Wochenbericht 06/2022

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Steigende Gewinne stimmen zuversichtlich

Der Januar war von Inflationsängsten und geopolitischen Spannungen geprägt. Als sich das Investoreninteresse wieder aufs Wesentliche richtete, erhellte sich das Stimmungsbild. Viele Unternehmensergebnisse überraschten. Die Quartalsergebnisse von Apple und Alphabet sorgten sogar für eine rasche Kurserholung.
In den USA liegt unser Fokus auf qualitativ hochstehende Technologie-Werte, die mit hohen Cash Flows verbunden sind. Apple weist ein ausgezeichnetes Gewinnwachstum auf. Stark war auch das Wachstum in Europa. Im Smartphone-Bereich legte das Geschäft um 22% gegenüber dem Vorjahr zu. Souverän bewies der Konzern, dass er die Lieferketten im Griff hat – im Gegensatz zu diversen Industriekonzernen. Der letztjährige Bruttogewinn (Ebitda) von 128 Milliarden Dollar und die Bruttogewinnmarge von 34% sind eindrücklich. Auf dem eingesetzten Kapital wird eine Rendite von 38% erzielt. Als Folge auch von den Aussichten, die mit diversen technologischen Initiativen untermauert werden, wurden die Gewinnprognosen nach oben geschraubt.

Auch die Alphabet / Google-Aktien handeln praktisch wieder auf ihrem Allzeithoch. Der unternehmerische Fokus bleibt auf den drei Bereichen Search, Maps und YouTube. Die Werbeflächen verkaufen sich immer besser. Dabei wird zusätzlich massiv in die Künstliche Intelligenz investiert, erläuterte CEO Sundar Pichai. Am Beispiel der Tochtergesellschaft DeepMind in London illustrierte er dies. Es beanspruchte die Wissenschaft mehr als 50 Jahre, um die Struktur von 150’000 Proteinen herauszubekommen. Das DeepMind Team erhöhte diese Zahl nun auf eine Million Proteine, und allein in diesem Jahr werden sie die Struktur von mehr als 100 Millionen Proteinen herausfinden. Ein Pharmakonzern mit Zukunft ist auf DeepMind angewiesen.

Damit ist auch klar: Alphabet ist der Technologie-Konzern, dessen zukünftiger Nutzen vielfach unterschätzt wird. Auf vielen Plattformen entstehen intensive, langfristige Partnerschaften mit verschiedensten Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, welche mithilfe von Alphabet ihre Daten nicht nur intelligenter in der Cloud sichern und nutzbar machen, sondern die auch ihr Kundenverständnis vertiefen und das Kundenerlebnis verbessern können. Zur besseren Handelbarkeit der Aktie erfolgt im Juli übrigens ein Split von 20:1.
Meta fiel in der Marktkapitalisierung gleich um 250 Milliarden. Der Quartalsumsatz blieb mit 33.7 Milliarden (+20%) rund 0.3 Milliarden unter den Erwartungen, doch der Ausblick bereitete deutlich mehr Sorgen. Meta rechnet im Werbebusiness auf Facebook, Instagram, Messenger und WhatsApp mit einem Zuwachs 2022 zwischen 3% bis 11%. Die Erwartungen lagen jedoch bei +30%. Uns erscheint der Wert zuletzt bei 237 Dollar überverkauft.

Der Schweizer Markt erholte sich in der vergangenen Woche etwas. Der Swiss Market Index schloss bei 12’140 Punkten und liegt aber immer noch 5.7% unter dem Jahresbeginn. Das entspricht etwa der Performance der meisten Länderindizes weltweit.

Thema der Woche: Die Schwankungen setzen sich fort

Das Aufbäumen unter den US-Technologiewerten war eindrücklich. Vor allem Alphabet hat überzeugt. Im nächsten Jahr dürfte die Gesellschaft rund 100 Milliarden Dollar freien Geldfluss erzeugen. Das schafft kein anderes Unternehmen, weder Amazon, noch Apple, noch Microsoft. In diesem Sinne bleibt Alphabet relativ unterbewertet.

Spektakulär waren die jüngsten Kursveränderungen bei den Anleihen. Nicht nur in den USA kommt es zu einer geldpolitischen Wende, auch in Europa bahnt sie sich an. Die Bank of England geht voran, zahlreiche Notenbanken folgten. Es wird damit gerechnet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bald erste Schritte einleiten wird. Die EZB wolle zwar nicht «übereilt» handeln, aber eine sich anbahnende Straffung der Geldpolitik konnte man aus der Kommunikation von EZB-Chefin Christine Lagarde ableiten.

Lagarde meinte zudem, dass es vor allem der Anstieg der Energiepreise gewesen sei, der unterschätzt wurde. Dieser mache 50% der hohen Inflation aus und man werde «nicht nachlässig» mit diesem Umstand umgehen, auch wenn die EZB gegen den hohen Ölpreis, der «ausserhalb Europas entsteht», nichts tun könne. Durch den Gesinnungswandel kam es insbesondere bei kurzen und mittleren Laufzeiten zu herben Verlusten in der vergangenen Woche. Der Euro verteuerte sich infolgedessen gegenüber dem Dollar um knapp 3%. Gegenüber dem Schweizer Franken waren es gleich 2% innert weniger Handelsstunden. Nun wird er zu 1.06 gehandelt.

