Der europäische Leitindex Stoxx Europe 600, der zu etwas mehr als 15% aus Schweizer Aktien besteht, hat durch seine Aufwärtsrichtung in den letzten Wochen positiv überrascht. Die jüngsten Aufwärtsbewegungen wurden von der globalen Logistikdienstleitergruppe Deutsche Post / DHL (+7% seit Monatsbeginn), vom weltweit grössten Versicherer Axa (+4%) und von den Energiedienstleistern RWE, Engie und BKW (je rund +3%) angeführt. Ermutigende Unternehmensberichte geben den Börsen Auftrieb.
Weil die Umsatzerwartungen erfüllt respektive grösstenteils übertroffen wurden, führte dies zu einer gewissen Erleichterung bei den Börsianern. Tatsächlich war die jüngste Rallye von steigenden Aktienkorrelationen und sinkender Volatilität geprägt. Zudem liegt der Einkaufsmanagerindex der US-Industrie mit 52.8 Punkten weiterhin in einer starken Wachstumsphase. Der deutsche Export hat soeben ein Rekordvolumen erreicht. Und schliesslich erscheint ein dauerhaftes Hochinflationsszenario immer unwahrscheinlicher.
Während sich die Umsätze tendenziell mit der Inflation aufwärts bewegen, entwickelt sich der Ertragsbezug durch die Auswirkungen auf die Gewinnspannen leicht gedämpft. Aber eine leicht geringere Marge bei einem stolzen Umsatzplus sorgt in absoluten Zahlen für einen höheren Gewinn. Deshalb hat sich die Stimmung auf den Aktienmärkten zuletzt ins Positive entwickelt. Denn die Aktien folgen langfristig ihrem Gewinnpfad und eignen sich deshalb als wertvolle Absicherung gegen Inflation.
Die Deutsche Post machte einen Umsatzsprung im zweiten Quartal von +23%. Der operative Gewinn (EBIT) kletterte um 12%. Die Jahresziele für 2022 würden auch im Fall einer weltwirtschaftlichen Abkühlung erreicht, prognostizierte die Finanzchefin Melanie Kreis letzte Woche. Die DP / DHL Gruppe macht längst den Löwenanteil ihres Geschäfts abseits von Deutschland. Sie mauserte sich in den letzten Jahren zu einem erfolgreichen globalen Logistikunternehmen, das nicht nur Brief- und Paketversand, sondern inzwischen ganze Lieferkettenmanagement- und eCommerce-Lösungen anbietet. Das ist insofern bedeutsam, weil logistische Herausforderungen den Kern der weltweiten Wertschöpfungsketten prägen und führende Logistikunternehmen intelligente Lagermanagementlösungen inklusive Sicherheitspuffer anbieten können.
Axa hat mit dem Halbjahresbericht die Erwartungen ebenfalls übertroffen. Das zugrundeliegende organische Volumen wuchs im ersten Halbjahr um 7% und der Gewinn pro Aktie – dank dem Aktienrückkaufsprogramm – um 11%. Nach der exzellenten Berichterstattung haben die meisten Analysten ihre Aktienkursprognosen erhöht.
Bei RWE trägt die strategische Transformation ebenfalls ihre Früchte. Das Unternehmen verfügt über eine Kapazität von rund 10 Gigawatt durch erneuerbare Energien und ist für den Pfad der Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bestens positioniert.
Südeuropas Volkswirtschaften wachsen auch im dritten Quartal überdurchschnittlich, doch das überrascht angesichts der Touristenströme und der über Erwarten hohen Industrieproduktion kaum. Überraschend stark bleibt auch die überhitzte US-Wirtschaft. Noch vor kurzem wurde darüber philosophiert, ob es durch die Leitzinserhöhungen zu einer Rezession kommen wird.
Die US-Finanzministerin Janet Yellen sagte kürzlich, dass «unsere Wirtschaft trotz steigender Inflation und der Sorge vor einer Rezession widerstandsfähig bleibt. Die meisten Ökonomen haben eine ähnliche Definition von Rezession – erhebliche Arbeitsplatzverluste und Massenentlassungen.» Davon sind die USA meilenweit entfernt.
Der Arbeitsmarktreport vom vergangenen Freitagnachmittag bewies einmal mehr, dass die krisenresistente US-Wirtschaft sich nicht auf dem Pfad in eine Rezession befindet. Im Juli wurden ausserhalb der Landwirtschaft 528’000 Arbeitsplätze geschaffen. Vorherige Werte für die Monate April und Mai wurden nach oben korrigiert, was die Arbeitslosenquote auf den niedrigsten Stand seit 1969 geführt hat. Das ist ein starkes Signal vom Arbeitsmarkt, sorgt für höhere Haushaltseinkommen und damit auch Mehrkonsum. Weil die Benzinpreise massiv gefallen sind, kann bereits im August wesentlich mehr für nicht energiebezogene Güter und Dienstleistungen ausgegeben werden.
Dazu kommt die Entwicklung der Stundenlöhne, die unverändert 5.2% höher als im Vorjahr liegen. Dabei muss man wissen, dass Wirtschaftsdaten nie präzise sind. Statistiken werden häufig revidiert. Die grossen Volkswirtschaften haben sich fast immer besser entwickelt als zunächst gemeldet. Seit Anfang 2021 waren fast zwei Drittel der wachstumsbezogenen Datenrevisionen in Deutschland positiv; in den USA werden fast 63% der Daten positiv revidiert.
Ein Grund dafür ist, dass Pessimisten ihre Datenerhebungsformulare früh einschicken, während diejenigen, die vollbeschäftigt sind und denen es gut geht, sich Zeit lassen. Medien lieben Neuigkeiten, berichten deshalb gleich über die ersten Datenerhebungen und warten nicht die Vollständigkeit ab. Das führt aber an den Märkten häufig zu einer Konzentration auf falsche Daten, nur weil sie neu sind. Denn den späteren Revisionen wird nicht mehr die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt.
Zugerberg Finanz Wandertag – September 2022
Am Freitag, 2. September 2022 (Verschiebedatum Freitag, 16. September 2022) findet die 15. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wandertags statt. Die Route führt uns ausgehend von Arth-Goldau, wo wir die Rigibahn besteigen, nach Rigi Klösterli.
Von hier aus startet die Wanderung nach Rigi Staffel und über das Chänzeli wieder zurück nach Rigi Klösterli. Den krönenden Abschluss bildet ein Apéro im Garten des Lüssihofs.
Die Gesamtlänge der Wanderung beträgt rund 12 Kilometer mit einer reinen Wanderzeit von ca. 3½ Stunden. Sie ist aufgrund des teilweise steilen Aufstiegs nur für geübte Wanderer mit entsprechender Kondition und Ausdauer zu empfehlen.
Zur Anmeldung
Zugerberg Finanz Marktupdate für Institutionelle Anleger – September 2022
Thema: «Decarbonization Infrastructure Debt» Datum: Dienstag, 6. September 2022 Zeit: 8.00 Uhr (25 Minuten mit Q&A) Sprache: Deutsch Medium: Online-Event via Zoom