In Phasen hoher Volatilität sorgen sich verunsicherte Anleger. Dabei waren diese Phasen historisch im Rückblick stets die grossartigsten Einstiegsmöglichkeiten. Der Nachrichtenfluss bleibt immer vom Tagesgeschehen beeinflusst. Anlegerisch muss jedoch aufs Langfristige fokussiert werden. Wer jetzt sein überschüssiges Kapital klug arbeiten lassen will, erkennt in den tieferen Aktien-, Anleihens- sowie Immobilienkursen Einstiegschancen.
In der dynamischen Zinsentwicklung sind die Markterwartungen möglicherweise zu weit gegangen. Sie haben auch den Franken-Anleihensmarkt erfasst, der in den letzten drei Jahren extrem stark mit dem von US-amerikanischen Schatzanleihen geprägten Weltanleihensindex korrelierte. Fiel der Index der Weltanleihen um 1.00%, fiel jener der Schweiz um 0.83%. Diese hohe Korrelation ist umso erstaunlicher, weil sich die geld- und fiskalpolitischen Rezepte und Vorgehensweisen zwischen den USA und der Schweiz stark unterscheiden. Zentrale US-amerikanische Themen (Kerninflation von 6%, tiefe Beschäftigungsquote von rund 60%, Rezessionsangst) sind der Schweiz fremd. Auch zahlreiche Eckwerte wie Handels- und Leistungsbilanz, die Wirtschaftswachstums- und Inflationswerte, Arbeitslosigkeit und Beschäftigungsquote entwickelten sich auf einem völlig unterschiedlichen Niveau. Dennoch konnte sich der hiesige Anleihensmarkt dem globalen Sog, der aus den USA ausgelöst wurde, praktisch kaum entziehen.
Auch bei den Aktienindizes zwischen den USA und der Schweiz ist die Korrelation hoch – so hoch, dass man sich getrost die Frage stellen kann, aus welcher Ecke eine echte Diversifikation erzielt werden kann. Gewiss nicht mit passiven Bausteinen. Wir sehen den besten Ansatz darin, die langfristig überzeugendsten Geschäftsmodelle mittels Aktien, Anleihen und Immobilien & Infrastruktur in einem balancierten Portfolio zusammenzuführen. Bausteine wie Nestlé, Sika, Holcim, Partners Group, Swiss Life und beispielsweise Zurich Insurance Group erzeugen alle selbst in wirtschaftlichen Dellen hohe, freie Cash Flows. Sie sind konjunkturresilient und managementmässig in besten Händen. Unter den fünf grössten Nahrungsmittelkonzernen weltweit überragte Nestlé in den vergangenen Jahren mit ihrem Leistungsausweis. Weshalb soll nun für die Zukunft das passive Gemenge aller fünf vielversprechender sein?
Der Pessimismus ging in der vergangenen Woche bis Donnerstag wohl zu weit. Am Freitag war eine klare globale Markterholung spürbar. Der Swiss Market Index (SMI) wäre letzte Woche gestiegen, hätte das Schwergewicht Roche nicht einen Taucher gemacht. Der Kursverlust von 20% innert Monatsfrist erscheint uns übertrieben. Gewiss war der Studienabbruch einer Kombination von bestehenden Roche-Medikamenten sowie einem neuen gegen Lungenkrebs eine schlechte Botschaft. Aufgrund der Unberechenbarkeit der Medikamentenerfolge ist bei uns im ausgewogenen Portfolio beispielsweise die Nestlé-Aktie – im Gegensatz zum SMI – doppelt so hoch gewichtet, wie jene von Roche.
Während die industriellen Auftragsbücher schon seit einigen Monaten gefüllt sind, trifft der Aufschwung im europäischen Dienstleistungssektor erst in diesen Wochen ein. Vielleicht vergessen wir es einfach zu schnell. Ein Wachstum führt uns auf eine höhere Stufe als im Jahr zuvor. Hier eine einfachere Erklärung: Als Restaurants geschlossen blieben, es praktisch keine Reisen mehr gab sowie Konzerte und Sportveranstaltungen ein Relikt der Vergangenheit zu sein schienen, hatten wir alle viel mehr Zeit und Energie, um sich um das eigene Wohnen und um den Arbeitsplatz zuhause zu kümmern.
