Die Kernaussage aus der Berichtssaison vom dritten Quartal besteht darin, dass sich praktisch überall die Auftragsbücher weiter gefüllt haben. Der positive Nachfrageschock führt die Weltwirtschaft in die stärkste Boomphase seit 50 Jahren. Viele Aufträge werden wohl erst mit erheblicher Verzögerung ausgeführt werden können, weil sich die globalen Lieferketten- und Logistikprobleme erst allmählich beheben lassen.
Letztere schmälern gewiss die Margenentwicklung im vierten Quartal, vielleicht auch noch im ersten Quartal 2022. Doch die mittelfristigen Aussichten haben sich erheblich verbessert, weshalb mehr Zuversicht an die Märkte zurückkehrte. Der Swiss Market Index (SMI) beendete letzte Woche bei 12’108 Punkten. Das entspricht einem Indexzuwachs von +4.0% im Oktober und somit der zweitbesten Monatsperformance im laufenden Jahr.
Partners Group zeigt sich derart zuversichtlich, dass sie für ihre Private Equity Kundschaft einen substanziellen Anteil der Schweizer Luxusuhrenmarke Breitling erworben hat. Der Aktienmarkt wiederum zeigte sich bei Partners Group selbst von der zuversichtlichen Seite: Am 12. Oktober begann die längste Kursgewinnsträhne mit jeweils höheren Tagesendwerten, die man bei Partners Group seit dem Börsengang im Jahr 2006 beobachten konnte. Diese dauerte bis am 27. Oktober an und führte zu einem Kursgewinn von +11.4%: Das waren 8.3% mehr als der SMI in derselben Periode.
Den stärksten Kursgewinn im Monat Oktober verzeichnete in unseren Portfolios das international tätige Energie- und Infrastrukturunternehmen BKW mit Sitz in Bern (+20%). Mit mehr als 10’000 Mitarbeitenden wird für eine zukunftsfähige Energieproduktion und eine ressourcenschonende Infrastruktur (Power Grid, Infra Services) gesorgt. Am Kapitalmarkttag wurde die ambitiöse Wachstumsstrategie 2026 präsentiert. In den nächsten fünf Jahren sollen die Umsätze um 50% und der Bruttogewinn (EBIT) um 60% ansteigen. Die in den letzten Jahren massiv ausgebaute BKW-Expertise passt bestens zu Megatrends wie Klimawandel, Urbanisierung und Digitalisierung.
Ein neues Allzeithoch erreichte zuletzt die Nestlé-Aktie mit rund 120 Franken (+8% im Oktober). Das hat die Firma auch ihrer verstärkten Beachtung der Nachhaltigkeit zu verdanken. Emma Keller, Head of Sustainability, hat in diesen strategisch und operativ bedeutungsvollen Themen wertvolle Erfahrungen aus ihrer früheren Zeit beim WWF in den Nahrungsmittelkonzern miteingebracht. Sie befindet sich aktuell im Austausch mit vielen Fachleuten in Glasgow, wo am Sonntag der Weltklimagipfel begann.
In vielen unserer Portfolios befinden sich Aktien von «Meta Platforms Inc.» – so nennen sich neu Mark Zuckerbergs Beteiligungen, die von Facebook über Instagram hin zum zukunftsträchtigen Thema Metaverse reichen. Dazu können Sie im Monatsbericht November mehr erfahren.
Die zugrundeliegenden Wirtschaftszyklen sind in den letzten Jahrzehnten moderater, länger und global synchroner geworden. Die Verringerung der Amplituden im Konjunkturverlauf wird sich in Zukunft weiter verfestigen. Durch die zunehmende Globalisierung nimmt deshalb der Nutzen durch eine Länderdiversifikation im Portfolio Management ab. Ohnehin sind zahlreiche Volkswirtschaften weniger verletzlich gegenüber Rezessionen geworden. Die besten Möglichkeiten der Diversifikation bestehen in der Vielfalt der unterschiedlichen Branchen und Geschäftsmodelle.
