Die Berichtssaison zum ersten Quartal ist in die Gänge gekommen und dabei sind mehrheitlich überraschend gute Unternehmenszahlen präsentiert worden. Risiken wie der Ukrainekrieg verloren offenbar ihren Schrecken. Besonders gut kamen die Zahlen von Nestlé an. Dem weltweit grössten Nahrungsmittelkonzern gelang es im ersten Quartal, die höheren Inputkosten mittels Preiserhöhungen von mehr als 5% im Markt durchzusetzen. Dadurch bestätigte Nestlé unser Hauptanliegen an die Unternehmen, in die wir investieren: die Preissetzungsmacht. Nicht auf allen Feldern schaffte es Nestlé, die Preise tüchtig nach oben zu schrauben. Aber gewiss gelingt dies dem Konzern mit seinen Premiummarken heute insgesamt besser als noch vor ein paar Jahren. Der Rückzug aus margenschwachen Massengeschäften beginnt sich auszuzahlen.
Übrigens stoppte der Nestlé-Konzern, der zuletzt 7’000 Mitarbeitende in sechs Fabriken in Russland beschäftigte, bald nach Kriegsbeginn die Produktion der meisten Produkte und nahm Marken wie Kitkat und Nesquik aus den Regalen. Aktuell stellt Nestlé nur noch lebenswichtige Nahrungsmittel bereit. Etwaige Gewinne spendet der Konzern an Organisationen, die humanitäre Hilfe in der Ukraine leisten. In der Ukraine selbst sorgt Nestlé als eines der wenigen Unternehmen dafür, dass die Regale in den Geschäften weiterhin gefüllt bleiben. Den Produktionsbetrieb in Charkiw habe man aufgrund heftiger Bombardierungen einstellen müssen. Das Vertriebszentrum in Charkiw sei in ein Spendenzentrum umgewandelt worden. Bis heute habe man mehr als 40 Millionen Nahrungsmittelportionen und Getränke verteilt.
Der Nestlé-Aktienkurs zog an. Allerdings hat die Furcht der Anleger vor steigenden Zinsen die anfangs noch gute Stimmung am New Yorker Aktienmarkt am Freitagabend zum Kippen gebracht. Der US-Leitindex S&P500 beendete die vergangene Woche bei 4’271 Punkten, 10.4% tiefer als zu Jahresbeginn. Etwa auf dem gleichen Niveau bewegte sich zuletzt der europäische Leitindex Stoxx Europe 50: Gegenüber dem Jahresbeginn liegt er 10.7% tiefer.
Die steigenden Zinsen haben insbesondere den Wachstumsaktien zugesetzt. Der technologielastige US-Nasdaq liegt 20% unter seinem Höchst, das lediglich fünf Monate zurückliegt. Charakteristisch für eine vergleichbare Kursrückstufung stehen Alphabet und Microsoft, während sich Apple (-11%) noch vergleichsweise gut behaupten konnte. Titel wie der Corona-Liebling Netflix (-69%), der digitale Zahlungsdienstleister Paypal (-72%) und Facebook-Betreiber Meta Platforms (-51%) sowie Halbleiterspezialist Nvidia (-42%) werden noch viel deutlicher unter ihren Höchstwerten aus den vergangenen Wochen und Monaten gehandelt. Durch die Straffung der Geldpolitik schlägt sich der höher eingesetzte Diskontierungsfaktor für zukünftige Gewinne umso stärker bei jenen Unternehmen nieder, die operativ noch nicht so profitabel sind wie die «Cash Flow-Maschine» Apple.
Sonnengebräunt ist unser CEO von seinem Urlaub auf Hawaii zurückgekehrt. So ganz richtig im Urlaub war er nie. Jedenfalls deckte er uns regelmässig mit Mails ein, zu Unzeiten aufgrund der Zeitverschiebung. Auf WhatsApp folgten dann herrliche Impressionen von Meer, Strand und Sonne. Der zweimonatige Familienurlaub scheint gut getan zu haben. Das Radfahren konnte er natürlich auch in Hawaii nicht lassen, wie Bilder vom Gipfel des Haleakala Vulkanes zeigen («From Sea to Sky»). Und am Strand mit seinem jüngsten Sohn Gianni scheint ihm immer wieder etwas eingefallen zu sein.
Mit einer Konfetti-Bombe haben wir ihn begrüsst. Bald danach war der Spass vorbei. Die Zügel wurden wieder angezogen. Der Chef ist zurück, und der Chefökonom verlässt sein Büro nur noch selten. Ausgangssperre hat er bekommen, bis die Performance wieder in der positiven Zone liegt.
Auch die Osterhasen sind weg. Schoko-Zeiten sind vorbei. Nur noch frisches Gemüse, Äpfel und Birnen liegen auf. Die Turnschuhe müssen dringend angezogen werden, und das Rennvelo wird auf die ersten Ausfahrten vorbereitet. Viele Mitarbeitende haben noch nicht einmal eine einzige Etappe an der diesjährigen Zugerberg Finanz Trophy absolviert. Dabei ist schon bald Ende April. Das Zugerberg Team liegt im Zwischenklassement der Zugerberg Finanz Trophy auf dem 12. Rang. Das entspricht nicht dem Ambitionsniveau des begeisterten (Rad-)Sportlers Timo.
PS. Einige Mitarbeiter haben etwas Geld zusammengelegt und ihm zum Geburtstag ein Ticket der Deutschen Bahn nach Kiel geschenkt. Da kommt er – bei den Problemen der deutschen Eisenbahn – gewiss nicht gleich wieder zurück, bleibt aber wenigstens in der selben Zeitzone wie Zug. 😉
Die Mitarbeitenden der Zugerberg Finanz
Die Anhebung der Leitzinsen
Die Normalisierung der Geldpolitik in einer Phase des starken Wirtschaftswachstums bei Inflation war schon von verschiedenen Zentralbanken seit langem angekündigt worden. Angesichts der hartnäckig erhöhten Teuerungsindikatoren geht es in jüngster Zeit vor allem um das Tempo dieser Normalisierung, und dieses soll vielerorts erhöht werden.
Die Anhebung der US-Leitzinsen wirft seine grössten Schatten voraus und hat auch das Zinsgefüge in der Schweiz viel stärker beeinflusst als jedes Signal der Schweizerischen Nationalbank. Jerome Powell, Vorsitzender der US-Zentralbank Federal Reserve, hat am vergangenen Freitag angedeutet, dass an der kommenden Sitzung in zehn Tagen eine starke Anhebung der US-Leitzinsen um gleich 50 Basispunkte diskutiert würde. Das hat den Aktien und Anleihen gleich etwas zugesetzt.
Die Zeichen auf eine Zinswende im Juli signalisierte die Europäische Zentralbank. Das hat am Donnerstag die Aktienmärkte und den Euro gegenüber dem Dollar stark steigen lassen. Das hat natürlich auch Konsequenzen für den Hypothekarkreditmarkt. Entsprechende Kredite mit zehn Jahren Zinsbindung kosten mittlerweile deutlich über 2%. Noch vor kurzem war es ein Prozent weniger. Die Zinswende ist auch in Europa unübersehbar und auf den Anleihensmärkten deutlich spürbar in vollem Gang.
Herzlich, Maurice Pedergnana