datum: Donnerstag, 1. Dezember 2022 Zeit: 08.00 Uhr (25 Minuten mit Q&A) Sprache: Deutsch Medium: Online-Event via Zoom
Zur Anmeldung
Exklusive Kundenaktion – jetzt profitieren!
Alle bestehenden sowie alle neuen Zugerberg Finanz Kundinnen und Kunden, welche in der Zeit ab dem 1. Oktober bis spätestens 31. Dezember 2022 einen Betrag von mindestens CHF 10’000.– auf ein von uns verwaltetes Konto überweisen, erhalten als Prämie eine gute Flasche Wein oder eine alkoholfreie Alternative.
Gültig für folgende Mandate:
Der Versand der Prämie erfolgt monatlich, erstmals am 15. November 2022 für die Einzahlungen ab 1. Oktober 2022.
Weitere Informationen finden Sie hier.