Wochenbericht 47/2021

Publikationen

Es nähern sich die Festtage

Es geht auf die letzten Wochen im 2021 zu. Bald dürften die Handelsvolumina festtagsbedingt zurückgehen, und zuvor werden die Portfolios auf die Chancen und Risiken der kommenden Jahre umgeschichtet. Dabei ist weiterhin von einem konjunkturellen Aufschwung auszugehen. Allerdings erwarten wir in vielen Branchen nicht mehr dieselben Umsatzsteigerungen und Gewinnmargenausweitungen wie im Jahr 2021. Die Phase von negativen Realzinsen dürfte in weiten Teilen der Industrieländer anhalten und die Preisniveaus für Realanlagen (Aktien, Immobilien, Privatmarktanlagen) hochhalten. Reale Renditen mit Nominalanlagen (Anleihen) zu erzeugen bleibt dagegen anspruchsvoll.
Vergangene Woche schloss der Swiss Market Index bei 12’545 Punkten. Das sind 3.7% mehr als zu Monatsbeginn. Das steht im Einklang mit den besten europäischen Märkten und ist ziemlich gut im Vergleich zum amerikanischen Dow Jones (-0.6%), zum britischen FTSE 100 (-0.2%) und Hong Kong-chinesischen Hang Seng (-1.3%).
Zurich Insurance zeigte jüngst, was der Versicherungskonzern unternimmt, um die bis 2022 gesteckten Finanzziele zu übertreffen. Der CEO Mario Greco bekräftigte angesichts des vorteilhaften Umfelds die Ziele und sieht die Versicherungsgruppe auf einem soliden Weg, die Profitabilität zu erhöhen. Daran werden die Investoren u.a. durch eine attraktive Dividendenausschüttung partizipieren. Es wird nach dem Investorentag erwartet, dass die Dividende um 5% erhöht wird.
Holcim befindet sich mit der Strategie 2025 «Beschleunigung des grünen Wachstums» in einer spannenden Transformation zum weltweiten Marktführer für innovative und nachhaltige Baulösungen. Energieeffiziente Dächer, Recycling von Bau- und Abbruchabfällen sowie grüner Beton rücken in den Vordergrund. Am Kapitalmarkttag wurde vergangene Woche vertieft auf die Dekarbonisierung eingegangen. Technologien zur Abscheidung von CO2 aus industriellen Prozessen bieten vielversprechende Möglichkeiten zur Bekämpfung des Klimawandels. Holcim erforscht gegenwärtig ihr Potenzial in mehr als 30 Pilotprojekten weltweit, wobei beispielsweise CO2 aus der Anlage in Südspanien gleich in der vertikalen Landwirtschaft eingesetzt wird und dabei zu einem geringeren Wasser- und Düngemittelverbrauch führt. In Deutschland läuft ein Projekt, die Ausscheidung in alternativen Kraftstoffen in Deutschland wiederzuverwenden.
Als wichtiger Wegbereiter für Dekarbonisierungs-Lösungen wird Holcim durch die Initiative «Werke der Zukunft» ihre Produktionsflotte aufrüsten und die Infrastruktur ihrer Standorte umgestalten und durch den Einsatz von Industrie-4.0-Innovationen wie künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Recycling von Materialien und die Herstellung von grünem Zement zur Förderung der Kreislaufwirtschaft beitragen. Die «Plants of Tomorrow» werden vernetzte, intelligente, kohlenstoffneutrale und energieeffiziente Standorte sein. Darunter leiden die Finanzziele nicht. Holcim will bis 2025 den bereinigten Umsatz um jährlich drei bis fünf Prozent steigern. Der bereinigte operative Gewinn solle dabei überproportional zulegen.

Thema der Woche: Hohe Inflationsraten als Episode

Die massgeblichen Zentralbanken sind sich gewiss, dass die hohen Inflationsraten eine vorübergehende Episode sein werden. Wer sich sorgt, dass die Inflation zur dauerhaften Gefahr werden könnte, kann sich etwas beruhigen. Typisch ist, dass gute News allenfalls noch als Randnotiz erwähnt werden. Deshalb holen wir dies an dieser Stelle nach: Manche Preise fielen innert Kürze um rund 10% (z.B. Rohöl- und Gasnotierungen, aber auch Kupfer), andere um 20% (z.B. Aluminium) und 30% (z.B. Palladium). Krass war der Rückgang beim Baltic Dry Index, ein wichtiger Preisindex für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern auf Standardrouten. Dieser fiel seit dem 6. Oktober um 55% – in einer wachsenden Wirtschaft mit verstärkten Handelsaktivitäten.

Fakt ist, dass die meisten Rohstoffpreise keineswegs die Nachfrage widerspiegeln, sondern zum Spielball der Spekulation wurden. Wer nicht klug plant, sondern seine Ressourcen kürzestfristig am Spotmarkt eindeckt, setzt sich freiwillig diesen spekulativen Kräften aus. Dies passiert typischerweise nur den unerfahrenen Einkaufsmanagern.