Inzwischen stellen wir fest, dass die Verkaufszahlen von Do-it-yourself nicht mehr rasant ansteigen. Umso stärker ist offensichtlich das Bedürfnis nach Reisen. Nach zwei Jahren Pandemie verbreitet sich wieder die Lust auf grenzüberschreitendes Reisen. Der Tui-Reisekonzern berichtet, dass im Sommer 2022 nicht nur die Zahl der gebuchten Urlaube mit einem hohen zweistelligen Prozentwert in die Höhe geschossen ist. Auch die gebuchte Urlaubszeit hat um mehr als 10% gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Das bringt den Tourismus wieder annähernd auf die vorpandemischen Niveaus zurück. Besonders profitieren wird der Norden Europas. Diverse Fähren nach Norwegen und Schweden sind bereits ausgebucht.
Der touristische Aufschwung wird aber auch den Süden Europas erfassen. Von der iberischen Halbinsel bis nach Griechenland ist der beste Sommer seit 2019 absehbar. Die Aussichten auf attraktive Last-Minute-Angebote sinken immer mehr. Der starke Reisesommer 2022 übertrifft bei den Buchungen den Sommer 2019 deutlich. Damit lässt sich auch leicht prophezeien, dass sich der Dienstleistungssektor zum konjunkturellen Stabilisator in den kommenden Monaten entwickeln wird. Das ist natürlich auch der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht entgangen, welche die starke konjunkturelle Dynamik nutzen will, um ihre Geldpolitik zu «normalisieren». Entgegen früheren Absichten stellte Christine Lagarde, die Präsidentin der EZB, jüngst in einer Rede in Ljubljana in Aussicht, bereits im Sommer die Leitzinsen zu erhöhen.
Zugerberg Finanz Wandertag
Vergangenen Freitag fand der 14. Zugerberg Finanz Wandertag statt. Wir durften 87 gesellige Wanderfreundinnen und -freunde sowie drei Hunde begrüssen. Sie bewanderten mit uns den beliebten Panoramaweg Ägerital. Vom Treffpunkt Bahnhof Zug ging es mit drei VBZ-Bussen zum Start nach Oberägeri. Der Anstieg, knackig und steil, führte uns vorbei an Blumenwiesen mit einer herrlichen Sicht über den Ägerisee und die dahinterliegende Bergwelt, hoch hinaus zum St. Jost, wo wir eine Verschnaufpause einlegten. Chefökonom Maurice Pedergnana nutzte die Gelegenheit, uns etwas über die Geschichte unseres bevorstehenden Zieles, dem Gottschalkenberg («Gottschäli»), zu erzählen. Anschliessend folgte das letzte Teilstück über den Raten zum Restaurant Gottschalkenberg, wo uns David, der Gastgeber, kulinarisch zum 3 Gänge Schlemmer-Menü empfing. Herrlich war’s!
Frisch gestärkt erkämpften wir uns noch den letzten kleinen Anstieg, bevor wir über abwechslungsreiche Wald- und Wiesenwege mit prächtiger Sicht wieder nach Ägeri herabstiegen. 17 Kilometer, 550 Höhenmeter, einige Schweisstropfen und ein paar verlorene Schuhsohlen später und mit Petrus Wetter-Segen erreichten wir unser Ziel, den Lüssihof. Dort wartete bereits der Abschlussapéro mit Vesperbrettli & Co. auf uns, und wir liessen diesen herrlichen Tag ausklingen.
Wir bedanken uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und insbesondere auch beim Organisationsteam für diesen einmal mehr sehr gelungenen, geselligen und kurzweiligen Tag und freuen uns, wenn wir Sie im Herbst zu unserem nächsten Wandertag begrüssen dürfen.
Herzlich, Timo Dainese