Wochenbericht 23/2022

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Hält das Stimmungstief an?

Die Aktienmärkte haben sich seit dem Stimmungstief am 20. Mai etwas erholt, denn die eingepreisten Rezessionsängste liessen die Aktien auf allzu günstige Niveaus fallen. Der amerikanische S&P 500 Index wie auch der US-Technologieindex Nasdaq legten seither um 5% zu. Auch die europäischen Börsen vermochten zu profitieren. Der eher defensiv ausgerichtete Schweizer Aktienindex SMI (+1%) konnte mit der Dynamik eines von Zyklikern geprägten DAX (+3%) nicht mithalten.
Auffallend ist, wie sich technologiebezogene und zyklische Unternehmen entwickelt haben. Die US-Unternehmen Apple (+5%), Alphabet/Google (+4%) und Nvidia (+11%) profitierten von besseren Einschätzungen. Im Industriebereich haben der Leichtbauspezialist St. Gobain (+6%) und der Chemiekonzern BASF (+5%) bestätigt, dass sich die Perspektiven aufhellen. St. Gobain kommunizierte, dass sie im ersten Halbjahr 2022 das operative Ergebnis vom Rekordvorjahr deutlich übertreffen und eine zweistellige operative Gewinnmarge erreichen werde. Dennoch handelt die Aktie nur gerade zum 11-fachen Jahresgewinn und wirft eine Dividendenrendite von mehr als 3% ab. Mit einer günstigen Akquisition des Familienunternehmens Kaycan, die letzte Woche unterzeichnet wurde, baut St. Gobain ihre Präsenz im lukrativen nordamerikanischen Markt aus.
Bei HBM Healthcare Investments (+7% seit dem 20. Mai) zeigte sich am Freitagabend nach Börsenschluss, wieviel Potenzial in deren Beteiligungsportfolio liegt. Der Pharmakonzern Bristol Myers Squibb übernimmt die Turning Point Therapeutics in einer Cash-Transaktion für 4.1 Milliarden Dollar. Das ist eine Prämie von 122% gegenüber dem letzten Aktienkurs. HBM verfügt über zahlreiche weitere vielversprechende Biotech-Portfoliounternehmen mit einem erheblichen Wertsteigerungspotenzial. Der Zyklus von möglichen Börsengängen (IPOs) und Übernahmen (Mergers & Acquisitions) im Biotech-Bereich befindet sich derzeit gerade in einer Aufschwungsphase.
Die beste Woche erfuhr jedoch U-blox. Der Kurs stieg jüngst um 27% und damit auf den höchsten Wert seit 2019, weil die Firma ihre Gewinnprognose für das laufende Jahr deutlich erhöht hat. U-blox scheint die Lieferketten gut in den Griff zu bekommen und rechnet inzwischen mit einem 27% bis 39% höheren Umsatz bei deutlichen Margenverbesserungen im laufenden Jahr – wenige Monate, nachdem die Guidance, die am 11. März fürs Jahr 2022 publiziert wurde, bereits sehr positiv aufgenommen wurde. U-blox profitiert von einer «aussergewöhnlich» starken Nachfrage und bewältigt die Lieferketten-Herausforderungen ausserordentlich gut. Dies bietet der Thalwiler Unternehmung günstige Voraussetzungen für vorteilhafte Preisanpassungen und eine schlüsselkundenbezogene Selektivität bei der Auftragsannahme, was letztlich Margenausweitungen ermöglicht.
Die Aktienmärkte dürften im Juni von routinemässigen Rebalancing-Käufen profitieren. Langfristige Anleger wie die Schweizerische Nationalbank und der norwegische Staatsfonds, die sich beide auf eine bestimmte strategische Aktienquote festgelegt haben, kaufen nach gesunkenen Kursen per Ende Quartal diszipliniert hinzu, um wieder ihre Zielquote zu erreichen.