Medien erheischen ihre Aufmerksamkeit mit möglichst schrecklichen Nachrichten. So lässt sich unter vielen Messgrössen auch ein Inflationsmass aus den USA finden, das heute 6.2% höher liegt als vor einem Jahr. Die Methodik ist ebenso realitätsfremd wie zweifelhaft, weshalb sich die US Federal Reserve auf die effektive Teuerung fokussiert. Der «Personal Consumption Expenditure» PCE Index liegt im Kern seit Mai 2021 stabil bei 3.6%. Das ist die massgebliche Inflation, wie sie bei den privaten Haushalten tatsächlich ankommt. Alles andere ist Stimmungsmache. Der Kapitalmarkt hat das durchschaut. In den USA liegen die am Kapitalmarkt gehandelten Inflationserwartungen seit einiger Zeit auf einem Niveau, das weiterhin deutlich tiefer als vor zehn Jahren liegt.

Die wichtigsten Termine in der neuen Woche

23. November 2021: Eurozone / USA: Markit Einkaufsmanagerindizes November
24. November 2021: Deutschland / USA: IFO Geschäftsklima November / PCE Kerninflation
25. November 2021: Deutschland: GfK Konsumentenvertrauen Dezember
26. November 2021: Frankreich: Konsumentenvertrauen November

Hinweis

Nieselwetter im November

Wie so oft gegen Ende November werden die Tage kürzer, geprägt von Nieselwetter und dem Verlangen nach einem Glas Glühwein. Bei manchen erhöht dies die Vorfreude auf die nahenden Festtage. Bei uns ist es gewiss auch die Vorfreude auf die nahenden Begegnungen im Januar, sei es in Zug oder in Luzern.

Am kommenden Sonntag ist der 1. Advent.

Wir wünschen Ihnen eine fröhliche und besinnliche Adventszeit.


Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblick

Am Dienstag, 18. und Donnerstag, 20. Januar 2022 findet im KKL in Luzern sowie bei uns im Lüssihof in Zug die 28. Ausgabe des Zugerberg Finanz Wirtschafts- und Börsenausblicks statt.

Durch das Programm führen Timo Dainese, Gründer und geschäftsführender Partner, Prof. Dr. Maurice Pedergnana, Chefökonom und geschäftsführender Partner der Zugerberg Finanz sowie unser Gastreferent, Herr Erich Gysling, renommierter Weltpolitik-Experte, Mitbegründer der Sendung Rundschau und ehemaliger Chefredaktor des SRF.

KKL Luzern
Dienstag, 18. Januar 2022
· 17.30 bis ca. 20.15 Uhr

Zugerberg Finanz Lüssihof Zug
Donnerstag, 20. Januar 2022
· 09.30 bis ca. 12.15 Uhr
Donnerstag, 20. Januar 2022
· 17.30 bis ca. 20.15 Uhr

Weitere Infos und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

Marktdaten

Aktienmärkte Seit 31.12.20
SMI 12'545.0 +17.2%
SPI 16'109.2 +20.9%
DAX € 16'160.0 +17.8%
Euro Stoxx 50 € 4'356.5 +22.6%
S&P 500 $ 4'698.0 +25.1%
Dow Jones $ 35'602.0 +16.3%
Nasdaq $ 16'057.4 +24.6%
MSCI EM $ 1'269.2 –1.7%
MSCI World $ 3'219.9 +19.7%
Obligationenmärkte Seit 31.12.20
SBI Dom Gov TR 232.6 –3.2%
SBI Dom Non-Gov TR 119.9 –0.1%
Immobilienmärkte Seit 31.12.20
SXI RE Funds 507.1 +4.9%
SXI RE Shares 3'252.8 +6.5%
Rohstoffe Seit 31.12.20
Öl (WTI; $/Bbl.) 76.1 +56.8%
Gold (CHF/kg) 55'056.0 +1.9%
Wechselkurse Seit 31.12.20
EUR/CHF 1.0479 –3.1%
USD/CHF 0.9278 +4.8%
EUR/USD 1.1290 –7.6%
Kurzfristige Zinsen
3M Progn. 3M Progn. 12M
CHF –0.78 −0.8 - −0.6 −0.8 - −0.6
EUR –0.57 −0.6 - −0.5 -0.5 - -0.3
USD +0.16 0.0 - +0.3 0.0 - +0.3
Langfristige Zinsen
10 Jahre Progn. 3M Progn. 12M
CHF –0.20 −0.2 - 0.0 −0.2 - +0.1
EUR –0.38 −0.2 - 0.0 0.0 - +0.2
USD +1.55 +1.2 - +1.5 +1.6 - +1.9
Teuerung
2021P 2022P 2023P
Schweiz 90.0% 120.0% 100.0%
Euroland 220.0% 170.0% 150.0%
USA 380.0% 250.0% 220.0%
Wirtschaft (BIP real)
2021P 2022P 2023P
Schweiz 300.0% 350.0% 180.0%
Euroland 420.0% 480.0% 220.0%
USA 600.0% 480.0% 250.0%
Global 600.0% 500.0% 380.0%
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