Auf der Länderebene gibt es inzwischen immer mehr Vernetzungen und Wirtschaftsgemeinschaften (Europäische Union, Asean, Usmca usw.), welche zur Folge haben, dass es gemeinsam auf- und abwärts geht. Lieferketten sind keine länderspezifische Angelegenheit, sondern eine globale Herausforderung. Dies gilt auch für die Container-Schifffahrt, den Klimaschutz und die Dekarbonisierung und vieles mehr.
Die Finanztheorie wird von niemandem so ernst genommen wie von der Fed – die Finanzstabilität steht klar im Vordergrund, aber ebenso der geldpolitische Pragmatismus. Die Fed ist stets zu einer raschen Reaktion fähig, wenn es vorübergehend zu einer Instabilität kommt. Von der Fed lernen wiederum andere Zentralbanken; man befindet sich im engen Austausch und handelt in der Krise rasch und synchron.
Eine wichtige Erkenntnis aus dem Jahr 2020: Das Bankensystem ist im Kern gesund. So waren im Pandemiejahr keinerlei staatlichen Stützungen notwendig. Der Kreditvergabeprozess blieb stets intakt und die Kreditmärkte zeigten sich robust.
Derzeit erleben wir eine starke globale Nachfrage mit Knappheitseffekten. Natürlich werfen die Häufung und das Andauern exogener Preisschocks, die gegenwärtig vor allem aus den Preisen fossiler Energieträger und jenen der Logistik herrühren, die Frage nach «Zweitrundeneffekten» auf, welche den derzeitigen leichten Inflationsanstieg in eine problematische, sich selbst erhaltende Aufwärtsspirale verwandeln könnten. Viel wahrscheinlicher bleibt eine Rückkehr der Inflation zu ihrem jahrelangen, moderaten Durchschnitt in der zweiten Jahreshälfte 2022 – dank einer synchron funktionierenden Weltwirtschaft mit geringeren Ineffizienzen auf der Angebotsseite und einem gnadenlos intensiven Preiswettbewerb.
Weltwirtschafts-Boom
Wir stehen derzeit mitten im grössten Nachfrageboom der letzten 50 Jahre. Überall in den Industrieländern wie auch in fortgeschrittenen Schwellenländern wie in China ist es in den vergangenen 18 Monaten zu ungewollt hohen Sparprozessen gekommen. Die Ausgabemöglichkeiten wurden pandemiebedingt eingeschränkt. Um aus der Krise herauszufinden, wurden geld- und fiskalpolitische Expansionsmassnahmen ergriffen.
Hinzu kommt nun die synchrone Freisetzung der überschüssigen Ersparnisse aus der Pandemiezeit im Umfang von etwa 5’000 Milliarden Franken. Dieser Boom löst derzeit Inflationsängste aus, weil das lieferkettengestörte Angebot mit der starken Nachfrage nicht mehr mithält. Doch allmählich sind Besserungen absehbar, in der Halbleiter- und Automobilindustrie wird von sechs bis zwölf Monaten gerechnet, bis man auf den Trend zurückgekehrt sein wird.
Wahrscheinlich wichtiger ist, dass der derzeitige deutliche Anstieg der Einstellungsschwierigkeiten lediglich dazu führt, dass die Haushaltseinkommen wieder das Niveau der drei bis vier Jahre vor der Pandemie erreicht haben, ohne dass es damals zu einer nennenswerten Beschleunigung der Löhne gekommen wäre. Das stimmt uns für die Gewinnentwicklung ebenfalls zuversichtlich.
Timo Dainese im «Bänkli-Talk»
In seinem Format «Bänkli-Talk» lädt Gabor Gaspar zu einem spontanen, ungezwungenen Interview, das auf dem «Lieblingsbänkli» seines Gesprächspartners stattfindet. Auf einer Alp oberhalb von Kerns unterhält er sich mit Timo Dainese, dem Gründer und geschäftsführenden Partner der Zugerberg Finanz. Hier gehts zum Bänkli-Talk