Wochenbericht 14/2022

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Angst bleibt ein ständiger Begleiter

Das erste Quartal 2022 ist vorbei. Der Krieg in der Ukraine geht in die sechste Woche. Verängstigt wirken dadurch Investoren, Unternehmen und Konsumenten. Denn der Krieg nahm eine weltwirtschaftliche und geopolitische Bedeutung an, die wir in ihrem ganzen Wirken wohl erst mit der Zeit richtig werden einordnen können. Viele Fragen bleiben offen und verschiedene Zielkonflikte unbeantwortet. Betrachtet man zunächst nüchtern den Swiss Market Index (SMI), liegt dieser sogar höher als vor Kriegsausbruch. Zwischendurch ist er allerdings um bis zu 15% unter das Niveau des Jahresbeginnes gefallen. Die vergangene Woche beendete der SMI bei 12’179 Punkten: Das ist eine Rendite von -5.4% seit dem 1. Januar; der Swiss Bond Index liegt in derselben Periode bei -5.9%.

Weitaus bedeutungsvoller ist der mit Sanktionen und Gegenreaktionen geführte Wirtschaftskrieg, der zwischen Russland und dem Westen entfacht wurde, zu hohen Öl- und Gaspreisen führte und letztlich zu massiven Preiserhöhungen für Milliarden von Menschen sorgt. Mit einer Inflationsrate von rund 2% leben wir in der Schweiz auf einer glückseligen Preisinsel. In Ländern und Bevölkerungsschichten, in denen für Energie und Nahrungsmittel wesentlich mehr ausgegeben wird als im durchschnittlichen Schweizer Haushalt, schmälert die gestiegene Inflation die verfügbare Kaufkraft. Gewiss mildern Lohnanstiege die Wirkung, weshalb wohl vielerorts eine spürbare Lohnrunde ansteht.

Die erdölexportierenden Länder haben bereits im Dezember 2021 gemeinsam mit Russland (OPEC+) vereinbart, die Förderquoten nicht zu erhöhen, obschon die starke konjunkturelle Erholung mit dessen Folgen für eine kurzfristig steigende Nachfrage nach fossilen Brennstoffen absehbar war. Zusätzlich wurden – von langer Hand geplant – die Gazprom-eigenen Gaslager in Deutschland auf einen vorwinterlichen Minimalstand reduziert, um die Abhängigkeit der grössten europäischen Volkswirtschaft vom fortwährenden Gasimport aus Russland zu maximieren. Die US-Sanktionen gegen Venezuela und den Iran schränken das Angebot auf dem fragilen Weltmarkt zusätzlich ein.

Hinzu kommen anhaltende Probleme in diversen Lieferketten. Auch der hartnäckige Beistand Chinas zu Russland stellt eine neue geopolitische und unternehmerische Herausforderung dar. Während Russland als Absatzmarkt für die allermeisten Unternehmen vernachlässigbar klein ist, lockt in China der weltweit grösste und dynamischste Binnenmarkt.

Beim SMI zeigt sich eine ausgeprägte Aufsplitterung der Performance nach Branchen. Von der inflationsgetriebenen, restriktiveren Geldpolitik profitieren die Versicherer, die einen Grossteil ihrer Anlagen in langfristigen Anleihen platzieren, welche inzwischen wieder eine positive Rendite abwerfen. Im Konsumgüterbereich haben sich die Perspektiven insgesamt stabil gehalten, während die Aktien starker Wachstumswerte (z. B. Partners Group, Lonza) vor allem unter dem erhöhten Diskontierungsfaktor der Analysten leiden. Bau-, Chemie-, Industrie- und Technologiewerte liegen häufig 12% bis 20% unter dem Jahresanfangswert.

Thema der Woche: Die Wachstumskräfte halten an

Zunächst bleibt festzuhalten, dass bei einem leicht steigenden Angebot steigende Preise ein Indiz für eine stark steigende Nachfrage sind. Was wir gegenwärtig beobachten, sind anhaltende Wachstumskräfte in wesentlichen Teilen der Weltwirtschaft.

Im immer bedeutungsvolleren asiatischen Wirtschaftsraum haben sich die Wachstumsprognosen trotz erhöhter Energie- und Nahrungsmittelpreise nicht wesentlich verändert. Der kaufkräftige Mittelstand nimmt mit jedem Tag zu, sei es in Indien, Indonesien oder Vietnam. In Südkorea, das für die Weltwirtschaft wesentlich bedeutungsvoller als Russland ist und nebst den Grosskonzernen wie Hyundai und Samsung über eine vielfältige, flexible und anpassungsfähige KMU-Struktur verfügt, wird in diesem Jahr auf einem hohen Niveau ein Wachstum von 3% erwartet.