Thema der Woche: Signifikante Stimmungsverbesserungen

Positives war zuletzt auch von der Mercedes-Benz Gruppe (+4%) zu vernehmen. Der Halbleitermangel, der die globale Automobilindustrie während zweier Jahre arg gestört hat, zeigt klare Signale der Erleichterung. Mercedes-Benz verfügt wieder über genügend Hightech-Komponenten, um erstmals seit langem auf volle Produktionskapazität im Premium- und Luxussegment zu wechseln. Der Durchbruch kommt früher als gedacht, aber noch wird der Sieg über die Halbleiterkrise nicht gefeiert. «Wir monitoren die Lage von Woche zu Woche, aber erstmals haben wir nun weltweit keine Produktionsprobleme mehr», liess sich Jörg Burzer, der Chef über Produktion und Lieferketten bei Mercedes, am Pfingstsamstag zitieren.
Damit stand die Mercedes-Benz Gruppe nicht allein dar. Die Stimmung unter den deutschen Automobilherstellern hat sich gemäss IFO Institut von -20.5 im April auf +38.0 Punkte im Mai signifikant verbessert. Die Umfrage zeigte zudem verstärktes Vertrauen, wonach die Preise nach oben angepasst werden können, um die höheren Materialkosten zu kompensieren. Auch Beschränkungen durch den Kabelbaumzulieferer Leoni mit Produktionsanlagen in der Ukraine seien weitgehend gelöst.
Das zeigt noch längst nicht auf, welches Potenzial in Unternehmen schlummert, sofern die Rezessionsrisiken ausgepreist werden. Im Risikomanagement wird auf das Abwärtsrisiko fokussiert. Als Assetmanager stehen wir jedoch gleichzeitig in der Pflicht, das Aufwärtspotenzial zu erkennen – insbesondere das langfristige. Während die kurzfristigen Kurse oftmals starken psychologischen Stimmungsschwankungen unterworfen sind, geht es bei der langfristigen Ausrichtung um effektive unternehmerische Ergebnisse. Den Pfad zu Leistungsverbesserungen (gemessen z.B. durch relative Marktanteilsveränderungen sowie durch Umsatz- und Ertragszuwächse) zu beurteilen ist vielmehr Mathematik als Psychologie.
Die Europäische Zentralbank wird am Donnerstag über den geldpolitischen Kurs im Sommer entscheiden. Sie wird den konjunkturellen Aufschwung nutzen, um die erste Zinserhöhung in die Wege zu leiten. Im Vorfeld dieser Entwicklung hat sich der Euro gegenüber dem Dollar rasch um 3% verbessert. Die Anleihen haben bereits einiges vorweggenommen: Zehnjährige deutsche Staatsanleihen werfen bereits wieder 1.3% Rendite ab, jene der Schweiz 1.0% (gegenüber -0.2% zu Jahresbeginn).

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

7. Juni 2022: Eurozone: Sentix Investorenvertrauen Juni
8. Juni 2022: Vereinigtes Königreich: S&P Global / CIPS UK Construction PMI Mai
9. Juni 2022: Eurozone: Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (Einlagenfazilität)
10. Juni 2022: USA: Konsumentenvertrauen University of Michigan Juni

Veranstaltungen

Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Juni 2022

Am Dienstag, 28. und Donnerstag, 30. Juni 2022 findet im KKL in Luzern sowie bei uns im Lüssihof in Zug die 29. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt.

Durch das Programm führen Timo Dainese, Gründer und geschäftsführender Partner, Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom und geschäftsführender Partner der Zugerberg Finanz sowie unser Gastreferent, Prof. Dr. Tobias Straumann, renommierter Schweizer Wirtschaftshistoriker.

zur Anmeldung


Zugerberg Finanz Wandertag – September 2022

Am Freitag, 2. September 2022 (Verschiebedatum Fr., 16. September 2022) findet die 15. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wandertags statt. Merken Sie sich das Datum bereits vor.

Weitere Details und die Möglichkeit zur Anmeldung werden zu einem späteren Zeitpunkt über den Veranstaltungsbereich unserer Webseite abrufbar sein.

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.21
SMI 11'529.2 –10.5%
SPI 14'802.2 –10.0%
DAX € 14'460.1 –9.0%
Euro Stoxx 50 € 3'783.7 –12.0%
S&P 500 $ 4'108.5 –13.8%
Dow Jones $ 32'899.7 –9.5%
Nasdaq $ 12'012.7 –23.2%
MSCI EM $ 1'060.7 –13.9%
MSCI World $ 2'779.1 –14.0%
Obligationenmärkte Seit 31.12.21
SBI Dom Gov TR 201.3 –12.6%
SBI Dom Non-Gov TR 110.9 –7.2%
Immobilienmärkte Seit 31.12.21
SXI RE Funds 465.6 –10.3%
SXI RE Shares 3'166.4 –0.7%
Rohstoffe Seit 31.12.21
Öl (WTI; $/Bbl.) 118.9 +58.1%
Gold (CHF/kg) 57'260.1 +6.7%
Wechselkurse Seit 31.12.21
EUR/CHF 1.0317 –0.6%
USD/CHF 0.9621 +5.4%
EUR/USD 1.0719 –5.7%
Kurzfristige Zinsen
3M Prog. 3M Prog. 12M
CHF –0.71 −0.8 - −0.6 +0.0 - +0.3
EUR –0.33 −0.3 - −0.1 +0.7 - +0.9
USD +1.47 +1.4 - +1.6 +2.4 - +2.7
Langfristige Zinsen
10-Jahre Prog. 3M Prog. 12M
CHF +1.04 +0.9 - +1.1 +0.8 - +1.1
EUR +1.26 +1.0 - +1.3 +0.8 - +1.1
USD +2.93 +2.9 - +3.2 +2.5 - +3.0
Teuerung
2021P 2022P 2023P
Schweiz 120.0% 220.0% 120.0%
Euroland 220.0% 330.0% 200.0%
USA 450.0% 400.0% 220.0%
Wirtschaft (BIP real)
2021P 2022P 2023P
Schweiz 300.0% 300.0% 250.0%
Euroland 380.0% 400.0% 300.0%
USA 550.0% 400.0% 250.0%
Global 540.0% 420.0% 380.0%
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