Wochenbericht 10/2022

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Beschleunigter Kursrutsch auf allen Märkten

Die maximale Konfusion auf allen Märkten herrschte zuletzt. Es gab harte wirtschaftliche Sanktionen der Europäischen Union (EU) und der USA gegen Russland. Davon ausgenommen waren explizit der Kohle-, Gas- und Ölexport und deren Abwicklungsarchitektur im Zahlungsverkehr. Auch deshalb, weil man sich selbst wohl am meisten bestraft hätte. Die EU bezieht 40% ihres Gasverbrauchs aus Russland, in der Schweiz sind es 47%. Hinzu gekommen sind privatwirtschaftliche Beschlüsse, z. B. der weltgrössten Reedereien, keine russischen Rohstoffe mehr zu verschiffen. Hafenarbeiter waren vielenorts nicht mehr bereit, russische Schiffe zu bedienen, Versicherer nicht mehr bereit, entsprechende Schiffsladungen zu versichern. Zwar gibt es keine Sanktionen auf den russischen Rohstoffexport, weil die Welt ihn braucht. Doch die allermeisten Banken in Europa stellen keine Kreditbesicherungen für deren bisherige Abnehmer mehr aus, die damit nicht mehr kaufen können.

Hinzu kamen Verkäufe von russischen Aktien und Anleihen, egal zu welchem Preis. Eine ganze Reihe von Pensionskassen beschloss, unmittelbar aus Russland auszusteigen. Ein Handel war gar nicht mehr möglich, vielleicht wird es auch nie mehr dazu kommen, nachdem der Wertverlust ohnehin schon 98% betrug. In London wurde entschieden, den Handel auf russische Aktien auszusetzen. In der Bewertung sind alle ohnehin bereits zu wertlosen Papieren geworden. Die Indexanbieter MSCI, Stoxx und FTSE erklärten diese als «uninvestierbar» und haben damit westeuropäische Banken, die erheblich mit Russland verbunden sind, in den Absog gebracht. Unklar bleibt, ob russische Anleihen dasselbe erfahren.

Selbst mit rekordhohem Rabatt konnte der Rohstoffhändler Trafigura russisches Öl nicht mehr verkaufen, denn die grossen westlichen Ölmultis wollten plötzlich alle nichts mehr von jenem Rohstoff wissen, den sie in diversen Joint-Ventures mit russischen Partnern jahrzehntelang gefördert, verarbeitet und transportiert haben.  Das liess den Preis von Rohöl der norwegischen Sorte Brent Crude auf 118 Dollar pro Fass ansteigen. Ende November 2021 kostete ein Fass noch 68 Dollar. Durch den zunehmend eskalierenden Krieg in der Ukraine mit Feuer auf dem Gelände einer AKW-Anlage ging vergessen, dass dieses Land auch als Kornkammer Europas gilt. Plötzlich schnellte der Weizenpreis um 40% in die Höhe, denn die Aussaat und Beackerung in der Ukraine, der Kornkammer Europas, bleibt ungewiss. Auch Aluminium ist 40% teurer als noch vor kurzem.

Die Inflationssorgen können rasch in Inflationsängste kehren. Deshalb sind Europa wie auch die USA besonders herausgefordert, für wirtschaftliche und soziale Resilienz zu sorgen. In Frankreich plant der Präsident Emmanuel Macron diverse Massnahmen zur Abfederung der gestiegenen Kraftstoffpreise. Der Schweizer Markt beendete die vergangene Woche bei 11’300 Punkten (-12.2% seit Jahresbeginn). Andere Märkte waren noch deutlich heftiger betroffen.

Thema der Woche: Krieg, Stagflation und Anlageverhalten

Am vergangenen Freitag belasteten der Krieg in der Ukraine und hohe Ölpreise das Marktgeschehen. Ebenso, dass der Euro zum Franken auf die Parität gefallen ist. Der Kapitalabzug aus europäischen Unternehmen, die einen Bezug zu Russland haben, kam hinzu. Der Grad der Globalisierung ist heute viel höher als früher, und damit sind die Rückwirkungen von Sanktionen auch ganz andere. Die Sorge vor einer Stagflation, einer stagnierenden Konjunktur mit Inflation, nimmt zu. Hohe Energiepreise allein führen noch nicht in eine Stagflation, denn sie sind derzeit vor allem auch das Resultat einer global stark steigenden Nachfrage.

Es ist nicht nur der Krieg, der die Inflation befördert, vor allem trifft bei diversen Rohstoffen das bewusst beschränkte Angebot auf eine stark erhöhte Nachfrage. Die OPEC Staaten haben beispielsweise in der Corona-Krise eine Rekordförderkürzung von zehn Millionen Fass täglich vorgenommen. Obschon die Weltwirtschaft wieder auf dem vorpandemischen Niveau liegt, hat man vor wenigen Tagen gemeinsam mit Russland beschlossen, nur allmählich die Quoten zu erhöhen. Dabei will China als weltweit grösster Rohstoffimporteur allein in diesem Jahr um imposante 5.5% wachsen, Indien mit mehr als 8%. Die Konjunktur brummt auch auf beiden Seiten des Atlantiks. In Europa zeigen diverse Frühindikatoren ein gutes Wachstum an, das sich mit den postpandemischen Lockerungen beschleunigen dürfte, während der US-Arbeitsmarkt geradezu aufblüht. Da ist die Arbeitslosenquote auf 3.8% gefallen und nähert sich dem Niveau vor der Pandemie. Die Löhne haben in den vergangenen zwölf Monaten um 5.1% zugelegt – etwa im Gleichschritt wie die Kerninflation (PCE).