Weil die Schweizerische Nationalbank im Schlepptau der EZB mit ihren Handlungen folgen wird, hat sich die Zinsstrukturkurve auch hier spürbar verändert. In der Schweiz liegen die Renditen inzwischen auf dem höchsten Niveau seit mehr als sieben Jahren und verteuern damit auch die Wohnbaufinanzierung.

Aber zum Glück liegen bei uns keine türkischen Verhältnisse vor. Die waghalsige Geld- und Fiskalpolitik der letzten Jahre führte dazu, dass die Inflationsrate zuletzt auf fast 50% stieg. Mit ihrem unorthodoxen Vorgehen stürzt die Regierung die Volkswirtschaft mit rasender Geschwindigkeit in eine Rezession.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

7. Februar 2022: China: Caixin Composite PMI Januar
9. Februar 2022: Russland / Brasilien: (Kern-)Inflation Januar
10. Februar 2022: Eurozone / USA: EU Vorhersagen und Inflation Januar
11. Februar 2022: USA: University of Michigan Sentiment Februar

Hinweise

Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick

Die Videoaufzeichnung des Events ist ab sofort verfügbar. Gerne nehmen wir Ihre Anmeldung entgegen und stellen Ihnen anschliessend den Link zum Video per E-Mail zu.

In der Aufzeichnung können Sie folgende Inhalte sehen:

  • Teil 1: Rück- und Ausblick Zugerberg Finanz AG, Timo Dainese, CEO
  • Teil 2: Ausblick Wirtschaft und Kapitalmärkte, Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom
  • Teil 3: Brennende weltpolitische Fragestellungen, Erich Gysling, Weltpolitik Experte und Schweizer Journalist
  • Teil 4: Schlusstalk, Prof. Dr. Maurice Pedergnana und Erich Gysling
  • Teil 5: Tipps / Schlusswort, Timo Dainese, CEO

zur Anmeldung


Zugerberg Finanz Wirtschaftsworkshops für Jugendliche

Jugendliche begeistern und motivieren! Am Samstag, 19. März 2022 sowie Samstag, 26. März 2022 veranstalten wir unter den Titeln «Faszination Wirtschaft» und «Faszination Börse & Kapitalmärkte» zwei Tagesworkshops für Jugendliche. Die Tagesworkshops, die einzeln besucht werden können, richten sich an Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. Den Jugendlichen wird die Möglichkeit geboten, auf anschauliche Art und Weise den Wirtschaftsthemen näher zu kommen.

zur Anmeldung

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.21
SMI 12'140.3 –5.7%
SPI 15'371.6 –6.5%
DAX € 15'099.6 –4.9%
Euro Stoxx 50 € 4'086.6 –4.9%
S&P 500 $ 4'500.5 –5.6%
Dow Jones $ 35'089.7 –3.4%
Nasdaq $ 14'098.0 –9.9%
MSCI EM $ 1'221.1 –0.9%
MSCI World $ 3'061.5 –5.3%
Obligationenmärkte Seit 31.12.21
SBI Dom Gov TR 222.1 –3.5%
SBI Dom Non-Gov TR 117.1 –2.0%
Immobilienmärkte Seit 31.12.21
SXI RE Funds 517.1 –0.3%
SXI RE Shares 3'105.0 –2.6%
Rohstoffe Seit 31.12.21
Öl (WTI; $/Bbl.) 92.3 +22.7%
Gold (CHF/kg) 53'810.8 +0.2%
Wechselkurse Seit 31.12.21
EUR/CHF 1.0596 +2.1%
USD/CHF 0.9256 +1.4%
EUR/USD 1.1449 +0.7%
Kurzfristige Zinsen
3M Progn. 3M Progn. 12M
CHF –0.71 −0.8 - −0.6 −0.8 - −0.6
EUR –0.55 −0.6 - −0.5 −0.4 - −0.1
USD +0.23 0.0 - +0.3 +1.0 - +1.5
Langfristige Zinsen
10 Jahre Progn. 3M Progn. 12M
CHF +0.28 +0.2 - +0.4 +0.5 - +0.8
EUR +0.14 +0.2 - +0.6 +0.6 - +1.0
USD +1.91 +2.0 - +2.2 +2.2 - +2.5
Teuerung
2021P 2022P 2023P
Schweiz 120.0% 120.0% 120.0%
Euroland 220.0% 280.0% 200.0%
USA 450.0% 300.0% 220.0%
Wirtschaft (BIP real)
2021P 2022P 2023P
Schweiz 300.0% 350.0% 180.0%
Euroland 380.0% 480.0% 300.0%
USA 550.0% 400.0% 250.0%
Global 540.0% 460.0% 380.0%
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