In den vergangenen Wochen hat sich die Zuversicht für das Anlagejahr 2022 verstärkt. Seit Monatsbeginn haben die Aktienmärkte nochmals kräftig zugelegt. Beim Swiss Market Index (SMI) waren es +5.2%, beim amerikanischen Dow Jones und beim europäischen Stoxx Europe 600 je +4.3% – und dies trotz aller Widrigkeiten wie der nicht enden wollenden Pandemie, erhöhter Inflationswerte und geopolitischer Gefahrenherde.
Die belastenden Faktoren enden gewiss nicht mit dem Jahreswechsel. Vielmehr kann sogar davon ausgegangen werden, dass sich das wirtschaftliche Wachstum im ersten Quartal 2022 abschwächen wird. Doch bekanntlich blicken die Aktienmärkte durch solche Momentaufnahmen hindurch und eignen sich als ausgezeichnete Vorlaufindikatoren für die Weltwirtschaft in sechs bis neun Monaten. Die Erwartungen sind deshalb auf eine fortgesetzte Erholung der Wirtschaft gerichtet. Damit einhergehen dürfte aufgrund der Produktivitätssteigerungen eine überproportionale Entwicklung der Gewinne. Negativ bleiben die Aussichten für Staatsanleihen. Deren Besitzer müssen weiterhin stark negative Realrenditen in Kauf nehmen; hinzu kommt ein Zinserhöhungsrisiko, das umso grösser ist, je länger die Restlaufzeit der Anleihen ist. Je stärker und länger die Weltwirtschaft wachsen wird, desto umfangreicher dürften die Kursverluste auf den Anleihen ausfallen. In diesem Jahr ist der weltweite Benchmark für Staatsanleihen (der sog. «Global Aggregate Index») um 4.8% zurückgefallen. Der Index der US-amerikanischen Staatsanleihen hat gar 6.5% eingebüsst. Dennoch stehen diesen Indizes schwierigere Zeiten bevor, sollte es tatsächlich zu einer Wende in der Geld- und Zinspolitik kommen.
Als wertvoller Schutz dürften sich die Aktien von marktführenden Unternehmen mit Preisfestlegungsmacht erweisen. In dieser Hinsicht haben sich einige unserer Portfoliounternehmen in den vergangenen Wochen nochmals verstärkt. Der Genfer Warenprüfkonzern SGS gehört dazu. Auch der Baukonzern Holcim, der sich durch die Übernahme von Malarkey Roofing Products den Bereich Nachhaltigkeit verstärkt hat. Die strategiekonforme Akquisition im Segment der Wohnbedachungen in den USA passt zur Übernahme von Firestone Buildings, die ebenfalls im amerikanischen Dachmarkt tätig ist. Beide Transaktionen gelten als glaubwürdige Schritte in Rahmen der neuen Strategie 2025 namens «Beschleunigung des grünen Wachstums», um den CO2 Fussabdruck zu verringern. Die margenstarke Malarkey ist bekannt dafür, in den Bereichen Innovation und Nachhaltigkeit eine Führungsrolle einzunehmen.
Passend war auch die jüngste Transaktion des Energiekonzerns BKW. Mit der Übernahme des IT-Dienstleisters UMB wird BKW seine technologischen und digitalen Kompetenzen stärken. Die bisherigen BKW-eigenen IT-Firmen sollen mittelfristig in der Division «Building Solutions» gebündelt werden. So entsteht ein krisenresistenter IT-Dienstleister mit über 800 Mitarbeitenden, der sich um Themen wie «ganzheitliche» Lösungen bei der Digitalisierung des Gebäude- und Infrastrukturgeschäfts kümmert.
Der erste Pressesprecher der traditionsreichen britischen Zentralbank Bank of England, die im Juli 1694 gegründet wurde, wurde nach der Weltwirtschaftsdepression eingestellt. Seine Aufgabe in den 1940er und 1950er Jahren war, die Bank aus der Presse rauszuhalten und die Presse aus der Bank.
Inzwischen beschäftigen Zentralbanken grosse Kommunikationsabteilungen und Social Media Teams. Sie sind in den vergangenen Jahrzehnten viel transparenter geworden und kommunizieren klarer. Ein Grund dafür ist, dass die Zentralbanken unabhängig geworden und rechenschaftspflichtig sind. Nur durch ihre Kommunikation kann überprüft werden, wie sie im Rahmen ihres Mandats handeln und ob sie dieses auch erfüllen.
Der zweite Grund liegt in der Wirksamkeit der Geldpolitik. Transparenz kann die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik fördern und helfen, die langfristigen Inflationserwartungen fester zu verankern. Zugleich lässt sich die Geldpolitik besser vorhersehen. Eine erfolgreiche Geldpolitik besteht nicht so sehr in der Steuerung der kurzfristigen Leitzinsen. Vielmehr geht es darum, die Markterwartungen hinsichtlich der künftigen Leitzinsen zu beeinflussen. So kommuniziert der Rat der Europäischen Zentralbank regelmässig über die «Forward Guidance».
Allerdings gibt es da auch Grenzen. Die wichtigste Zentralbank der Welt, die US-amerikanische Federal Reserve, verfügt über einen Offenmarktausschuss, der transparent die Meinungen der einzelnen Mitglieder über die zukünftigen Leitzinssätze wiedergibt. Aber dieser sogenannte «Dot Plot» entsteht jeweils vor der Sitzung, und es ist zu erwarten, dass verschiedene Mitglieder im Rahmen des jeweils zweitägigen Treffens ihre Meinung ändern. Zudem bleibt verborgen, welches die gewichtige Meinung des Chairmans (derzeit Jerome Powell) ist. Deshalb benennen manche die Publikation des Punktdiagramms süffisant als «Dot Plot Bingo».
Der abtretende Präsident der Deutschen Bundesbank, Dr. Jens Weidmann, bleibt realistisch. In der heutigen Informationsflut drohen die Botschaften der Zentralbank an die eigene Bevölkerung unterzugehen. Denn sie stehen in einem harten Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Menschen. «Youtube-Videos von Haustieren oder die neueste Serie auf Netflix sind sicher für viele unterhaltsamer als die trockene Materie der Geldpolitik.»
Absage Anlässe
Herzlichen Dank für Ihr Interesse an unserem Wirtschafts- und Börsenausblick im Januar 2022.
Leider hat sich die aktuelle Corona Situation in den vergangenen Wochen stark verschlechtert, und der Bund hat weitreichende Massnahmen beschlossen. Um das Wohl und die Gesundheit unserer Gäste und Mitarbeitenden nicht zu gefährden, haben wir uns schweren Herzens dazu entschieden, den Wirtschafts- und Börsenausblick im Januar 2022 im KKL Luzern und in unserem Lüssihof in Zug nicht physisch, sondern nur virtuell via Videoaufzeichnung durchzuführen.
Wir bedauern sehr, dass wir den Anlass nicht vor Ort durchführen können. Wir danken für Ihr Verständnis in diesen besonderen Zeiten und hoffen, Sie im Juni 2022 wieder an einem unserer Anlässe begrüssen zu dürfen.
Sollten Sie sich für einen der drei Anlässe angemeldet haben, bekommen Sie die Videoaufzeichnung automatisch Ende Januar per E-Mail zugestellt.
Danke fürs Vertrauen.
Happy new Year!
Herzlich, Timo Dainese und Maurice Pedergnana