Der Versuch, kurzfristig mit Anlageentscheiden in verzerrten Märkten zu reagieren, birgt stets das Risiko, am Ende zu spät zu kommen. In der Corona-Pandemie war es letztlich richtig, die Krise auszusitzen – trotz einer beängstigend hohen Volatilität. An den Börsen ging es mitten im globalen Lockdown von März 2020 schon bald wieder aufwärts – mit gelegentlichen Rücksetzern. Wir hielten nie russische Aktien und glauben, dass die indirekten Risiken im Zusammenhang mit Russland überschaubar sind.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

7. März 2022: Europäische Union: Sentix Investorenvertrauen
8. März 2022: Deutschland: Industrieproduktion Februar
10. März 2022: Eurozone: Zinsentscheid Europ. Zentralbank März-Sitzung
11. März 2022: Deutschland / USA: Kerninflation Februar / Uni Michigan Sentiment März

Veranstaltungen

Zugerberg Finanz Marktupdate für Institutionelle Anleger – März 2022

Thema: 2022 wird das Jahr der Zinswende
Datum: Di., 8. März 2022
Zeit: 08.00 Uhr (25 Minuten mit Q&A)
Sprache: Deutsch
Medium: Online-Event via Zoom
zur Anmeldung


Zugerberg Finanz Wandertag

Am Freitag, 13. Mai 2022 (Verschiebedatum Fr., 20. Mai 2022) findet die 14. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wandertags statt. Dieser führt uns über den «Panoramaweg Ägerital» auf den Gottschalkenberg.
Merken Sie sich das Datum bereits vor. Weitere Details zur Route und die Möglichkeit zur Anmeldung werden zu einem späteren Zeitpunkt über den Veranstaltungsbereich unsere Webseite abrufbar sein.


Zugerberg Finanz KidsDay

Am Mittwoch, 25. Mai 2022 findet in Zusammenarbeit mit der Stiftung Next Sport Generation die 8. Ausgabe des Zugerberg Finanz KidsDay in Steinhausen statt. Für diesen Plausch-Fussball Nachmittag können sich die Kinder der Jahrgänge 2010–2016 anmelden. Austragungsort ist die Sportanlage Eschfeld in Steinhausen. Gekickt wird zwischen 13.00 und 17.00 Uhr. Jedes Kind erhält ein Starter-Paket mit Fussballtrikot, Trinkflasche, Imbiss-Bon und weiteren Extras. Getränke und gesunde Snacks stehen den Kindern à discrétion zur Verfügung.
Die Anmeldung wird in Kürze über den Veranstaltungsbereich unserer Webseite möglich sein.

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.21
SMI 11'300.1 –12.2%
SPI 14'302.8 –13.0%
DAX € 13'094.5 –17.6%
Euro Stoxx 50 € 3'556.0 –17.3%
S&P 500 $ 4'328.9 –9.2%
Dow Jones $ 33'614.8 –7.5%
Nasdaq $ 13'313.4 –14.9%
MSCI EM $ 1'144.9 –7.1%
MSCI World $ 2'896.5 –10.4%
Obligationenmärkte Seit 31.12.21
SBI Dom Gov TR 223.2 –3.1%
SBI Dom Non-Gov TR 115.2 –3.6%
Immobilienmärkte Seit 31.12.21
SXI RE Funds 498.1 –4.0%
SXI RE Shares 3'196.4 +0.3%
Rohstoffe Seit 31.12.21
Öl (WTI; $/Bbl.) 115.7 +53.8%
Gold (CHF/kg) 58'080.1 +8.2%
Wechselkurse Seit 31.12.21
EUR/CHF 1.0024 –3.4%
USD/CHF 0.9167 +0.4%
EUR/USD 1.0928 –3.9%
Kurzfristige Zinsen
3M Progn. 3M Progn. 12M
CHF –0.72 −0.8 - −0.6 −0.8 - −0.6
EUR –0.52 −0.6 - −0.5 −0.4 - −0.1
USD +0.41 0.0 - +0.3 +1.0 - +1.5
Langfristige Zinsen
10-Jahre Progn. 3M Progn. 12M
CHF +0.17 +0.2 - +0.4 +0.5 - +0.8
EUR –0.10 +0.2 - +0.6 +0.6 - +1.0
USD +1.73 +2.0 - +2.2 +2.2 - +2.5
Teuerung
2021P 2022P 2023P
Schweiz 120.0% 120.0% 120.0%
Euroland 220.0% 280.0% 200.0%
USA 450.0% 300.0% 220.0%
Wirtschaft (BIP real)
2021P 2022P 2023P
Schweiz 300.0% 350.0% 180.0%
Euroland 380.0% 480.0% 300.0%
USA 550.0% 400.0% 250.0%
Global 540.0% 460.0% 380.0%
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