Auch in die USA halten die Auftriebskräfte an. Im März wurden zum elften Mal in Folge mehr als 400’000 neue Jobs geschaffen. Damit ist der US-Arbeitsmarkt beinahe wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie. Allerdings herrscht Arbeitskräftemangel, weil die Beschäftigungsquote mit zuletzt 62.4% immer noch deutlich tiefer als vor zwei, drei Jahren liegt und damit die konjunkturelle Dynamik dämpft. Die Arbeitskosten steigen zwar, wodurch die Kaufkraft aufrechterhalten bleibt. Deshalb schätzen wir das Rezessionsrisiko weiterhin als gering ein. Bei einer von der US-Zentralbank FED erwarteten Gesamtjahresinflation für das Jahr 2022 von 4.3% droht keine ausufernde Lohn-Preis-Spirale.

In Europa liegen die Einkaufsmanagerindizes klar in der Wachstumszone. Das gilt sowohl für die Industrie, die mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen hat, wie auch für den Dienstleistungssektor, der nach zwei schwierigen Pandemiejahren wieder einer hoffnungsvolleren Zukunft entgegenblickt.

Erfreulich ist auch die Perspektive für den Monat April. Aktien dürften gerade in inflationären Zeiten wohl dauerhaft interessanter bleiben als Anleihen, auch wenn eine grössere Schwankungsbreite zu erwarten ist. In den letzten zehn Jahren war der April ein Monat, der überdurchschnittlich zur Jahresperformance beizutragen vermochte.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

5. April 2022: Deutschland / Eurozone: S&P Global Composite PMI März
6. April 2022: VR China: Caixin Composite PMI März
7. April 2022: Eurozone: Geldpolitik der Europäischen Zentralbank
8. April 2022: Kanada: Arbeitslosenrate März

Veranstaltungen

Zugerberg Finanz Wirtschaftsworkshops für Jugendliche – ein Rückblick

An den Samstagen vom 19. und 26. März 2022 fanden bei uns im Lüssihof die Zugerberg Finanz Wirtschaftsworkshops für Jugendliche statt. 47 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren haben an zwei Samstagen viel Wissenswertes über die Wirtschaft und Kapitalmärkte erlernt.
mehr Infos hier


Zugerberg Finanz KidsDay – Mai 2022

Am Mittwoch, 25. Mai 2022 findet in Zusammenarbeit mit der Stiftung Next Sport Generation die 8. Ausgabe des Zugerberg Finanz KidsDay in Steinhausen statt. Für diesen Plausch-Fussball Nachmittag können sich die Kinder der Jahrgänge 2010–2016 anmelden. Austragungsort ist die Sportanlage Eschfeld in Steinhausen. Gekickt wird zwischen 13.00 und 17.00 Uhr.
zur Anmeldung


Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick – Juni 2022

Am Dienstag, 28. und Donnerstag, 30. Juni 2022 findet im KKL in Luzern sowie bei uns im Lüssihof in Zug die 29. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt. Durch das Programm führen Timo Dainese, Gründer und geschäftsführender Partner, Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom und geschäftsführender Partner der Zugerberg Finanz sowie unser Gastreferent, Prof. Dr. Tobias Straumann, renommierter Schweizer Wirtschaftshistoriker. Das Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung werden zu einem späteren Zeitpunkt über unsere Webseite abrufbar sein.

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.21
SMI 12'179.1 –5.4%
SPI 15'569.4 –5.3%
DAX € 14'446.5 –9.1%
Euro Stoxx 50 € 3'918.7 –8.8%
S&P 500 $ 4'545.9 –4.6%
Dow Jones $ 34'818.3 –4.2%
Nasdaq $ 14'261.5 –8.8%
MSCI EM $ 1'145.9 –7.0%
MSCI World $ 3'057.1 –5.4%
Obligationenmärkte Seit 31.12.21
SBI Dom Gov TR 211.7 –8.0%
SBI Dom Non-Gov TR 113.5 –5.1%
Immobilienmärkte Seit 31.12.21
SXI RE Funds 504.8 –2.7%
SXI RE Shares 3'323.5 +4.3%
Rohstoffe Seit 31.12.21
Öl (WTI; $/Bbl.) 99.3 +32.0%
Gold (CHF/kg) 57'354.0 +6.8%
Wechselkurse Seit 31.12.21
EUR/CHF 1.0228 –1.4%
USD/CHF 0.9264 +1.5%
EUR/USD 1.1043 –2.9%
Kurzfristige Zinsen
3M Prog. 3M Prog. 12M
CHF –0.70 −0.8 - −0.6 −0.5 - -0.2
EUR –0.46 −0.6 - −0.5 −0.3 - +0.1
USD +0.67 +0.8 - +1.0 +1.8 - +2.0
Langfristige Zinsen
10-Jahre Prog. 3M Prog. 12M
CHF +0.61 +0.6 - +0.8 +0.8 - +1.1
EUR +0.54 +0.2 - +0.6 +0.8 - +1.1
USD +2.38 +2.4 - +2.7 +2.5 - +3.0
Teuerung
2021P 2022P 2023P
Schweiz 120.0% 220.0% 120.0%
Euroland 220.0% 300.0% 200.0%
USA 450.0% 350.0% 220.0%
Wirtschaft (BIP real)
2021P 2022P 2023P
Schweiz 300.0% 300.0% 250.0%
Euroland 380.0% 480.0% 300.0%
USA 550.0% 400.0% 250.0%
Global 540.0% 460.0% 380.0%
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